Seitenblick: Die Deportierten aus der Schwäbischen Straße 25.

28 jüdische Personen wurden aus dem Haus Schwäbische Straße 25 in Berlin-Schöneberg in der Nazi-Zeit deportiert. Bei der Gedenkveranstaltung „Erinnerung braucht einen Ort!“ der Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert wurde ihrer anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Ausschwitz am Sonntag, 30.1.2011, gedacht:

  • Jacob Blumenthal, ermordet in Theresienstadt mit 74 Jahren
  • Hedwig Blumenthal, ermordet in Auschwitz mit 62 Jahren
  • Walther Capell, ermordet in Theresienstadt mit 59 Jahren
  • Franz Fehr, ermordet in Auschwitz mit 69 Jahren
  • Rosa Gotha, ermordet in Auschwitz mit 48 Jahren
  • Bertha Gutmann, ermordet in Theresienstadt mit 65 Jahren
  • Heinrich Hamburger, ermordet in Riga mit 62 Jahren
  • Seine Ehefrau Friederike Hamburger, ermordet in Riga mit 54 Jahren
  • Hilda Heller, ermordet in Minsk mit 79 Jahren
  • Joseph Heumann, ermordet in Auschwitz mit 74 Jahren
  • Paula Heumann, ermordet in Auschwitz mit 53 Jahren
  • Leo Hummel, ermordet in Auschwitz mit 61 Jahren
  • Emil Kochmann, ermordet in Auschwitz mit 60 Jahren
  • Bertha Kochmann, ermordet in Auschwitz mit 54 Jahren
  • Caroline Leers, die älteste Frau aus dem Haus, ermordet in Theresienstadt mit 85 Jahren
  • Max Lewinthal, ermordet in Theresienstadt mit 70 Jahren
  • Gotthilf Loewenmeyer, ermordet in Theresienstadt mit 78 Jahren
  • Julius Loewenmeyer, ermordet in Theresienstadt mit 73 Jahren
  • Ursula Marcuse, ermordet in Auschwitz mit 20 Jahren
  • Charlotte May, ermordet in Auschwitz mit 47 Jahren
  • Helene May, ihre Mutter, ermordet in Minsk mit 78 Jahren
  • Selma Plotke, ermordet in Trawniki mit 66 Jahren
  • Georg Redlich, ermordet in Riga mit 58 Jahren
  • Ella Redlich, seine Ehefrau, ermordet in Auchwitz mit 50 Jahren
  • Ihr Sohn Heinz A. Redlich, ermordet in Auschwitz mit 20 Jahren
  • Erich Rosenberg, ermordet in Auschwitz mit 57 Jahren
  • Gisella Tismar, ermordet in Theresienstadt mit 73 Jahren

Möge ihr Schicksal uns alle mahnen und wachsam vor Ausgrenzung, Verfolgung und Diktatur machen. Die Gedenkrede von Mechthild Rawert finden Sie hier.

Seitenblick: Gedenken Schwäbische Straße 25.

Am Sonntag, 30. Januar 2011, fand auf Initiative der SPD-Bundestagsabgeordneten (und Rogate-Kloster-Unterstützerin) Mechthild Rawert eine Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaustgedenktag vor dem Haus Schwäbische Straße 25 in Berlin-Schöneberg statt. Die Zeitzeugin Rahel R. Mann, die als jüdisches Kind durch die Hilfe von Nachbarn überleben konnte, bereicherte die Veranstaltung durch die Beschreibung ihres Lebensweges sowie mit eigenen Gedichten.

Seit 1996 ist der 27. Januar bundesweit der nationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Mechthild Rawert gedenkt jährlich in einer Veranstaltung in ihrem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg der Opfer und ihrer Leiden.

