Feiertag: Der Sonntag Quasimodogeniti.

Das Evangelium des Sonntags Quasimodogeniti wird im zentralen Auferstehungsfenster in der Zwölf-Apostel-Kirche zu Berlin dargestellt:

„Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Der Name des Sonntags Quasimodogeniti leitet sich vom Beginn der früheren lateinischen Antiphon ab: Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite. (1. Petr 2, 2; deutsch: Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch).
Der Sonntag Quasimodogeniti erinnert uns an die neue Geburt, die wir „durch Wasser und Geist“ erfahren, d.h. den Anfang eines neuen Lebens in Christus, nach unserer physischen Geburt. Die Perikopen haben aber, mit Ausnahme der Epistellesungen, nur wenig damit zu tun. Die Evangelien erzählen weiter von dem Geschehen nach Ostern.

Quelle: Das Kirchenjahr

Das Wochenlied des Sonntags Quasimodogeniti:

Aktuell: Herzlich willkommen zur Rogate-Suppenküche.

von Regine Wosnitza

Am gestrigen Morgen die Sorge vor dem Probelauf. Wie wird es am Nachmittag klappen? Noch eine Woche, dann soll die Donnerstags-Tafel an der Zwölf Apostel starten.

Dank an REWEUm 16 Uhr: freudige Überraschungen und Dankbarkeit.
*Eine neue Helferin hat uns gefunden. Sie hat schon in einer Großküche gearbeitet, möchte Verantwortung übernehmen.
*Die erfahrenen HelferInnen von der Mittwochsinitiative sind geduldig mit den Neulingen an diesem Nachmittag.
*Der Besuch bei REWE macht glücklich. So spontan die Zusage von Geschäftsführer Sulaf Ahmed war, die neue Tafel an der Zwölf Apostel Gemeinde zu unterstützen, so großzügig die Spende. Ein Wagen mit Obst, Gemüse, Mehl, Nudeln, Schokolade und Keksen.

Doch warum eine Donnerstags-Tafel bei Zwölf Apostel?

Weil der Andrang zum Essen bei der Mittwochs-Initiative e.V. , die seit zwanzig Jahren Drogenabhängige und Prostituierte mit Essen, Material zur Aidsprävention und einer Kleiderkammer versorgt, über den ursprünglich angesprochenen Personenkreis immer größer geworden ist. Deshalb initiieren das Ökumenische Rogate-Kloster St. Michael und die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde einen zweiten Abend, an dem Menschen mit geringem oder ohne Einkommen Essen erhalten. Diese soll am Donnerstag, den 5. Mai starten.

Zurück zum Probelauf. Nach einer Inspektion der geschenkten Zutaten wird entschieden, was gekocht werden kann: Spargelcremsuppe, Apfelkompott, frischer Salat mit Möhren- Stangensellerie- Chicoree, Tortelettes mit Erdbeeren und als Stärkung einen Tee mit frischen Zitronengras und Minze oder frisch gepresster Orangensaft. Hätten wir heute schon Gäste wäre das doch ein fulminantes Menu.

Doch weiter. Es wird geschnippelt, dann gekocht. Jeder findet selbst seine/ihre Aufgaben, schaut sich um was noch zu tun ist. Wischt die Tische ab, wäscht zwischendurch Messer und Brettchen ab. Dabei immer wieder beraten: wo werden wir das Essen servieren? Was müssen wir noch bedenken? Wer sollte angerufen und noch einmal kontaktiert werden?

Um 18 Uhr ist der Tisch für uns im Garten des Gemeindehauses gedeckt. Wir genießen, was wir uns bereitet haben. Alle Schritte der wirklichen Tafel haben wir heute noch nicht durchlaufen. Es gibt noch keine festen Teams. Auch die Koordination könnte besser sein. Da wird es in der kommenden Woche noch einiges an Improvisation geben.

DankeDoch wir sind zuversichtlich, dass wir ab kommender Woche, Donnerstag, den 5. Mai wöchentlich um 19 Uhr werden sagen können: Herzlich willkommen, es ist alles bereit.

Wir suchen noch weitere HelferInnen, die entweder regelmäßig oder von Zeit zu Zeit entweder bei der Zubereitung des Essens zwischen 16 und 19 Uhr oder bei der Ausgabe ab 19 Uhr helfen möchten. Melden können sie sich bei Regine Wosnitza, potseblog@wosnitza-berlin.de, Telefon: 23639903

Aktuell: 200 Jahre Talar. Ein Textil feiert Jubiläum. Teil 8.

