Aktuell: Brief 11 der Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo – Yokohama.

Der elfte Brief von Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto von der evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo – Yokohama, den wir soeben erhalten haben:

„Die Hilfsmaßnahmen greifen jetzt nach und nach. Leider noch nicht an allen Orten, aber vielerorts sind die Straßen frei geräumt, so dass die Hilfsgüter durchkommen.

Heute früh wurde die Autobahn nach Norden wieder für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Jetzt können auch privat organisierte Hilfen ins Erdbebengebiet gebracht werden. Aber auch die Menschen im Erdbebengebiet helfen sich gegenseitig.

Dieser Link enthält einen Bericht, wie in den zerstörten Kommunen die Menschen zusammenstehen und geben, was sie können.

Die deutsche Schule hat noch eine weitere Woche geschlossen. Noch sind von der Deutschen Botschaft nur tageweise Reisen nach Tokyo empfohlen.

Das zwischenzeitlich mit Jod 131 belastete Trinkwasser ist seit heute – das Wetter ist heute schön –  wieder unterhalb des Grenzwertes für Kleinkinder. Diese Sorge wird uns, wenn es regnet, wohl noch einige Zeit begleiten. Auch erhöhte Caesiumwerte in Gemüse aus der Region beschäftigen uns.

Gestern hörte ich den Bericht eines Experten für Katastrophenhilfe, der sagte: Langfristig scheint mir das chinesische Modell, entstanden aus den Erfahrungen mit dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan 2008, sehr nachahmenswert. Und zwar, dass jeder Stadt in Japan, die nicht betroffen ist, eine Stadt, ein Ort zugeordnet wird, der vom Erdbeben zerstört ist. So entstehen Hilfepartnerschaften, die dann auch die Weitergabe von Spenden und Hilfsmaßnahmen besser überschaubar machen. Wo Menschen einander Begegnen und aus den persönlichen Beziehungen heraus gute Hilfen leisten.

Heute hat sich das Grand Prinz Hotel in Tokyo-Akasaka gemeldet: Wir verschieben unsere Renovierung und stellen unser Haus Erdbebenopfern zur Verfügung, ebenso kam ein Kreuzfahrtschiff mit dem gleichen Angebot.

Die Aufräumarbeiten stehen immer wieder vor ungeahnten neuen Problemen. Tausende von Autos haben die Tsunamiwellen weggespült. Aber sie sind ja nach wie vor im Privatbesitz und können nicht einfach abgewrackt und weggeräumt werden. Ebenso die vielen Dinge, die aus den Häusern gespült wurden und völlig durcheinander in der Gegend herumliegen. Die Regierung überlegt jetzt, ein Ausnahmegesetz für den Katastrophenfall zu erlassen, das das Eigentumsrecht einschränkt. Es ist einfach unmöglich, jeden Besitzer ausfindig zu machen, bevor man ein Fahrzeug, eine Maschine, ein Schiff wegräumen kann. Dass die Gegend frei und nach und nach wieder begehbar bzw. bewohnbar wird, hat Priorität.

Uns geht es weiterhin gut. Wir sind jetzt als Gemeinde fast in alle Winde zerstreut. Aber über die Mail und über das Telefon halten wir so gut es geht Verbindung.

Heute kam der erste Kontoauszug. Herzlichen Dank allen, die Spenden gesammelt haben. Sobald wir genau abgestimmt haben, wohin konkret Ihre Spenden weitergereicht werden, schreiben wir einen Bericht.“

Elisabeth Hübler-Umemoto

Brief 10 finden Sie hier und Brief 9 hier. Die Kirchengemeinde Berlin-Mariendorf lädt zu einem Benefizkonzert am Samstag, 26. März 2011, ein. Sie finden die Einladung hier. Einen Spendenaufruf des Gemeindekirchenrates der ev. Kirchengemeinde in Tokio für die Kirchengemeinde Kamaishi finden Sie hier.

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