1997 wurde an der Fassade des Hauses Schwäbische Straße 25 im Bayerischen Viertel von der Hausgemeinschaft eine Steintafel angebracht zum Gedenken an die 28 jüdischen Menschen, die ab 1942 von hier aus in die Todeslager der Nazis deportiert wurden. Es waren jüdische Bürgerinnen und Bürger im Alter von zwanzig bis vierundachtzig Jahren. Ihre Namen sind in Yad Vashem verewigt.

Vor der Gedenktafel wurden in großer Würde die Namen der achtundzwanzig Opfer verlesen und an die Menschen erinnert, die unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet worden sind. Die Gedenkrede von Mechthild Rawert finden Sie hier.

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Feiertag: Heute ist der 4. Sonntag nach Epiphanias.

Am 4. Sonntag nach Epiphanias steht in den evangelischen Gottesdiensten Gottes Macht über die Naturmächte im Vordergrund. Jesu Sturmstillung, die Sintflut, die Worte Gottes durch den Propheten – alles führt uns vor Augen, dass Gott den Weltenlauf mit Leichtigkeit verändern. Doch während die Sintflut dazu diente, den „Versuch“ mit der Menschheit noch einmal neu anzufangen, zielen die anderen Geschichten schon eher darauf ab, dass der Mensch sich ändern soll, um solche Katastrophen abzuwenden.

Das Wochenlied für heute:

Meinung: „Menschen sterben nicht nur durch einen Hammer.“

Wenn ich öffentliche Ereignisse besuche, frage ich mich, der ich zu einer Augustiner-Kongregation gehöre: Gehst du in zivil oder im Habit? Bist du da privat oder bist du da als Ordensbruder?

Der Verlauf der furchtbaren Trauerfeier am Freitag für David Kato hat dann entschieden. Ich stehe hier im Habit als Zeichen der Demut vor Gott. Ich stehe hier als Zeichen als Zeichen der Dankbarkeit für euer Erscheinen hier.

Ich stehe hier im Habit als Zeichen der Ehrerbietung für David, der am Mittwoch grausam erschlagen wurde. Ich stehe hier als Christ und Mitglied des Rogate-Klosters.

Ich stehe hier, weil ich es leid bin, dass meine Religion für Hasspredigten und für die Ausgrenzung Andersliebender benutzt wird.

Ich stehe hier, weil ich den Worten Jesu glaube, wie wir sie eben in der Lesung (Johannes 15. und 16. Kapitel, 26-27 & 1 – 4) gehört haben: Sie tun dies, weil sie weder Gott noch Christus kennen, weil ihnen die Liebe Gottes fremd ist.

Ich stehe hier, weil ich mir von meinen Glaubensgeschwistern Einsatz für das Leben, für das bedrohte Leben von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern einfordere. Ich stehe hier, weil sie in zu vielen Ländern vom Tode bedroht sind, weil sie in so vielen Ländern diskriminiert, ausgegrenzt, verstoßen, gejagt, bespuckt und beschimpft werden.

Ich stehe hier und ihr mit mir, weil die Zeit enden muss, wo anders Liebende geächtet werden. Ich stehe hier, weil es ein Ende haben muss mit dem Kastensystem auch in unserer Kultur, wo bestimmte Prägungen als gut und anerkannt, andere als anrüchig gesehen und auch (noch) in den Gesetzen benachteiligt werden.

Ich stehe hier, weil meine Bibel nicht zum Hass gegen Lesben, Schwule und alle anders Geprägten aufruft. Da steht nirgendwo: „Tötet, demütigt Homosexuelle und greift sie an.“

Sogar bei seiner Beerdigung hat es ein Vertreter meines Glaubens, hier war es mal ein Pfarrer der anglikanischen Kirche, nicht unterlassen, zur Tötung von Homosexuellen aufzurufen, sie zu demütigen, David Kato zu demütigen. Menschen zu demütigen, wie Gott sie schuf und prägte.

