Fünf Fragen an: Cornelia Radeke-Engst, Garnisionskirche Potsdam

Fünf Freitagsfragen an Pfarrerin Radeke-Engst über eine temporäre Kapelle, einen umstrittenen kirchlichen Ort und „BETEN, BILDEN, ERINNERN und SEHEN“.

Cornelia Radeke-EngstCornelia Radeke-Engst, geboren in Dresden, studierte an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, an der kirchlichen Hochschule Naumburg und am Sprachenkonvikt Berlin. Sie war 20 Jahre lang Dompfarrerin am Brandenburger Dom, danach Landespfarrerin für Frauen- und Familienarbeit. Ihr wichtigstes Anliegen: Engagement in der Kirche als den „Ort, an dem Menschen in dem Friedens- und Lebensraum, den Gott uns eröffnet, Geborgenheit finden“. Seit dem 1. April hat sie die „Pfarrstelle Temporäre Kapelle“ in Potsdam inne.

Rogate-Frage: Frau Pfarrerin Radeke-Engst, von der landeskirchlichen Frauenarbeit zur Garnisionskirche ist es schon ein weiter Weg. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Cornelia Radeke-Engst: Mich reizt der Auftrag, an diesem umstrittenen Ort die „innere, spirituelle Kirche“ zu bauen. Die Temporäre Kapelle am Ort der ehemaligen Garnisonkirche ist seit 10 Jahren eine Nagelkreuzkapelle. Hier soll eine Profilkirche für Friedens und Versöhnung entstehen.

Rogate-Frage: Eine Pfarrerin ohne Kirche und ohne Gemeinde, wie wird Ihr neuer Arbeitstag aussehen?

Cornelia Radeke-Engst: Es gibt eine temporäre Kapelle. Dort feiern wir an jedem Samstag 18:00 Uhr einen Wochenschlussgottesdienst. Es wird wieder Nagelkreuzgebete geben. Regelmäßig werde ich Glaubenskurse anbieten, für Menschen, die den christlichen Glauben kennenlernen oder sprach- und auskunftsfähig über den christlichen Glauben werden wollen. Für den Deutsch-, Geschichte- und Religionsunterricht werden wir ein Curriculum erarbeiten, auf das Lehrerinnen und Lehrer zurückgreifen können, um mit ihren Klassen hier in der Nagelkreuzkapelle Unterrichtseinheiten zum Thema „Frieden und Versöhnung“, „Christlicher Widerstand“ oder zu preußischer Geschichte und Militarismus zu behandeln.

Rogate-Frage: Braucht Potsdam eine neue Kirche, einen Wiederaufbau ausgerechnet der historisch belasteten Garnisionskirche?

Cornelia Radeke-Engst: Potsdam braucht keine neue Kirche, aber dieser belastete Ort braucht es, keine Leerstelle zu bleiben, die Menschen mit den unterschiedlichsten Deutungen besetzen, sondern hier muss Kirche Profil zeigen und erkennbar sein, als eine Kirche des Friedens und der Versöhnung.

Es ist eine Augenwischerei, wenn der Tag von Potsdam auf die Garnisonkirche reduziert wird. In allen anderen Kirchen wurden vor dem Staatsakt zur Eröffnung des Reichstags Gottesdienste gefeiert. Der „geschichtsträchtige Handschlag“ von Hindenburg und Hitler ist eine nachträgliche Inszenierung. Es handelt sich schlichtweg um die Verabschiedung. Und vergessen sollte man nicht die jubelnden Massen, die die Straßen säumten. Übrigens hat es an der Garnisonkirche viele Personen gegeben, die zum Widerstand gegen Hitler am 20. Juli und darüber hinaus gehörten. In Auseinandersetzung mit der Geschichte hat die kleine Zivilgemeinde der Garnisonkirche nach dem Krieg die Kapelle im zerstörten Turmrumpf in „Heilig-Kreuz-Kapelle“ umbenannt und damit schon damals begonnen, an diesem Ort ein Zeichen zu setzen.

Ich merke, wie dieser Ort Menschen anzieht, sehr viele Menschen kommen „einfach so“ mal vorbei und fragen nach, hören zu.

Rogate-Frage: Sie wissen von der Kritik und auch von Spannungen zwischen Befürwortern und Gegnern. Wie wollen Sie Brücken schlagen zwischen beiden Seiten?

Cornelia Radeke-Engst: Im Dialog mit den Gegnern kann der christliche Versöhnungsgedanke konkret werden. Wir setzen auf den Dialog, auf gewaltfreie Kommunikation. Die Vorwürfe, die die Bürgerbewegung vorträgt, sind wichtige Anfragen, die ernst zu nehmen sind. Sie zu beantworten helfen uns, unser Profil als Friedens- und Versöhnungskirche zu schärfen.

Rogate-Frage: Wenn die Stiftung das Geld zusammenbekommen hat und die Vision einer neu errichteten Garnisionskirche realisiert sein wird, wie sich dort die Arbeit gestalten?

Cornelia Radeke-Engst: Zunächst wird der Turm gebaut werden mit einer Kapelle, Seminarräumen und der Zweckbestimmung BETEN, BILDEN, ERINNERN und SEHEN – damit ist der Ausblick von dem 88 Meter hohen Turm gemeint. Das heißt, dass die in der Temporären Kapelle, der Nagelkreuzkapelle begonnene Arbeit fortgeführt werden wird. Wenn dann tatsächlich auch das Kirchenschiff gebaut wird, wird man noch einmal eine neue Konzeption erarbeiten.

Rogate: Vielen Dank. Mehr über das Projekt finden Sie hier: garnisonkirche-potsdam.org

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

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