Fünf Fragen an: Ulrich Lilie, Präsident Diakonie Bundesverband

Diakonie-Präsident Ulrich LilieFünf Freitagsfragen an Pfarrer Ulrich Lilie über diakonische Spiritualität, tätige Nächstenliebe und wann ein Diakonie-Präsident Zeit zum Beten hat.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Lilie, zum 1. Juli treten Sie das Amt des Präsidenten der Diakonie Deutschland an. Mit welchen Erwartungen kommen Sie nach Berlin?

Ulrich Lilie: Ich möchte dazu beitragen, dass Diakonie als vernehmbare und parteiliche Stimme noch deutlicher wahrnehmbar wird, in Deutschland, in Europa und gemeinsam mit unserem Partnerwerk Brot für die Welt weltweit. Durch inhaltliche und auch geistliche Impulse möchte ich der Diakonie ein Gesicht und eine Stimme verleihen. In guter Abstimmung mit den diakonischen Einrichtungen und Diensten, den Fachverbänden und den landeskirchlichen Werken und der EKD möchte ich dabei vernetzt denken und arbeiten.

Rogate-Frage: Wie definieren Sie den Unterschied zu den anderen Wohlfahrtsverbänden? Was macht die Diakonie aus?

Ulrich Lilie: Die Diakonie als der soziale Dienst der evangelischen Kirchen setzt sich ein für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die auf Hilfe angewiesen oder benachteiligt sind. Sie benennt öffentlich Ursachen von sozialer Not gegenüber Politik und Gesellschaft. Grundlegend für die Arbeit der Diakonie, für uns als Christinnen und Christen ist, dass unser Glaube in der praktischen Hilfe für den Nächsten sichtbar wird: Diakonie ist tätige Nächstenliebe.

Mit der Gründung des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung haben wir unser Profil im Konzert der freien Wohlfahrt in besonderer Weise geprägt. Indem wir die sozialpolitische Arbeit in Deutschland enger mit der internationalen entwicklungspolitischen Arbeit verzahnt haben, stellen wir uns den Herausforderungen einer globalisierten Welt. Damit erfüllen wir unseren christlichen Auftrag und leisten effektiv Hilfe – präventiv und in akuten Notsituationen, hier und weltweit.

Rogate-Frage: Welche Schwerpunkte wollen Sie in Kirche und Politik setzen? Gibt es schon eine Agenda?

Ulrich Lilie: Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Vorstand und mit der Mitarbeiterschaft möchte ich Visionen und Strategien zu den aktuellen sozialpolitisch brisanten Themen entwickeln: Armut und soziale Sicherung, Gesundheit und Ernährung, Bildung und Arbeit, Inklusion und Teilhabe, Migration und Flucht sowie Bewahrung der Schöpfung gehören mit Sicherheit dazu.

Rogate-Frage: Sie wissen, dass wir uns ganz bewusst Rogate-Kloster nennen, weil uns das Reden mit Gott im Gebet so wichtig ist. Sie selbst sind seit langem als Kirchenmanager in verschiedenen Positionen tätig. Wie wird sich Ihr geistlich-spirituelles Leben künftig gestalten? Hat ein Diakoniepräsident Zeit zum Beten?

Ulrich Lilie: „Bete und arbeite“ (nach Benedict von Nursia)…selbstverständlich habe ich auch als Diakonie-Präsident Zeit zum Beten! Aber mein geistlich-spirituelles Leben spielt sich nicht nur im stillen Kämmerlein ab. Glaube ist auf die Begegnung und den Dialog angewiesen. Christlicher Glaube entfaltet seinen Glanz und seine gestaltende Kraft gerade dadurch, dass er auf die soziale Wirklichkeit, auf die wirklichen Menschen trifft.

Rogate-Frage: Die Diakonie Hessen lehnt eine „Stigmatisierung oder Pathologisierung von Schwulen und Lesben“ grundsätzlich ab. Dennoch finden sich unter den evangelikalen Mitgliedern manches Landesverbandes der Diakonie Organisationen, die Kritiker als „Homoheiler“ bezeichnen. Schließt die Akzeptanz von Vielfalt der Schöpfung auch die Offenheit für ausgrenzende Positionen und die Diskriminierung mit ein? Welche Position vertreten Sie?