Der schwarze Talar wurde vor 200 Jahren eingeführt. Wir würdigen dies mit einer kleinen Reihe und haben Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten, Geistliche und Laien um ihre Meinung gefragt. Hier Teil 8 mit Beiträgen aus Hamburg, Dresden, von Juist und aus der Türkei.

Jochen Bohl, 60, Dresden, Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Sachsens. „Als junger Vikar war ich skeptisch, ob so etwas wie eine „Amtstracht“ überhaupt gebraucht wird. Das habe ich dann aber schnell gelernt – wie sehr nämlich das Amt den Menschen trägt, dem es übertragen ist; und dafür ist der evangelische Talar ein sprechendes Zeichen. Gerade mit seiner schlichten Nüchternheit bin ich sehr einverstanden, er ist ja von seinem Ursprung her ein Gelehrtentalar und so ist es angemessen, dass er die Pfarrerinnen und Pfarrer, die „Lehrer des Wortes“ kleidet. Insofern ist der Talar ein Hinweis auf das sola scriptura, das in das Zentrum des Selbstverständnisses unserer Konfession gehört. Kein anderes Land hat eine solche Tradition wie Deutschland als das Ursprungsland der Reformation. Vor diesem Hintergrund gehört der schwarze Talar mit Beffchen zu dem „Eigenen“ unserer Konfession. Er bezeichnet die geistliche Heimat, die mir lieb ist.

Fulbert Steffensky hat einmal davon gesprochen, dass der Protestantismus in seinen Selbstinszenierungen schwach ist; und hat den Talar in diesem Zusammenhang als das „unerotischste aller liturgischen Kleidungsstücke“ bezeichnet. Aber diese Schwäche sei eine, wenn auch von manchen nicht gewürdigte, und darum unbelohnte Stärke. So sehe ich es auch; und für diese besondere Prägung bin ich dankbar.“

Prof. Dr. Inge Mager, Hamburg, Jg. 1940, evangelisch, emeritierte Theologieprofessorin für Kirchen- und Dogmengeschichte an der Universität Hamburg: „Obgleich ich nach meinem Ersten theologischen Examen Sommer 1966 als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Göttingen blieb, schaffte ich mir für die zahlreichen Vertretungsgottesdienste, die ich neben den mir obliegenden Arbeiten hielt, doch gleich von meinem ersten Gehalt einen Talar an. Ich hätte ihn ausleihen können, allein mir lag neben dem Bedürfnis, einen eigenen Talar zu tragen, auch an der Vergewisserung, die erste Etappe meines Studienzieles erreicht zu haben. Ohne Näheres über die Geschichte und Entwicklung der liturgischen Kleidung zu wissen, entschied ich mich spontan für die spezifisch weibliche Halsversion mit Stehbündchen und schmalem weißen Kragen und nicht  für das Beffchen, das, wie ich heute weiß, ursprünglich Verunreinigungen des Talars durch herabhängende Barthaare verhüten sollte.

Von Anfang an empfand ich den Talar für mich als Blickschutz und für die Zuhörenden als Hilfe, sich ohne Ablenkung ganz auf meine Worte konzentrieren zu können. Darin fühlte ich mich durch Martin Luther bestätigt, der in einem Brief an den Berliner Propst Georg Buchholzer aus dem Jahre 1539 geschrieben hatte, dass es unabhängig von liturgischen Gewändern oder belanglosen Riten letztlich darauf ankomme, „das Evangelium Jesu Christi lauter, klar und rein [zu] predigen“ (WABriefe 8, 624–626, Ntr. 3421). Dass ein Talar im Unterschied zur „geistlichen Einkleidung“ durch die Taufe weder eine neue Identität noch eine größere Würde verleiht, hatte ich zudem aus reformatorischen Klosterordnungen gelernt, wo wiederholt vor überhöhten oder gar magischen Vorstellungen bezüglich der Ordenstracht gewarnt und geraten wird, sich „wie andere Christen“ zu kleiden.