Es erfüllt mich immer mit Trauer, wenn unsere Kirchen nicht Liebe, sondern Hass, nicht Nächstenliebe, sondern Ausgrenzung, nicht Annahme sondern Ablehnung verkündigen.

Zeit meines Lebens als Christ muss ich mich wieder und wieder entschuldigen, weil nicht nur Fundamentalisten, sondern auch mancher gemäßigte Kirchenmensch vermittelt, lesbische, schwule, bisexuelle, Transgender- Menschen seinen weniger wertvoll.

Vor noch nicht einmal einem Jahr haben wir hier an dieser Stelle ebenfalls gestanden. Es wurde zu einem Kiss-In gegen die drohende Todesstrafe für Homosexuelle in Uganda geladen. Küsse für das gleiche Recht auf Liebe, Küsse gegen Hass. Die weltweiten Aktivitäten gegen das Gesetz, auch vom Europäischen Parlament, zeigten Wirkung. Das Gesetz ist in der Schublade verschwunden, vorerst jedenfalls. Küsse und Zärtlichkeit gegen den Tod!

Im Christentum steht der Kuss leider nicht nur für die Liebe. Judas, der Verräter küsste Jesus und verriet den Menschensohn (Lukas 22, 47-48). Menschen sterben nicht nur durch einen Hammer.

Es erfüllt mich mit Trauer, wenn in unserem Land eine Fernsehsendung aus einem fernen Wald die größte Beachtung findet und Traumquoten für die Veranstalter erreicht, weil ein vermeintlich schwuler Mann durch Küsse versucht, seine Heterosexualität zu beweisen. Große Teile der Bevölkerung kannten tagelang kaum Wichtigeres, als diesen krampfhaften Versuch in Farbe und Großaufnahme.

Es muss ein Ende haben, es ist unwürdig, dass die sexuelle Prägung eines Menschen einen Makel bedeutet.

Liebe Freundinnen und Freunde, ich stehe auch hier, weil ich euch bitten möchte, uns, die wir uns in den verschiedenen Glaubensgemeinschaften engagieren, zu bestärken. Der Zug derer, die die Kirchen wegen der oft homophoben Praxis und vieler schlimmer Äußerungen verlassen, zieht auch die mit, die für die Offenheit stehen. Ich bitte euch um Solidarität mit denen, die wieder und wieder Bereiche des öffentlichen Lebens öffnen wollen, die sich ohne Rast wieder und wieder für die Akzeptanz anderer Lebensformen einsetzen. Es gibt in den Kirchen viele Menschen guten Willens, großer Weite und guter Herzensbildung.

Wenn wir den Weg und den Kampf gegen Homophobie in all seinen Formen gemeinsam und solidarisch gehen, dann war der Tod von David Kato nicht umsonst.

Dann kann ein Kuss wieder uneingeschränkt Zeichen der Liebe, der wahrhaften Intimität, der Freude, der Nähe und der Zuwendung werden.

Votum von Frater Franziskus beim Gebet für David Kato vor der Botschaft von Uganda am Sonnabend, 29. Januar 2011.

Rückblick: Trauerandacht für David Kato vor der Botschaft von Uganda.

Die Rogate-Initiative und das Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin feierten am Sonnabend, 29. Januar 2011, vor der Botschaft der Republik von Uganda in Berlin eine Trauer-Andacht und beteten für den am Mittwoch erschlagenen Menschenrechtsaktivisten David Kato. Über 100 Anwesende aus verschiedenen Initiativen, aus Parteien und Kirchengemeinden gaben ihm die letzte Ehre.

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Wir sind dankbar für folgende die Mitteilung von heute, 31. Januar 2011, aus Hannover:

„Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Mail an den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, und Ihre Bitte um eine öffentliche Stellungnahme zum Mord an David Kato. Präses Schneider teilt Ihre Betroffenheit und Ihr Entsetzen über die Ereignisse in Uganda. Gegenwärtig wird in unserem Haus geprüft, ob der Auslandsbischof hierzu eine Stellungnahme veröffentlichen wird.“

Sollte eine Stellungnahme erfolgen, werden wir sie unverzüglich hier veröffentlichen.

