Seitenblick: Vom Ende der historischen Südzentrale in Wilhelmshaven.

Als Impuls vorgetragen von Pastor Frank Morgenstern am Karsamstag 2011 vor dem Gebäude Südzentrale in Wilhelmshaven:

Die Passionspunkte enden immer an einem sogenannten toten Punkt. Das war mal das Flüchtlingsheim am Banter Deich, das war mal der Truppenbunker am Banter See, das war mal die Helene-Lange-Schule, die dann aber im nächsten Jahr wieder zum Leben erweckt wurde.

Selten haben wir einen Passionspunkt gehabt, dem ein so langes Siechtum beschieden war. Wenn ein Leiden so lange dauert, dann gehört da auch dazu, dass die Menschen, die am Rande davon etwas mitbekommen, sich an das Leiden gewöhnen. Die Südzentrale hat alle Dimensionen eines schweren Abschieds.

Über manchen Traueranzeigen steht oben nur ein Wort, das heißt „ERLÖST“! Es erzählt davon, dass die Krankheit den Verstorbenen an manche Grenze geführt hat. Krankheit und Leiden haben das Leben unerträglich gemacht. Oft steckt dahinter: Überhaupt nicht mehr leben und lange auch nicht sterben können.

Manches Mal erzählt das Wort ERLÖST auch von dem Leiden der Angehörigen, die das Sterben des Menschen an die Grenze geführt hat. Für die es unerträglich war, einen geliebten Menschen so gequält zu sehen.

Irgendwann verändert sich auch das Verhältnis zu dem Kranken. Alle werden an eine Grenze geführt. Und manchmal heißt es eben auch, dass Menschen einfach nicht Abschied nehmen wollen und können, obwohl sie tief im Herzen wissen, es geht so nicht mehr weiter und jetzt ist das Ende da. ERLÖST hat viele unterschiedliche Facetten.

25 Jahre hat die Südzentrale im Wachkoma gelegen, nun ist sie kurz davor, das Zeitliche zu segnen. So werden manche über die Anzeige vielleicht etwas anderes schreiben: GEKÄMPFT UND DOCH VERLOREN. Noch 2004 (von schwerer Krankheit gezeichnet) hat man unterschiedliche Lösungsvorschläge gemacht und versucht. Was hätte man noch tun können?

Bei vielen Abschieden geht es dann im Trauerprozess immer wieder um die (Schuld-) Zuweisungen. Wer hätte noch was tun können, was wäre noch möglich gewesen?

Das ist bei der Südzentrale alles schon passiert. Und mancher sagt: Nun ist der Zug schon längst abgefahren.

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GEKÄMPFT UND DOCH VERLOREN. Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Wir haben die ganze Karwoche gehört, was passiert ist. Wie sich die Geschichte mit Jesus gesteigert hat. An unterschiedlichen Passionspunkten haben wir seine Geschichte mit unserer Welt verknüpft. Nun sind wir am Ende angekommen. Er ist tot. Sein Leichnam ist in ein Felsengrab gelegt worden. Ein reicher Mann, Josef aus Armathäa, hat mit seinem Geld ein gutes Werk getan. Selbstlos investiert er etwas. Er schafft einen Erinnerungsort. Er investiert etwas, ohne zu hoffen, dass er einen Gewinn erzielt.

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben. Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.

Am Grab sitzen die Frauen, die dazu gehören. Die Angehörigen, sie sorgen sich über den Tod hinaus um den Verstorbenen. Nun herrscht Ruhe.

Grabesruhe. Endlich, sagen die einen. Ruhe vor dem Sturm sagen die anderen.Und es fangen die Trauergespräche an und man diskutiert alle Eventualitäten. Es kommen die klassischen Sätze und Einwände: Ich kann es noch immer nicht fassen. Wie soll mein Leben jetzt weiter gehen? Und es treten die Organisatoren und die Haderer auf. Was ist, wenn jetzt noch jemand den Verstorbenen stiehlt? Was ist, wenn das Thema immer noch nicht beendet ist??

Eins ist uns Karsamstag klar: Der Tod ist nicht das Ende. Die einen werden von den Geistern gequält, die sie beschworen haben, die anderen werden überrascht von dem, was dann noch kommt.

Überraschend immer wieder: Nach dem Abschied kommt der neue Blick. Unser Patient Südzentrale wird hier verschwinden. Es wird anders werden. Seine Geschichte wird nicht verschwinden.

Lebensende! Ein letzter Blick. Zwischen Karfreitag und Ostern ist es gut inne zu halten. Wie hat die Geschichte uns gegeben, was ist genommen, was ist passiert und was will ich jetzt? Das Leben macht immer wieder einen Strich durch den Tod, daran erinnert uns der Karsamstag. Wir können uns überraschen lassen. Immer wieder.

Den Passionspunkte-Beitrag von Denkmalschützerin Corinna Nickel finden Sie hier. Die Einladung zu einem Symposium im Juni 2011 finden Sie hier.

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