An diesen Grundsätzen habe ich mich bis heute ausgerichtet und könnte mir durchaus vorstellen, Gottesdienst ganz ohne Talar wie bei Vorträgen zu halten. Welches Aussehen die Amtstracht in 200 Jahren in einer möglichen Freiwilligkeits- oder Beteiligungskirche haben wird, ist kaum vorauszusagen. M.E. sollte sie sich von jeglicher staatlichen Anpassung freimachen, aber sie könnte vielfältiger und auch sinnenfreudiger sein, jedoch ohne der Verkündigung des Evangeliums zu schaden oder in Wildwuchs abzugleiten.“

Martin Brunnemann, 64, Pfarrer, evangelisch, Alanya/Türkei. „Meinen ersten Talar bekam ich 1970. Ein Geschenk der EKD für einen Vikar bzw. Hilfsprediger in der DDR. Das Geschenk bereitete mir keine besondere Freude. Der Talar stand für mich damals für das Amt, das Pfarramt und wir hatten gerade gelernt, dass unter den Talaren der Mief von tausend Jahren steckte. Außerdem hatten viele meines Jahrgangs das Gefühl, diese „Uniform“ trennt von den Gemeindegliedern. Er hebe unangemessen heraus. Der Talar war die Zielscheibe witziger Bemerkungen und ich hätte ihn gern eingemottet und habe öfter im Gottesdienst auf ihn verzichtet. Einmal benutzte ich ihn zum Vergnügen der Gemeindejugend als Faschingsgewand. Freilich, ganz auf den Talar verzichten konnte ich schon aus praktischen Gründen nicht. Da war einmal mein Hang zur Unordnung. Ein Talar konnte beträchtliche Schäden zudecken und dann verbarg er auch die zitternden Knie. „Lampenfieber“ kenne ich bis heute noch.

Der EKD-Talar begleitete mich 15 Jahre lang und blieb in der DDR, als ich diese verließ. Ein Freund trug ihn in der Lausitz „zu Tode“.

Mein Verständnis vom Talar hat sich in der Bundesrepublik verändert. Sehr intensiv dachte ich über die Gründe dafür nicht nach. Passt er gut in diese ausgesprochenen Amtskirchen? Ganz bewusst und ungezwungen trug ich ihn bei öffentlichen Handlungen: Feuerwehrweihen, Schwimmbadweihen, Sparkassenweihen usw. Ich wollte damit unterstreichen, dass ich dort nicht als Privatperson auftrat.

Mit Erstaunen entdeckte ich, wie begeistert Prädikanten und Prädikantinnen danach griffen. Kein Preis war zu hoch, keine Farbe zu grell, anscheinend wurde der Talar als Erhöhung verstanden.

Was bedeutet mir der Talar? Mein jetziger und voraussichtlich letzter wurde von einem muslimischen Schneider angefertigt. Der Gedanke daran bereitet mir Vergnügen. Die Zukunft des Talars, bis 2211 wage ich nicht zu denken, sehe ich immer farbiger, immer katholischer. Für mich war der Talar ein Arbeitskittel. Manchmal dachte ich an den unverheirateten Luther, der mit seinem Mönchs-Kutten-Talar lebte und schlief. Ich meinte ihn zu riechen und die Flecken darauf zu sehen.“

Elisabeth Tobaben, 58 Jahre, Nordseebad Juist, Pastorin, evangelisch-lutherisch. „Als begeisterte Laien-Schauspielerin habe ich gelernt, wie wichtig  es ist, möglichst früh im Probenverlauf  im Kostüm zu spielen. Man bewegt sich einfach anders im „richtigen“ Gewand, und man lernt so gleich die richtigen Bewegungen und Schritte.

Das ist beim Talar und im Gottesdienst nicht  viel anders. Ich finde ihn sehr praktisch, weil ich nicht lange überlegen muss, welche Kleidung ich im Gottesdienst tragen möchte. Dass Friedrich Wilhelm III. nun gerade das Gelehrtengewand als einheitliche Gottesdiensttracht für seine Geistlichen gewählt hat, färbte natürlich ab auf die Gestaltung der Gottesdienste!

Die Predigt gewann an Gewicht, der Gottesdienst wurde überwiegend  zur Lehrveranstaltung. Dies ist sicher ein wichtiges Element, aber bestimmt nicht das einzige!

Ich finde es gut, dass wir heute neben dem schwarzen Gelehrtentalar auch wieder helle Gewänder in der ev.- luth. Kirche in Deutschland haben, wie das in Skandinavien ja schon seit langem Tradition ist.