Aktuell: Der Erzbischof von Canterbury zum Mord an David Kato.

Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury und Ehrenvorsitzender der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, hat den Mord an dem Ugander David Kato Kisule scharf verurteilt: „Der brutale Mord an David Kato Kisule, einem Schwulenaktivisten, ist hochgradig schockierend,“ sagte Williams. „Unsere Gebete und unser tiefes Mitleid gelten Davids Familie und seinen Freunde – und all denen, die in Angst um ihr Leben leben. David Kato Kisule wurde mit Gewalt und Tod bedroht und niemand sollte jemals so in Angst vor der Bigotterie anderer leben.“ Weiterhin forderte der Erzbischof dazu auf „gegen Einstellungen anzugehen, die das Leben von sexuellen Minderheiten gefährden.“
Bischöfin Katherine Jefferets Shori, die der amerikanischen Episkopalkirche (dem U.S. Ableger der Anglikanischen Kirchengemeinschaft) vorsteht, hofft darauf, „dass die Welt von Katos sanften und leisen Zeugnis lernt und ein Herz aus Fleisch an Stelle eines Herz aus Stein empfängt.“

Die Bischöfe äußerten sich während einer Sitzung der Primasse der Anglikanischen Kirchengemeinschaft in Dublin. Die Verlautbarung des Erzbischofs von Canterbury wurde explizit von den Primassen befürwortet. Sie erinnerten daran, dass sie 2005 die Diskrminierung und das Schikanieren von gleichgeschlechtlich liebenden Menschen als „Anathema“ (Kirchenbann) bezeichnet haben. Ferner bezogen sie sich auf den international anerkannten „Windsor Report„, der „jegliche Demonisierung von Homosexuellen und deren schlechte Behandlung“ als unvereinbar mit den Grundsätzen „christlicher Liebe“ bezeichnet hat. Der Erzbischof von Uganada hat sich unterdessen noch nicht zu der Tragodie geäußert, auch von Seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland liegen keine Stellungnahmen vor.

The Archbishop of Canterbury, Dr Rowan Williams, who is currently in Dublin for the Primates‘ meeting, has made the following statement regarding the murder of the gay human rights activist David Kato Kisulle in Uganda:

„The brutal murder of David Kato Kisule, a gay human rights activist, is profoundly shocking. Our prayers and deep sympathy go out for his family and friends – and for all who live in fear for their lives. Whatever the precise circumstances of his death, which have yet to be determined, we know that David Kato Kisule lived under the threat of violence and death. No one should have to live in such fear because of the bigotry of others. Such violence has been consistently condemned by the Anglican Communion worldwide. This event also makes it all the more urgent for the British Government to secure the safety of LGBT asylum seekers in the UK. This is a moment to take very serious stock and to address those attitudes of mind which endanger the lives of men and women belonging to sexual minorities.“

Die Ökumenische Rogate-Initiative lädt am Sonnabend, 29.1.2011, 15.00 Uhr zu einem stillen Gedenken und zum Gebet vor der Botschaft der Republik Uganda ein. Mehr dazu hier. Update: Bilder von der Gedenkandacht hier.

Übersetzt: Die Rogate-Kloster-Idee auf Esperanto.

La ekumena Rogate-monaĥejo estis fondita la 29-a de septembro 2010, la tago de ĉefserafo Mikaelo. Li estas la patrono de la ideo fonditi monaĥejon por ĉiuj religioj en la germana metropolo. Loko de espero, kie oni povas preĝi kaj soleni sanktan eŭkaristion sen disigon. Impulsa forto de la fondita estas la luterana aŭgustenano-frato Franziskus M. Schaar. La kliko kolektas donacojn por proksimigi la realiĝon de la projekto.