Seitenblick: Stolperstein-Verlegungen in der Motzstraße.

In der Schöneberger Motzstraße in Berlin fanden am 5. August 2011 zwei Stolperstein-Verlegungen zum Gedenken an Albrecht von Krosigk und Otto Hampel statt. Die Motzstraße gehört zum Gemeindebezirk unserer gastgebenden Kirchengemeinde.

Am 14. Dezember 1892 kam Albrecht von Krosigk in Gnesen zur Welt. Die Nationalsozialisten nahmen ihn wegen des Verstoßes gegen § 175 StGB mehrfach in sog. „Schutzhaft“. Nach einem Aufenthalt im Konzentrationslager Fuhlsbüttel entmündigt, verurteilte ihn das Landgericht Berlin zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis mit anschließender Einweisung in eine sog. Heil- und Pflegeanstalt. Am 22. Mai 1942 verstarb Albrecht von Krosigk in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg an einer „rasch voranschreitenden Lungenentzündung“, wobei nicht auszuschließen ist, dass Albrecht von Krosigk einer Euthanasieaktion zum Opfer fiel. Eingeladen hatte zu dieser Stolpersteinverlegung der in der Keithstraße beheimatete Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD).

Hier die Ansprache für Herrn von Krosigk:

Im Anschluss erfolgte vor der Motzstr. 30 eine Stolpersteinverlegung für Otto Hampel. In Breslau kam er am 14. Mai 1895 zur Welt. Die Gestapo nahm ihn und seinen Freund Anfang 1937 fest. Das Amtsgericht Berlin verurteilte ihn wegen „fortgesetzten Vergehens gegen § 175 Reichsstrafgesetzbuch“ zu einer Haftstrafe. Nach seiner Entlassung aus der Haft wurde Otto Hampel willkürlich und ungerechtfertigt in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Mehr als zwei Jahre lang versuchte er durch mehrere Entlassungsanträge seine Freiheit wiederzuerlangen. Am 30. März 1940 wurde Otto Hampel im Alter von 44 Jahren in der Tötungsanstalt Brandenburg ermordet.

Hier die Ansprache für Herrn Hampel:

Der Stolperstein für Albrecht von Krosigk liegt vor der Motzstraße 9, der für Otto Hampel vor der Nummer 30.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen.

Demnigs Intention ist unter anderem, den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Außerdem soll die Markierung der Tatorte häufig mitten in dichtbesiedelten Bereichen die von einigen Zeitzeugen vorgebrachte Schutzbehauptung, dass man von den Deportationen nichts mitbekommen habe, in Frage stellen.
Trotz des Namens Stolpersteine geht es Demnig nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. Er zitiert auf die Frage nach dem Namen des Projektes gerne einen Schüler, der nach der Stolpergefahr gefragt antwortete: „Nein, nein man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

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