Mit den liturgischen Farben  der Stola wird auch der Bezug zum Kirchenjahr viel deutlicher, und sie heben auch den Feiercharakter der Messe und der Festtage wieder neu hervor. Fazit: Beides ist wichtig, Lehre und Feier!“

Den 1. Teil der Reihe „200 Jahre Talar. Ein Textil feiert Jubiläum“ mit Beiträgen u.a. von Maria Jepsen und Hans-Jochen Jaschke finden Sie hier. 2. Teil mit Statements Monika Grütters und Ulrich Fischer finden Sie hier. Der Teil 3 mit Beiträgen von Wolfgang Gern und Ulrich Rüß ist hier zu finden. Teil 4 mit Beiträgen von Pascal Kober und Frank Otfried July hier. Teil 5 mit Wilhelm Hüffmeier hier. Teil 6 mit Statements u.a. von Hans-Martin Heinemann hier. Den Teil 8 hier.

Eine Zusammenstellung von Hinweisen zu liturgischen Gewändern in evangelischen Kirchen in Brandenburg (Autor: Herr Schatz) finden Sie hier.

Seitenblick: Vom Ende der historischen Südzentrale in Wilhelmshaven.

Als Impuls vorgetragen von Pastor Frank Morgenstern am Karsamstag 2011 vor dem Gebäude Südzentrale in Wilhelmshaven:

Die Passionspunkte enden immer an einem sogenannten toten Punkt. Das war mal das Flüchtlingsheim am Banter Deich, das war mal der Truppenbunker am Banter See, das war mal die Helene-Lange-Schule, die dann aber im nächsten Jahr wieder zum Leben erweckt wurde.

Selten haben wir einen Passionspunkt gehabt, dem ein so langes Siechtum beschieden war. Wenn ein Leiden so lange dauert, dann gehört da auch dazu, dass die Menschen, die am Rande davon etwas mitbekommen, sich an das Leiden gewöhnen. Die Südzentrale hat alle Dimensionen eines schweren Abschieds.

Über manchen Traueranzeigen steht oben nur ein Wort, das heißt „ERLÖST“! Es erzählt davon, dass die Krankheit den Verstorbenen an manche Grenze geführt hat. Krankheit und Leiden haben das Leben unerträglich gemacht. Oft steckt dahinter: Überhaupt nicht mehr leben und lange auch nicht sterben können.

Manches Mal erzählt das Wort ERLÖST auch von dem Leiden der Angehörigen, die das Sterben des Menschen an die Grenze geführt hat. Für die es unerträglich war, einen geliebten Menschen so gequält zu sehen.

Irgendwann verändert sich auch das Verhältnis zu dem Kranken. Alle werden an eine Grenze geführt. Und manchmal heißt es eben auch, dass Menschen einfach nicht Abschied nehmen wollen und können, obwohl sie tief im Herzen wissen, es geht so nicht mehr weiter und jetzt ist das Ende da. ERLÖST hat viele unterschiedliche Facetten.

25 Jahre hat die Südzentrale im Wachkoma gelegen, nun ist sie kurz davor, das Zeitliche zu segnen. So werden manche über die Anzeige vielleicht etwas anderes schreiben: GEKÄMPFT UND DOCH VERLOREN. Noch 2004 (von schwerer Krankheit gezeichnet) hat man unterschiedliche Lösungsvorschläge gemacht und versucht. Was hätte man noch tun können?

Bei vielen Abschieden geht es dann im Trauerprozess immer wieder um die (Schuld-) Zuweisungen. Wer hätte noch was tun können, was wäre noch möglich gewesen?

Das ist bei der Südzentrale alles schon passiert. Und mancher sagt: Nun ist der Zug schon längst abgefahren.

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GEKÄMPFT UND DOCH VERLOREN. Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Wir haben die ganze Karwoche gehört, was passiert ist. Wie sich die Geschichte mit Jesus gesteigert hat. An unterschiedlichen Passionspunkten haben wir seine Geschichte mit unserer Welt verknüpft. Nun sind wir am Ende angekommen. Er ist tot. Sein Leichnam ist in ein Felsengrab gelegt worden. Ein reicher Mann, Josef aus Armathäa, hat mit seinem Geld ein gutes Werk getan. Selbstlos investiert er etwas. Er schafft einen Erinnerungsort. Er investiert etwas, ohne zu hoffen, dass er einen Gewinn erzielt.

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben. Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.

Am Grab sitzen die Frauen, die dazu gehören. Die Angehörigen, sie sorgen sich über den Tod hinaus um den Verstorbenen. Nun herrscht Ruhe.

