Meinung: Trauer um Schließung der Redemptoristenkirche Maria Hilf in Bochum.

von Winfried Eichholz, Unterstützer des Rogate-Klosters, Bochum.

Heute, 16.01.2011, haben wir Bochumer mal wieder die zweifelhafte Freude, uns von einer Kirche verabschieden zu müssen. Die Redemptoristenkirche Maria Hilf wird, samt Kloster, mit der letzten hl. Messe um 15.00 Uhr durch Bischof Dr. Overbeck geschlossen. Anschließend erfolgt die Übertragung des Allerheiligsten in die benachbarte Kirche St. Joseph der polnischen Gemeinde. Die Reliquien des hl. Gerhard werden vermutlicht am 1. Fastensonntag in die Propsteikirche überführt.

Eigentlich sind wir Ruhris Kirchenschließungen bereits gewöhnt, aber wenn ein Kloster geschlossen und die letzte der vier größten Kirchen Bochums dem Gebrauch entzogen wird, ist das ein besonders bewegender Moment.

In der letzten Woche war ich nochmal dort, um mich zu verabschieden. Ein paar mittelprächtige Bilder sind dabei entstanden. Die von 1868 bis 70 gebaute Kirche bildete zusammen mit Kloster und dem nebenstehenden Waisenhaus einen eindrucksvollen, archtektonischen Höhepunkt im westlichen Stadtbereich. Kirche und Kloster brannten 1943 vollständig aus.

Der zeitgemäße Wiederaufbau 1950/51 veränderte die Ansichten der Kirche erheblich – und nicht zum besten. So wirkt z. B. der neue Kubus der Glockenstube viel zu schwer und lastend auf dem alten Turmstumpf. Im Außenbereich ist seit Jahrzehnten keine wesentliche Sanierung erfolgt, abgesehen von der störend wirkenden Verschalung des Obergadens im Osten und der ebenfalls nicht schönen, farblichen Fassung der Südfassade.

Dennoch – es tut weh! Bis jetzt stehen alle Zeichen auf Abriss… Als ich vor 13 1/2 Jahren nach Bochum gekommen bin, wagte man an solche Zustände noch gar nicht zu denken!

Warm bin ich mit ihr nie geworden, was vermutlich an der kaum einheitlichen Ausstattung liegt, die an das Sammelsurium in Wohnzimmern älterer Menschen erinnert.

Der Innenraum wurde 1950/51 durch das Weglassen der ehem. Wölbung zu einer monumentalen Schlucht umgestaltet, die allerdings ihren überaus eindrucksvollen Höhepunkt im Chor in einer gewaltigen Altaranlage endete. Am Eingang zum Chor stand ein kleiner Altar mit der Ikone von der immerwährenden Hilfe, dahinter erhob sich auf einem gut 3x höheren Podest wie dem heutigen der Hochaltar, bekrönt von einem bis in den Obergaden reichenden Baldachin, der in Form und Ausführung dem auf dem Katholikentag 1949 in Bochum errichteten Baldachin entprach.

Diese Variante wurde aber bereits 1956 zur entgültigen Wiedereinweihung der Kirche entfernt und dann der jetzige, immernoch monumentale Marmoraltar in die Kirche gebracht, vor 1981 aber weiter hinten und höher stehend. Das einzige noch originale Ausstattungsstück von 1951 ist ausgerechnet die aus Dachstuhlresten zusammengezimmerte Kanzel. Die zumindest architektonisch viel zu kleine Orgel mit 23 Registern wurde 1968 von Klais erbaut. Vor der Zerstörung hatte die Kirche die mit 80 Registern größte Kirchenorgel Bochums.

Für mich sind zwei entscheidende Fehler in dieser Kirche raumbestimmend: Zum ersten ist es die Lichtführung bzw. Verglasung. Die Seitenschiffe werden durch stark farbige und eher dunkel gehaltene Fenster von Franz Pauli mehr oder minder beleuchtet. Durch die umstehende, hohe Bebauung und die Ausrichtung des Baus nach Norden kommt in diesem Bereich nur wenig direktes Sonnenlicht in die Kirche. Die Obergadenfenster, in hellem Grün und einfachen, geometrischen Formen verglast, lassen den den oberen Teil der Kirche meist wesentlich heller erscheinen, heben aber auch die schwer lastende, weil sehr dunkel gehaltene Holzdecke, hervor. Die eigentliche Aufwärtsbewegung der Architektur wird also durch Unterschiede in der Lichtführung durchbrochen, und oben durch die Decke unvermittelt gestoppt.

Zum zweiten ist es die nicht mehr der ursprünglichen Intention entsprechende Gestaltung des Chorraums. Ein monumentaler Altar braucht Raum, viel Raum. Er wirkt nicht, wenn er, nur um nahe an der Gemeinde zu sein, irgendwie nach vorn gezogen wird. Besonders unschön ist die Situation hier, wo der Raum hinter dem Altar eine klaffende Lücke darstellt, die noch nicht mal nur leerer Raum sein darf, sondern eher durch Zufälligkeiten und Unordnung auffällt. In diesem Fall wird die Ausrichtung der Kirche in der Länge durch den Altar unterbrochen, der an dieser Stelle die Funktion als Zielpunkt verloren hat.

Aber nun hat alle Unterbrechung hier ja ein Ende. Schade um den im Grunde genommen dennoch prächtigen Raum!

Zur Info: Alonso M. di Liguori gründet 1732 bei Neapel den Orden. In Bochum wird 1868 der Grundstein für das Kloster, 1869 der für die Kirche gelegt. 1870 wird diese eingeweiht. Im Laufe der Zeit wird Maria Hilf mehrmals aufgelöst – 1873 durch die Preußische Regierung, 1941 durch die Gestapo. Im Zweiten Weltkrieg zerstören Bomben teilweise das Kloster. Bis 1953 wird es wieder aufgebaut.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Meinung. abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s