Ulrich Lilie: Meine Position deckt sich mit der der Diakonie. Es ist ein zentrales Ziel diakonischer Arbeit, jegliche Diskriminierung wegen Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion oder Herkunft grundsätzlich zu verhindern. Somit lehnt die Diakonie auch jede Form der Diskriminierung homosexueller Menschen ab. Sie unterstützt und begleitet Menschen, die gesellschaftliche Diskriminierung erfahren haben und hilft ihnen, damit umzugehen. Und das ist auch gut so – und hat gute theologische und sozialethische Gründe!

Rogate: Herr Pfarrer Lilie, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Infos über den Diakonie Bundesverband finden Sie hier: Diakonie.de. Die Ansprache von Bischof Dr. Markus Dröge am 3. September 2014 zur Amtseinführung des Diakonie-Präsidenten finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 1. Juli 14|19:00 Uhr, VESPER, das AbendgebetAndacht für Trauernde
  • Donnerstag, 3. Juli 14|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 8. Juli 14|19:00 Uhr, VESPER, danach Rogate-Bibelabend
  • Donnerstag, 10. Juli 14|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Sonnabend, 12. Juli 2014, 12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuer-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Mit Pastor Michael Noss, Baptistische Gemeinde Schöneberg.

Rückblick: Predigt der Generalsuperintendentin zum Stadtfest 2014

Generalsuperintendentin Trautwein predigt im StadtfestgottesdienstZum fünften Male beteiligten wir uns mit einem Eröffnungsgottesdienst am 13. Juni 2014 und einem Informationsstand auf dem 22. lesbisch-schwulen Straßenfest des Regenbogenfonds e.V. in Schöneberg. Der 13. Juni war zugleich der Jahrestag der Anerkennung des Rogate-Klosters als geistliche Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Im Eröffnungsgottesdienst predigte Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Wir dokumentieren hier ihre Predigt:

„Dass in unserer Mitte auf niemand mehr mit Fingern gezeigt wird und wir uns unseren Mitmenschen und ihren Bedürfnissen nicht mehr entziehen – wer weiß, wann das sein wird. Wer weiß, wann unser Dunkel endlich leuchten wird wie der Mittag, die Finsternis wie das Licht. Wer weiß, wann die Ängste vor Homosexuellen endlich so klein werden, dass man sie ehrlich aussprechen und abbauen kann. Wer weiß, wann unsere Gesellschaft wirklich gerecht sein wird, vielleicht sogar weltweit, sodass wir Menschen sein werden wie ein bewässerter Garten und eine Quelle, der es nie an Wasser fehlt. Wer weiß…“

Die ganze Predigt finden Sie hier: Rogatekloster.de.

In den Stadtfesteröffnungen der Vorjahre predigten Pfarrer Manfred Moll (2010), Superintendentin Dr. Birgit Klostermeier (2011), Dekan Ulf-Martin Schmidt (2012) und Pfarrerin Andrea Richter (2013)

 

 

Fünf Fragen an: Jens Jacobi, Pfarrer in Spandau

Jens JacobiFünf Freitagsfragen an Pfarrer Jens Jacobi über Stundengebete in Gemeinden, weit geöffnete Türen und die Chance kleiner Gottesdienstgruppen.

Jens Jacobi stammt aus Berlin. Hier hat er auch das Theologie-Studium begonnen. Nach einem Missionsaufenthalt in Afrika wurde er Novize der Communität Christusbruderschaft Selbitz und setzte seine Studien in Halle und Leipzig fort. Sein Vikariat absolvierte er in einem brandenburgischen Landsprengel, den Entsendungsdienst am Dom zu Brandenburg. Heute ist Jacobi verheiratet und Pfarrer in Berlin-Spandau.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Jacobi, Sie feiern in Ihrer Gemeinde das Stundengebet. Wie ist es dazu gekommen und was passiert da?

Jens Jacobi: Wirklich kennen und lieben gelernt habe ich das Stundengebet während meiner Zeit in einem evangelischen Kloster. Gleichzeitig war ich als Student zu den Gebetszeiten aber oft unterwegs. Da habe ich das Breviergebet für mich entdeckt. Das Kloster habe ich verlassen, das Stundengebet habe ich behalten.