Grabesruhe. Endlich, sagen die einen. Ruhe vor dem Sturm sagen die anderen.Und es fangen die Trauergespräche an und man diskutiert alle Eventualitäten. Es kommen die klassischen Sätze und Einwände: Ich kann es noch immer nicht fassen. Wie soll mein Leben jetzt weiter gehen? Und es treten die Organisatoren und die Haderer auf. Was ist, wenn jetzt noch jemand den Verstorbenen stiehlt? Was ist, wenn das Thema immer noch nicht beendet ist??

Eins ist uns Karsamstag klar: Der Tod ist nicht das Ende. Die einen werden von den Geistern gequält, die sie beschworen haben, die anderen werden überrascht von dem, was dann noch kommt.

Überraschend immer wieder: Nach dem Abschied kommt der neue Blick. Unser Patient Südzentrale wird hier verschwinden. Es wird anders werden. Seine Geschichte wird nicht verschwinden.

Lebensende! Ein letzter Blick. Zwischen Karfreitag und Ostern ist es gut inne zu halten. Wie hat die Geschichte uns gegeben, was ist genommen, was ist passiert und was will ich jetzt? Das Leben macht immer wieder einen Strich durch den Tod, daran erinnert uns der Karsamstag. Wir können uns überraschen lassen. Immer wieder.

Den Passionspunkte-Beitrag von Denkmalschützerin Corinna Nickel finden Sie hier. Die Einladung zu einem Symposium im Juni 2011 finden Sie hier.

Rückblick: Passionspunkt am Karfreitag 2011.

Ein Passionspunkt von Pastor Bernhard Busemann.

Bombenangriff auf Wilhelmshaven. Wer hier in Wilhelmshaven auch im Jahr 2011 lebt und arbeitet, der trifft immer wieder auf die tiefen Krater, die die Bombenangriffe in das Leben von Menschen reißen. Da ist der Ladenbesitzer, der seinen kompletten Besitz und seine Lebensgrundlage zweimal verloren hat. Zwei Volltreffer ins Haus. Wohnung und Geschäftsräume – alles weg. Für ein drittes Mal das Leben neu aufbauen reichte die Kraft nicht. Einsam und arm ist er alt geworden in seiner Stadt. Da ist die Frau die es als kleines Kind gemeinsam mit der Mutter nicht mehr in den Bunker geschafft hat. Hier um die Ecke flach auf dem Boden gelegen, während die Bomben um sie herum explodierten. Ein Trauma für das ganze Leben. Da ist der Mann, der seinen kleinen Bruder nie kennengelernt hat. Aber die Geschichte des Bombenangriffes kennt er detailgenau: Die Küchenwand ist bei dem Luftangriff ohne Vorwarnung zusammengebrochen und hat das dreijährige Kind am Küchentisch begraben. Die Mutter stand drei Schritte daneben. Zeitlebens stand der kleine Bruder still mit in allen Lebensräumen. Ein Leben lang zieht er am Rockzipfel der zerstörten Mutterseele. Unzählbare Bombengeschichten liegen auch heute noch auf dieser Stadt. Und wer hier lebt und arbeitet trifft immer wieder darauf.

Viele Menschen der dritten Generation nach dem Krieg fragen sich manchmal sehnsüchtig: Wann ist es endlich soweit, dass man diese schrecklichen Ereignisse weniger emotional und viel sachlicher und mit Abstand betrachten kann? Versachlichung. Franz Radziwill hat es schon 1941 versucht. „Bombenangriff auf Wilhelmshaven“. Neue Sachlichkeit (Anmerkung: Das Bild darf hier leider auf Anweisung der Kunsthalle Wilhelmshaven nicht gezeigt werden).

Der Versuch durch Lichtführung und Detailverliebtheit eine Versachlichung zu erreichen. Der Schrecken wird gefangen in einem in sich funktionierenden abgeschlossen Farbraum. Ein faszinierendes Farbenspiel bei Mondschein – das könnte das hier auch sein. Versachlichung von Krieg und Kriegsmaterial. Objekte, die sich eigenartig in einem Spiel von Detailtreue und unermesslicher Weite mit Raum und Farbe verbinden. Krieg als Naturphänomen. Wenn wir hier stehen und die Bilder in ihrer hervorragenden malerischen Qualität und ihrem starken Ausdruck anschauen, dann kommt es damit und das ist ja der tiefe Sinn aller Kunst, zu einem Dialog: Mensch, Bild, Menschenbild?

