Aktuell: 200 Jahre Talar. Ein Textil feiert Jubiläum. Teil 5.

Der schwarze Talar wurde vor 200 Jahren eingeführt. Wir würdigen dies mit einer kleinen Reihe und haben Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten, Geistliche und Laien um ihre Meinung gefragt. Hier Teil 5 mit Beiträgen aus Hannover, Brandenburg an der Havel, Potsdam und Lüdenscheid.

Wilhelm Hüffmeier, 69 Jahre, Präsident des Gustav-Adolf-Werks – Diasporawerk der EKD, evangelisch. „Bei aller Sympathie für Farben und Feste und bei aller Einsicht in die unterschiedlichen Traditionen liturgischer Gewänder auch innerhalb der weltweiten evangelischen Christenheit habe ich meine Mühe mit der bunten Vielfalt, die heute um sich greift. Mir ist angesichts der Notwendigkeit einer Ökumene der Profile der gute alte schwarze Talar mit den konfessionell unterschiedlichen Beffchen neu lieb und wert geworden. Das ist ja nicht nur eine Stilfrage, sondern ein Ausdruck reformatorischen Selbstverständnisses, ein protestantisches Markenzeichen in Deutschland und darüber hinaus.“ Den Beitrag von Wilhelm Hüffmeier finden Sie in voller Länge hier.

Hanna Kreisel-Liebermann, 55 Jahre, Hannover, Pastorin an der Marktkirche Hannover, evangelisch-lutherisch.„Wie der Talar 2211 aussieht? Vielleicht ist es dann im Zuge der Erderwärmung und Klimaveränderung nötig, hauchdünne Talare zu tragen, die auch nicht mehr diese Stofffülle haben, sondern schmal sind. Vermutlich aus High-Tech-Material, das aus Milch oder Algen gefertigt wird. Möglicherweise haben auch längst Modeschöpfer sich diesem Kleidungsstück gewidmet und es gibt den Designer und den Kasual-Talar. Aber auch mit der Frauenordination hat er sich doch nicht grundsätzlich verändert. Der Talar und seine Form und Funktion sind seit der Reformation annähernd identisch geblieben.  Ich denke daher nicht, dass er abgeschafft wird.“  Sie finden den Beitrag in ganzer Länge hier.

André Wiethölter, 48 Jahre, Dompfarrer, Brandenburg an der Havel, evangelisch.“Der schwarze Talar trägt zum Gelingen eines Gottesdienstes bei. Er ist eine freundliche, deutliche Gehhilfe christlicher Frömmigkeit. Dies trägt nicht zuletzt dazu bei, dass der Gottesdienst mit schwarzem Gewand neben seiner eigenen, traditionsgeschwängerten Würde auch Freude ausstrahlt, wo Menschen sich nach Beständigkeit, Wurzeln und Schlichtheit sehnen. Der schwarze Faltenwurf, im rechten Lichte besehen, ist Glanz und Feier des Lebens.

Wie der Talar 2211 aussehen wird, vermag keiner zu sagen. Wir wissen nicht, was nachfolgende Generationen umtreiben wird? So bleibt nur zu wünschen, dass es ein Talar sein wird, der fern aller kurzfristigen Modeerscheinungen und selbstverliebten Selbstdarstellungen das möglich macht, was wir mit dem schwarzen Talar haben: eine Hilfe, in Bescheidenheit auf das Wesentliche klar, deutlich und in ästhetischer Gestalt feierlich hinzuweisen.“ Sie finden den Beitrag in ganzer Länge hier.

Christian Peter Barthelmes, 56 Jahre alt, Wuppertal, Inhaber der Fa. Assmann, evangelisch. „Nüchtern betrachtet ist der Talar zunächst die Dienstkleidung des Pfarrers. Für mich als Talarhersteller ist es jedoch ein besonderes Kleidungsstück, in dem ich immer wieder die Tradition seit 120 Jahren Talare zu schneidern wiederfinde. Die Vielfalt der einzelnen Talarformen in den einzelnen Landeskirchen beeindruckt mich immer wieder und bringt auch eine gewisse Abwechslung in den täglichen Produktionsablauf. Bei jedem Gottesdienst, den ich vor allem außerhalb meiner Heimatkirche besuche, schaue ich immer zuerst auf den Talar (meinen erkenne ich sofort) und stelle die Unterschiede in der Verarbeitung fest. Bei einem Gottesdienst ohne Talar habe ich das Gefühl, mir fehlt etwas. Zu besonderen Anlässen (z.B. Taufe, Konfirmation, Hochzeit etc.) finde ich das Tragen einer Albe mit passender Stola wunderbar; auch zum schwarzen Talar gefällt mir eine Stola sehr. Ich stelle in den vergangenen Jahren zunehmend eine Tendenz in der evangelischen Kirche fest, dass an besonderen Tagen etwas mehr „Farbe“ gezeigt wird. Aus meiner Sicht ist dieser Trend nur positiv zu beurteilen. Viele junge Menschen werden nach meiner Einschätzung auch durch diese Öffnung der liturgischen Vorschriften wieder zu einem Gottesdienstbesuch animiert.“ Den Text finden Sie hier.

Den 1. Teil der Reihe „200 Jahre Talar. Ein Textil feiert Jubiläum“ mit Beiträgen u.a. von Maria Jepsen und Hans-Jochen Jaschke finden Sie hier. 2. Teil mit Statements Monika Grütters und Ulrich Fischer finden Sie hier. Einen Teil 3, mit Beiträgen von Wolfgang Gern und Ulrich Rüß ist hier zu finden. Teil 4 hier.

Schwarz ging es nicht immer in evangelischen Gottesdiensten zu. Die Dokumentation „Historische Bilder zum Evangelisch-lutherischen Gottesdienst“ von Helmut Schatz zeigt es. Sie finden sie hier zum kostenlosen Download.

In der St. Marienkirche in Berlin-Mitte findet am 2. April 2011 eine kleine Ausstellung zu liturgischen Gewändern statt. Den Einladungsflyer finden Sie hier.

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