An allen Orten, an denen ich seitdem gelebt habe, habe ich Menschen gesucht und gefunden, die so mit mir beten. In der Melanchthon-Gemeinde war ursprünglich nur an eine Vesper während der Passionszeit gedacht. Als Ostern vorbei war, blieb ein Kreis übrig, der mit dem Tagzeitengebet nicht aufhören wollte. Wir haben also einfach weiter gemacht und treffen uns seit etwa drei Jahren mittwochs um 18 Uhr.

In der Grundstruktur orientieren wir uns am klassischen Ablauf des Stundengebets: Hymnus, Psalmlesung, Bibellesung, Gebetsteil. Dazu kommen noch ein Luzernar, also ein Lichtgebet und eine Auslegung des Bibeltextes. Das Letzte bildet vielleicht die protestantische Note. In der Konkretion entscheiden die Vorlieben und das Können der Teilnehmer. So singen wir die Psalmen nicht, weil wir dies nicht in jeder Woche durchhalten könnten. Ob wir während der Gebetszeit sitzen oder stehen, ändert sich regelmäßig. Das hängt vom aktuellen Diskussionsstand ab.

Rogate-Frage: Wie erklären Sie das Stundengebet Menschen aus der Gemeinde und wie reagieren diese darauf?

Jens Jacobi: Je mehr man Stundengebet erklärt, desto verwirrender erscheint es. Je mehr man Stundengebet praktiziert, desto eingängiger wird es. Wenn wir uns in der Kirche treffen, machen wir die Türen weit auf oder stellen Lichter in die Fenster. Wer dann hineinkommt, wird eingeladen mitzubeten. Dass wir beten, müssen wir nicht lange erklären. Das wird von uns erwartet. Die Melanchthon-Kirche liegt nicht an einer klassischen Flanierecke und dennoch schnuppern immer wieder Menschen hinein: Gassi-Geher, Taxifahrer ohne Kunden und Hauspflege-Schwestern zwischen zwei Patienten.

Der harte Kern fährt einmal im Jahr nach Burg Rothenfels. Dort treffen sich im Herbst Stundenbeter aus vielen Kirchen. Es gibt Vorträge zum Thema aber auch praktische Arbeit an den eigenen Formen. Einige Teilnehmer haben erst hier entdeckt, in welch einem großen Traditionsraum, wir uns bewegen.

Manche sind inzwischen weit in diesem Raum eingedrungen. Wie die Menschen, die neu zu uns stoßen und sozusagen erst an der Pforte des Raums stehen, den Weg mit uns gehen können, wird vielleicht eine Aufgabe der nächsten Zeit sein.

Rogate-Frage: Was schätzen Sie am Tagzeitengebet?

Jens Jacobi: Das Tagzeitengebet gibt Struktur und es hat Struktur. Wenn ein Tag voll mit Terminen ist, kann das Tagzeitengebet das Korsett sein, das den Tag zusammen hält und einen vor dem Gefühl bewahrt, den Terminen nur hinterher zu hetzen. Gerade in Stresssituationen fällt das Gebet mit eigenen Worten nicht immer leicht, weil die Gedanken in viele Richtungen gehen. Dann können die „geborgten“ Worte des Tagzeitengebets helfen.

Rogate-Frage: Wie könnte die evangelische Kirche diesen liturgischen Schatz neu heben oder tut sie es bereits?

Jens Jacobi: Wer anfängt, nach Tagzeitengebeten in den Gemeinden zu suchen, wird erstaunlich oft fündig, auch in der EKBO. So ganz scheinen die einzelnen Pflänzchen noch nicht bemerkt worden zu sein. Ein wenig mehr Unterstützung könnten sie durchaus gebrauchen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob man sie pflegt oder verdorren lässt.

Die Kirche vergäbe sich im negativen Fall aber eine Chance. Denn das Stundengebet ist viel weniger kompliziert, als oft gedacht wird. Hat man einmal die Grundstruktur verstanden, kann man auch mit kleinen Gruppen und ohne viel Vorbereitung eine Gebetszeit leiten. Ich kenne Dörfer in großen Landsprengeln, die damit ihre Kirche auch ohne Pfarrer geistlich nutzen.

Von den ökumenischen Chancen ganz zu schweigen. Das Stundengebet ist ein gemeinsames Erbe der vorreformatorischen Kirche. Deshalb feiern wir ja auch nach denselben Liturgien. Die klassischen Probleme gemeinsamer Messfeiern (wie die Priesterfrage und der Eucharistie) gibt es beim Stundengebet nicht.