Und dann sind wir mitten drin und Teil der Widersprüchlichkeit, die alle, die sich intensiv mit dem Maler Franz Radziwill beschäftigen, bewegt. Was steckt für ein Menschenbild hinter alledem? Welche Rolle spielt der Mensch in diesen Bildern? Radziwill lässt sich da nicht festlegen. Auch nicht als Person in einer dunklen Zeit. Ab 1933 NSDAP Mitglied, Propagandaleiter der Ortsgruppe Dangast, Kreiskulturhauptstellenleiter im Kreis Friesland, viele Spuren an denen deutlich wird, dass Professor Radziwill auf der Suche nach Anerkennung in der NS Diktatur war. Aber eben auch Mitglied der Bekennenden Kirche und später Verbot von Einzelausstellungen durch die Nazis, weil Teile seiner frühen Werke als „entartet“ galten und vernichtet wurden. Widersprüchlichkeit. Ein Leben in Anfechtung. Ein spürbares Ringen um den rechten Weg. Voller Widersprüche.

Karfreitag. Das Kreuz. Jesus. Letzter Schrei: Eli, eli asabtani – warum hast du mich verlassen? Ein Mensch, ganz und gar auf sich gestellt. Aber auch das wird noch falsch verstanden. Voller Missverständnisse. Voller Widersprüche. Voller Anfechtung. Aber eines bleibt doch sehr klar, wenn wir versuchen uns ein Bild davon zu machen, was da am Kreuz passiert. In der Mitte des Kreuzes geht es immer und eindeutig um einen Menschen und ein Bild von Menschlichkeit. Das ist und bleibt der Mittelpunkt und Maßstab des Christseins. Der Mensch entzieht sich allen Versuchen zur Versachlichung und Objektivierung seiner selbst oder auch allen Versuchen auf ein Naturphänomen reduziert zu werden. Der Mensch ist mehr. Weil er in Beziehung existiert und im Dialog. Auch zu Gott. Und die Karfreitagsfrage aus dem 22 Psalm: „Warum hast du mich verlassen?“, die gehört grundlegend in einen echten Dialog mit hinein. Das werden die Menschen mit den Bombenkratern in der Seele bestätigen können. Aber hoffentlich auch die Erfahrung, das vor Gott immer wieder neu die wirklich existenziellen und wahrhaftigen Fragen gestellt werden dürfen. Der Raum bleibt offen und dialogbereit. Auch am Karfreitag.

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Bernhard Busemann trug den Text am Karfreitag 2011 in der Kunsthalle Wilhelmshaven anlässlich einer Passionsandacht in der aktuellen Ausstellung über Franz Raziwill vor.

Gottesdienst: Sonnabend, Mittagsgebet in der Zwölf-Apostel-Kirche.

Wir laden ein zum Mittagsgebet am Sonnabend, 30. April, 12.oo Uhr, in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg.

Herzlich willkommen!

Informationen

Erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln und über die U-Bahnhöfe: Kurfürstenstraße (U1) Nollendorfplatz (U1, U2, U3, U4). Oder per Bus: Kurfürstenstraße (M48), Nollendorfplatz (M19, 187) und Gedenkstätte Dt. Widerstand (M29). PKW-Stellplätze vor dem Gemeindezentrum und in der Genthiner Straße.

Gebet: 25 Jahre Tschernobyl.

Wir sehnen uns nach einem Leben in österlichem Licht. Aber wir gehen viel zu wenige Schritte, die Leben eröffnen. Wir lieben unsere Erde. Aber wir haben Anteil in ihrer Zerstörung. Wir gehen fahrlässig mit ihr um.
So beten wir zu Dir: Gott, wir beten für Gerechtigkeit, für Frieden, für die Bewahrung der Schöpfung, für Vertrauen und Verständigung zwischen den Völkern und zwischen den Generationen. Wir wollen das unsere dazu tun.
Wir beten für Belarus/Weißrussland, für die Menschen im Bezirk Gomel, für die Kranken zuhause und in den Krankenhäusern. Für Japan und die großen Nöte dort.
Wir beten für die Armen, für die Leidenden, für die Mutlosen – dort, bei uns, in aller Welt, dass Gott Hoffnung auf eine bessere Zukunft schenke. Wir wollen das unsere dazu tun.
Wir beten für alle, die aufstehen und einstehen für das Leben, hier in unserm Ort/in unserer Stadt,  in Gorleben, überall auf der Welt. Für die, die sich nicht zufrieden geben mit dem, was ist, die sich einsetzen für die Zukunft von uns allen, von unseren Kindern,  von den nachfolgenden Generationen. Wir wollen das unsere dazu tun.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Quelle: Dokumentation einer Arbeitshilfe der „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“ in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.