Fünf Fragen an: Jörg Steinert, Geschäftsführer LSVD Berlin-Brandenburg

LSVD-Geschäftsführer Jörg SteinertFünf Freitagsfragen an Jörg Steinert über das Verschweigen gesellschaftlicher Realitäten, tausend Hände und einen Regenbogen am Nollendorfplatz.

Jörg Steinert stammt aus Sachsen und ging zum Studium nach Berlin. Der Politologe engagiert sich im Bereich der Menschenrechte und arbeitet seit 2006 beim Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg – seit 2010 als Geschäftsführer. Zusammen mit dem LSVD lädt das Rogate-Kloster morgen, 10. Mai 2014, 12:00 Uhr, zu einem Gedenkgebet für alle durch Trans- und Homophobie getöteten und verletzten Menschen in die Kapelle auf den Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof.

Rogate-Frage: Warum ist der 17. Mai 2014 der Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie?

 Jörg Steinert: Am 17. Mai 1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Der 17. Mai wurde daraufhin zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie ausgerufen. In Deutschland wird dieses Datum besonders mit dem berüchtigten Paragraphen 175 des deutschen Strafgesetzbuches assoziiert, der bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Der früher zahlenspielerisch und spöttisch „Feiertag der Schwulen“ genannte 17. Mai (17.5.) wurde schließlich zum Symbol gegen die Diskriminierung Homosexueller.

Rogate-Frage: Homophobie verbinden viele mit Putins Politik. Warum ist sie zusammen mit der Transphobie auch Thema in Berlin?

Jörg Steinert: Wenn auch die Situation in Berlin nur schwierig mit der in Russland vergleichbar ist, stellt Homophobie, also die soziale, gegen nicht-heterosexuelle Menschen gerichtete Feindseligkeit und Angst, in Berlin ebenfalls ein Problem dar. Dies hat viele Facetten und Ausdrucksformen: Diskriminierung, Ausgrenzung und Benachteiligung, Beleidigung, Mobbing, Körperverletzung und Sachbeschädigung, Verschwörungstheorien, Hassparolen und Hetzartikel. Leider sind solche Fälle auch in Berlin noch verbreitet, sowohl in offener als auch in versteckter Art und Weise. Gesellschaftliche Missstände, wie z.B. die weit verbreitete Verwendung von „schwule Sau“ auf Schulhöfen und die wiederholte Beschädigung von Gedenkorten für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus, bestehen bis heute.

Rogate-Frage: Welche Formen der versteckten Homo- und Transphobie gibt es?

Jörg Steinert: Es fängt mit dem Verschweigen von gesellschaftlichen Realitäten an. Auch 13 Jahre nach Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft finden sich noch immer Formulare, in denen gleichgeschlechtliche Lebensweisen nicht vorgesehen sind. Diese Form der Heteronormativität ist diskriminierend.

Rogate-Frage: Der LSVD hat ein Bündnis gegen Homophobie gegründet. Was macht dieser Zusammenschluss genau?

 Jörg Steinert: Das Bündnis gegen Homophobie ist die Allianz der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft für die gesellschaftliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen. Es ist ein Zusammenschluss von Organisationen, Institutionen und Verbänden – unter anderem aus den Bereichen Sport, Kultur, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sowie Wirtschaft. Die Mitglieder engagieren sich innerhalb ihrer Organisationen, aber auch nach außen sichtbar gegen Homophobie. Denn Homophobie darf nicht tatenlos hingenommen werden und geht alle etwas an. Zusammen mit dem Berliner Fußball-Verband wurden zum Beispiel Handreichungen für Vereine entwickelt, die Wall AG unterstützt jedes Jahr eine Sensibilisierungskampagne und die evangelische Kirche veranstaltet CSD-Gottesdienste – jede Organisation beteiligt sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Es gibt eine Vielzahl von Aktivitäten.

Rogate-Frage: Was hat der LSVD an Aktionen zum 17. Mai geplant?

Jörg Steinert: Am 17. Mai 2014 lädt der LSVD, zusammen mit der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler, und dem Bündnis gegen Homophobie zu einer Kundgebung und Mitmachaktion namens „Tausend Hände für den Regenbogen“ ein. Am Ende der Kundgebung können bei der Mitmachaktion Handabdrücke in den sechs Regenbogenfarben auf einer großen Leinwand hinterlassen werden. Alle Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität – sind eingeladen, sich zu beteiligen. Die Veranstaltung findet von 12:00 bis 13:00 Uhr an der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus am U-Bahnhof Nollendorfplatz statt.

Weitere Informationen: berlin.lsvd.de

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Weitere „Fünf Fragen“:

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Herzlich willkommen zu unseren Andachten und Gottesdiensten. Den Monatsplan Mai 2014 finden Sie hier. Unsere geplanten Termine in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan, bzw. auf dem Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof:

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