Rogate-Frage: Sie überlegen in Berlin Menschen zusammenzubringen, die ebenfalls regelmäßig Tagzeitengebete halten. Welches Ziel verfolgen Sie mit der Vernetzung?

Jens Jacobi: Unsere Treffen auf Burg Rothenfels haben gezeigt: Der Wunsch nach Stundengebet ist da. Inzwischen erreichen die Verantwortlichen dort so viele Anfragen, dass sie die gar nicht mehr alle beantworten können. Deshalb werden wir im Herbst einen Verein gründen, der das Thema aufnehmen will. Unter anderem wollen wir diese Anfragen regional verteilen. Dies gibt die Chance, auch persönlich in Kontakt zu kommen, weniger zu reden und mehr im Gebet einfach auszuprobieren.

In Berlin habe ich außerdem oft gehört, dass sich Stundenbeter als „Einzelkämpfer“ sehen. Sie wissen manchmal nicht einmal von Gebetsgruppen in direkter Nähe. So haben wir uns aus Kreuzberg, Pankow und Spandau zusammen getan und hoffen auf gute Kontakte, Unterstützung und Ermutigung. Jede Person, die am Thema interessiert ist, darf gerne dazu kommen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Jacobi, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: oekumenisches-stundengebet.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Eucharistie zum JohannistagSonnabend, 21. Juni 14, 11:00 Uhr, Taufgottesdienst
  • Dienstag, 24. Juni 2014, 19.00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum St. Johannistag mit der alt-katholischen Gemeinde, anschließend Sommerfest des Förderverein Rogate-Kloster e.V.. Orgel: Malte Mevissen.
  • Donnerstag, 26. Juni 14|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 1. Juli 14|19:00 Uhr, VESPER am Vortag der Heimsuchung Mariae
  • Donnerstag, 3. Juli 14|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet

Fünf Fragen an: Ulrich Seelemann, Konsistorialpräsident der Landeskirche EKBO

Fünf Freitagsfragen an Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann über Geld, Mitgliedermanagement und gelebte Transparenz in der Kirche.

Konsistorialpräsident Ulrich SeelemannUlrich Seelemann: Geboren, aufgewachsen, studiert und über 50 Jahre gelebt in Hamburg, jetzt seit neun Jahren in Berlin. Er war Richter im Staatsdienst und ist 1993 – nach ehrenamtlichen Engagement in der Kirchengemeinde (Kirchenvorstand, Kantorei) und im Kirchenkreis (Kreissynode) – in den hauptamtlichen kirchlichen Dienst gewechselt, zunächst in Hamburg, dann ab 2005 in Berlin. Sein besonderes Interesse gilt dem Gottesdienst und der Diakonie.

Rogate-Frage: Herr Konsistorialpräsident Seelemann, wie hoch schätzen Sie die Zahl der Kirchenaustritte aus der EKBO, die es durch den römisch-katholischen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bzw. durch die intensive Medienberichterstattung gab?

Ulrich Seelemann: Eine Quantifizierung ist schwer möglich, da man für einen Kirchenaustritt keinen Grund angeben muss. Ich bin mir aber sicher, dass es deswegen Austritte gegeben hat. Viel schlimmer allerdings als einzelne Austritte ist, dass dieses Ereignis und die öffentliche Debatte darüber das ohnehin weit verbreitete Misstrauen gegenüber allen Religionsgemeinschaften, das oft auf Unkenntnis beruht, in der Öffentlichkeit sehr gefördert hat. Dieses Misstrauen wird häufig – leider auch von der Presse – völlig undifferenziert allem entgegen gebracht, das mit Kirche – egal mit welcher – zu tun hat.

Rogate-Frage: Wie könnte die Bindung von Mitgliedern an die Kirche verbessert werden, um einen (voreiligen) Austritt aus der „Gemeinschaft der Gläubigen“ zu verhindern?

Ulrich Seelemann: Wir müssen Wege finden, den Mitgliedern zu zeigen, dass sie dazu gehören und gebraucht werden – auch wenn sie nicht zur „Kerngemeinde“ zu zählen sind. Das kann am besten auf Gemeindeebene geschehen durch gezielte Ansprache auch derer, die nicht sowieso immer da kommen. Wir müssen den Menschen leicht verständlich vermitteln, was unsere Aufgabe ist und dass sie ein Teil von Kirche, nicht ihr Gegenüber sind. Um dies zu fördern haben wir auf landeskirchlicher Ebene eine Stelle „Mitgliedermanagement“ eingerichtet, um die Gemeinden bei solchen Projekten  und in der Mitgliederkommunikation zu unterstützen.

