Fünf Fragen an: Juliane Englert, Pastoralreferentin im Erzbistum Berlin

Juliane Englert, Pastoralreferentin Fünf Fragen an Pastoralreferentin Juliane Englert zum Ökumenischen Jugendkreuzweg 2014, der in diesen Tagen in einigen Kirchen bundesweit gebetet wird. Schwerpunkt der Veranstaltungen ist am Freitag, 11. April 2014, vor Palmarum (Palmsonntag).

Gebürtig stammt Juliane Englert aus Zingst/Ostsee (Vorpommern). Sie studierte katholische Theologie (Diplom) in Trier und Münster. Seit 2005 ist sie Pastoralassistentin bzw. seit 2008 Pastoralreferentin im Erzbistum Berlin. Derzeit arbeitet sie im Dekanat Spandau mit dem Schwerpunkt Dekanatsjugendseelsorge.

Rogate-Frage: Kreuzwege haben eine lange Tradition. Welche Bedeutung haben sie für katholische Christen?

Juliane Englert: Kreuzwege haben in der katholischen Liturgie tatsächlich eine lange Tradition und verschiedene eigene Andachtsformen. Neben der ausführlichen Feier des Gottesdienstes an Karfreitag, in der das Hören auf die Texte der Passion – oft auch gesungene Passionen oder die Kreuzverehrung – ihren Raum haben und die Schönheit des liturgischen Raumes verhüllt bleibt und keine Eucharistie stattfindet, gibt es die gesamte Fastenzeit hindurch meist mehrere Angebot von Kreuzweg-Andachten unter der Woche. Ganz verschiedene Formen sind möglich, von klassischen Gebetstexten bis zu moderner Literautur. Man geht oft auch die Stationen an den Abbildungen im Kirchenraum ab und geht somit den Kreuzweg Jesu mitleidend mit.

Rogate-Frage: Wie kam es zu Jugendkreuzwegen?

Juliane Englert: Genau weiß ich es nicht, wie es zu eigenen Jugendkreuzwegen kam. Aber kann mir vorstellen, dass Jugendliche schon immer ihre eigene spirituelle Form gesucht haben, das Thema Leiden und Tod anzugehen und liturgisch zu gestalten. Die Texte sind moderner und die Sprache für Jugendliche verständlicher. Aktuelles wird herangezogen, Ereignisse, die das Thema heute begleiten und mit denen Jugendliche konfrontiert sind. Meist gibt es dann auch nur einen speziellen Kreuzweg für die Jugendlichen in der Fastenzeit.

Rogate-Frage: Jener Mensch Gott“ lautet der Titel des diesjährigen Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend. Wie übersetzen Sie diesen Claim für den typischen (kirchenfernen) Berliner?

Juliane Englert: Der diejährige Titel „Jener Mensch Gott“ legt den Fokus auf die Menschlichkeit des Gottes-Sohnes Jesus, d.h. übersetzt auch Gott fühlt menschlich, leidet, ihm ist kein noch so menschliches Gefühl fern. Angst kennt er genau so wie wir und ist nicht bewahrt vor Schmerzen und Tod…. Er steht nicht „über den Dingen“, sondern ist mitten in unserer Welt all dem ausgesetzt, womit wir auch zu kämpfen haben. Nicht auf alles finden wir eine Antwort. Auch Gott hat nicht auf alles eine Antwort oder eine schmerzfreie Lösung, manchmal ist das einzig mögliche Mit-Leiden, aushalten, zur Seite stehen….

Rogate-Frage: Was passiert genau beim Jugendkreuzweg 2014 und dürfen nur junge Leute mitgehen?

Juliane Englert: Dieses Jahr haben wir als Vorbereitungsteam überlegt, die Gruppe aus praktischen Gründen zu teilen.
Wir starten gemeinsam am Bahnhof Spandau mit einem Auftakt. Dann gibt es die Möglichkeit, in eine Justizvollzugsanstalt, in ein Krankenhaus und in eine Einrichtung für Obdachlose mit zu gehen. Dort haben wir ein Kennenlernen der Einrichtung und das Ins-Gespräch-Kommen mit „Betroffenen“ vor. Wir nehmen uns Zeit für Eindrücke und Austausch. Danach gehen wir zu Fuß weiter… also wirklich auch einen recht weiten Weg… und treffen uns gemeinsam in Sankt Markus am Kiesteich wieder in der Großgruppe für eine Schlussstation mit Eindrücken, Singen, Gebet und Segen. Ein kleiner Imbiss zur Stärkung danach gehört auch dazu.
Es dürfen immer auch nicht mehr ganz so jugendliche Menschen an den Jugendkreuzwegen teilnehmen, gern auch ganz unabhängig von Konfession und Religion, also wirklich offen. Die Form ist halt aber speziell auf Jugendliche zugeschnitten, deshalb dürfen „Ältere“ sich dann auch nicht wundern, wenn ihnen dann im Vergleich etwas vom klassischen Kreuzweg „fehlt“…  Es werden nicht alle klassischen Kreuzwegstationen darin vorkommen und manche auch ganz anders benannt sein. Der Jugendkreuzweg greift ja auch jedes Jahr einen anderen Aspekt der Passion Jesu auf und deckt nie das ganze Spektrum ab.

„Jener Mensch Gott“ – Motiv vom Isenheimer Altar zum Jugendkreuzweg 2014

Rogate-Frage: Kreuzwege sind in der protestantischen Frömmigkeit verloren gegangen. Welche Erfahrungen machen Sie mit der ökumenischen Gestaltung?

Juliane Englert: Die klassischen Kreuzweg-Andachten mögen im protestantischen verloren gegangen sein. Auch in katholischen Gemeinden gehören sie nicht automatisch überall mehr zu den festen Punkten in der Fastenzeit. Der Jugendkreuzweg erhält meist ohnehin eine besondere Gestaltung und auch jedes Jahr in anderer Form. Bei der ökumenischen Gestaltung erkenne ich ein sehr großes Engagement meiner evangelischen Geschwister, sowohl bei den Verantwortlichen als auch bei den Jugendlichen, die den Kreuzweg dann mitgehen. Vielleicht gerade das sehr Plastische und das Praktische werden neu entdeckt. Unterschiede kann ich kaum konfessionell bestimmen.
Ganz sicher ist es auch eine Form, die durch das praktische Mitgehen spürbar macht, dass es ein „kreuzWEG“ ist und durch die intensive Mitgestaltung für alle Beteiligten reizvoll ist.

Weitere Informationen zum Jugendkreuzweg finden Sie hier. Wo und wann der Jugendkreuzweg 2014 bundesweit gegangen werden kann, finden Sie hier in einer Übersicht. Eine Übersicht der Termine im Erzbistum Berlin finden Sie hier.

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3 Antworten zu Fünf Fragen an: Juliane Englert, Pastoralreferentin im Erzbistum Berlin

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