Rogate-Frage: Sie stellen sich seit Jahren kritischen Fragen zum Thema „Die Kirche und das Geld“. Welche Einwände hören Sie und wie antworten Sie darauf?

Ulrich Seelemann: Häufig beklagt werden die „Ökonomisierung der Kirche“ die Kirchensteuer und angeblich mangelnde Transparenz. Das erste gipfelt manchmal in dem Satz „Reden wir hier über Geld oder über das Evangelium?“. Dazu sage ich dann: „Wir müssen leider auch über das Geld reden, um morgen noch in der Öffentlichkeit über das Evangelium reden zu können“. Geld und Inhalt sind keine Gegensätze, aber es muss klar sein, dass Geld und Bewirtschaftung oder ein ausgeglichener Haushalt nicht „Unternehmenszweck“  sind, sondern Voraussetzungen, um den Auftrag erfüllen zu können. Der gute Haushalter spielt auch bei Jesus eine Rolle, und die Gelder, die uns von den Mit-Gliedern mit ihren anderen Gaben anvertraut sins, müssen treu und klug für die Erfüllung des einen Auftrags der Kirche eingesetzt werden. Es wäre töricht, sich nicht um die wirtschaftlichen Fragen zu kümmern, auch um die Einnahmeseite, weil wir dann unseren Auftrag vernachlässigen müssten. Auch Jesus brauchte die Reichen, um den Armen geben zu können!
Die oft kritisierte Kirchensteuer ist kein bürokratisches Monstrum, sondern eine gute und sehr effizientes Instrument, um den Grundsatz umzusetzen, dass jede und jeder nach ihrer und seiner Leistungsfähigkeit und mit seinen Gaben an der Erfüllung des Auftrags der Kirche mitzuwirken hat. Ein durchaus biblischer Grundsatz! Diese Finanzierungsart ermöglicht es der Kirche, unabhängig von einzelnen Geldgebern nur der Verkündung des Evangeliums zu dienen und gibt so Freiheit und Unabhängigkeit.
Schließlich ist unsere Haushalterschaft transparent. Alle Haushalte und die Abschlüsse sind öffentlich zugänglich, unsere Haushaltsgrundsätze schreiben Transparenz fest. Dass es schwer ist, Gesamtübersichten über die Geldverwendung zu geben, liegt daran, dass wir eben kein Konzern sind, der zentral verwaltet und verantwortet wird, sondern jede Gemeinde, jeder Kirchenkreis und die Landeskirche selbständig sind – und das ist auch gut so.

Rogate-Frage: Die Kirchensteuereinnahmen sinken durch Arbeitslosigkeit und Austritte, das verfügbare Geld wird für die Landeskirche und für die Gemeinden noch weniger werden. Wie reagieren Gemeinden und die EKBO konstruktiv darauf?

Ulrich Seelemann: Wir müssen uns klar sein, dass derzeitige Strukturen und Arbeitsweisen nicht für die Ewigkeit sind. Sie sind eine gute und taugliche Antwort auf frühere und derzeitige Fragen der Auftragserfüllung der Kirche. Sie werden sich ändern müssen, wenn sich die Rahmenbedingungen und damit die Fragen ändern. Dafür steht die Landeskirche als „semper reformanda“ derzeit in einem Reformprozess „welche Kirche morgen“, in dem genau diese Fragen gestellt und Antworten gesucht werden. Im Sinne der klugen Haushalterschaft müssen wir uns immer wieder fragen, wo und wie wir unsere beschränkten Kräfte und Ressourcen einsetzen müssen, um bestmöglich unseren Auftrag zu erfüllen. Wo sich keine Gemeinde mehr unter Gottes Wort sammelt, wäre es unverantwortlich, dort die noch vorhandenen vor allem personellen Ressourcen zu vergeuden, nur weil es immer so war.

Rogate-Frage: Erlauben Sie bitte noch eine Frage zum Thema Klöster im Protestantismus der Gegenwart: Welchen Platz haben geistliche Gemeinschaften und Kommunitäten in und für die EKBO?

Ulrich Seelemann: Geistliche Gemeinschaften und evangelische Klöster sind eine Form unter den vielfältigen Möglichkeiten gelebten christlichen Glaubens. Gerade wir als unierte Kirche bejahen die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der Formen, wie man seinen Glauben bekennt und lebt. Sie sind damit willkommener und bereichernder Teil unserer Kirche und werden auch von der Krichenleitung wahrgenommen und begleitet. Persönlich ist mir dabei wichtig, dass sie sich dabei aber nicht abkapseln, sondern sich als Teil des wandernden und suchenden Gottesvolks sehen.

Mehr Infos über Fakten und Zahlen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz finden Sie hier: ekbo.de/zahlen_fakten

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

Rogate-Gottesdienst: Eröffnung des Stadtfests des Regenbogenfonds am Freitag

Einladung zum Stadtfest Motzstraße NollendorfplatzWillkommen: Das Rogate-Kloster lädt am Freitag, 13. Juni 2014, 19:30 Uhr, zum Eröffnungsgottesdienst des 22. lesbisch-schwules Stadtfests in die Nahe des Nollendorfplatzes gelegene Zwölf-Apostel-Kirche in Schöneberg (An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan).

Das Motto des Strassenfestes: Gleiche Rechte für Ungleiche!“

Nach Pfarrer Manfred Moll (2010), Superintendentin Dr. Birgit Klostermeier (2011) und Dekan Ulf-Martin Schmidt (2012) und Pfarrerin Andrea Richter (2013) predigt in diesem Jahr Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein.

Weitere Mitwirkende am Freitag: Dekan Ulf-Martin Schmidt (Alt-katholische Gemeinde Berlin), Pfr. Stephan Kienberger (American Church Berlin), den Tauwerk-Schwestern (Franziskanerinnen Münster St. Mauritz), Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), MdB Volker Beck (Die Grünen), Vikarin Anna Trapp und Pastorin Dagmar Wegener (Baptistische Gemeinde Schöneberg). Chor: Bro kyrkokör, Schweden. Orgel: Martin Küster.

Fünf Fragen an: Fanny Dethloff, Vorsitzende Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche

Fünf Freitagsfragen an Pastorin Fanny Dethloff über humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen, Asyl in der Kirche und die Bibel als Buch der Migranten.

Pastorin Fanny DethloffFanny Dethloff ist seit 2002 Flüchtlingsbeauftragte der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche (heute Nordkirche). Sie lebt in Hamburg. Zu den Themen ihrer Veröffentlichungen gehören Sterbe-, Trauerbegleitung und Hospizarbeit, Glaubensfragen und Erwachsenentaufe. Drei Jahre war sie als Gefängnisseelsorgerin in der Abschiebungshaft in Hamburg tätig und seit 2004 ist sie Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche.

Rogate-Frage: Frau Pastorin Dethloff, Sie sind Vorsitzende der „Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche“. Wie haben Sie die Frage nach dem Kirchenasyl von Flüchtlingen in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wahrgenommen?

Fanny Dethloff: Sie müssen schon entschuldigen, aber wir haben zur Zeit 108 Kirchenasyle in Deutschland. Allein in Bayern sind es 46, darunter viele katholische Gemeinden. Wenn es um humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen geht, die in anderen EU-Staaten einen Aufenthalt haben, ist dies ein Eintreten gegen die sogenannte Dublin-Verordnung, diese besagt, dass Menschen immer wieder dorthin zurückgeschoben werden, wo sie Europa betreten haben. Da in solchen Fällen niemand sich staatlicherseits zuständig fühlt oder aber vielen Menschen sofort mit Inhaftierungen und Rückschiebungen Angst eingejagt wird, so dass immer mehr Menschen suizidal sind, ist hier der Schutzraum Kirche besonders angefragt. Allen Gemeinden wünsche ich eine besondere Wachheit und Aufmerksamkeit, denn hier ist sowohl das christliche Zeugnis gefragt – wie auch das Zeuge-sein für die Menschenrechte mitten unter uns.

Rogate-Frage: Die Gedächtnis-Kirchengemeinde, der Gemeindekirchenrat und die Pfarrer haben das Anliegen der Flüchtlinge ernst genommen und versucht, einen guten Weg zu finden. Ist es ihnen gelungen oder was hätte von Seiten der Kirche besser gemacht werden können?

Fanny Dethloff: Ich lehne es ab, besserwisserisch aus einer anderen Stadt oder kirchlichen Position Schwestern und Brüder wertend Kommentare zu geben. Demut ist die höchste Form des Muts und die Ohnmacht ist Ort der Spiritualität in der täglichen Flüchtlingsarbeit, denn nur zu oft kommt man rechtlich an die Grenze und kräftemäßig auch. Ich rate jeder Gemeinde sich ernsthaft die Fragen zu stellen, wie sie mit den unter die Räder gekommenen Geschwistern, mit den Botschaftern der Armut, die wir mitverantworten, mit ankommenden Asylsuchenden, mit verzweifelten abgelehnten Flüchtlingen, mit weiterwandernden aus anderen EU-Ländern umgehen wollen.

Rogate-Frage: Sie haben bereits eben Zahlen genannt: Derzeit gibt es bundesweit 108 Kirchenasyle mit mindestens 193 Personen. Könnten Sie die Daten für uns einordnen? Sind es zu hohe oder zu niedrige Zahlen für ein christliches Engagement in unserem Land?

Fanny Dethloff: Nach langen Zeiten, in denen weniger Menschen auf der Flucht waren oder hier ankamen, steigen die Zahlen – nicht nur die Asylbewerberzahlen, sondern auch die der Kirchenasyle. Immer mehr Christinnen und Christen haben verstanden, dass christliche Gastfreundschaft, solidarisches Willkommen, mitmenschliche Aufnahme Werte sind, die uns die Bibel vorgibt. Es ist gelebtes Beten, wenn wir in den Asylbewerberunterkünften tätig werden. Immer mehr Menschen bekommen deshalb auch mit, wenn Menschen plötzlich zurück nach Bulgarien, Italien, Ungarn oder Malta sollen, und verstehen es nicht. Immer mehr werden Zeugen bei Ablehnungen und verstehen nicht, wieso z.B. eine Taufe nicht asylrelevant sein soll, wenn die Bedrohung im Herkunftsland gegeben ist oder warum eine Minderheit aus einem anderen EU-Land trotz dort vorherrschender Katastrophe (wie in Serbien) einfach abgeschoben werden.

Rogate-Frage: Welche Beziehung gibt es zwischen Spiritualität und Flüchtlingsarbeit?

Fanny Dethloff: Das Buch der Bibel ist ein Buch der Migranten, der Wandernden und der Flüchtlinge, mehr als das der Angekommenen. „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen….“ Ich kann Jesus lange in meinem eigenen Leben suchen und versuchen, ihn in der Abgeschiedenheit und Stille zu entdecken. In der Begegnung aber ereignet sich Gott. Das ist die Zusage.


Rogate-Frage: Es braucht sicher nicht immer das Kirchenasyl. Wie können sich Kirchengemeinden und christliche Gemeinschaften für Flüchtlinge und ihre Anliegen einsetzen?

Fanny Dethloff: Es gibt eine Kommunität, in der die 97- und die 93- jährige Schwester ganz konkret immer wieder an unsere Arbeit denken, für uns am Flughafen, wo es eine menschenrechtliche Abschiebebeobachtung gibt, oder für das konkrete Kirchenasyl beten. Das ist eine Kraft, die uns beflügelt. Wachsein und von diesem Arbeitsfeld wissen, an die denken, die sich dem Leid, den Sorgen, dem alltäglichen Rassismus und den oft ungerecht wirkenden Gesetzen aussetzen, das wäre schon eine Menge.
Und dann gibt es da besondere Gottesdienste, wie das Requiem, das Gedenken an die im Mittelmeer an den EU-Außengrenzen Verstorbenen, das alle europäischen Kirchen aufgegriffen haben. Es tut not, die Scham, die Schuld, die Verquickung, in die Verantwortung für die ungerechten Zustände, offen zu bekennen. Es braucht die Spiritualität, das Gebet – um dann wieder ins Handeln zu kommen. Es braucht den Halt, um die Haltung wiederzufinden.

Rogate: Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr über die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche finden Sie hier: kirchenasyl.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Fünf Pfingst-Fragen an Hans-Joachim Ditz, Geschäftsführer Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin

Fünf Fragen zum Pfingstfest an Geschäftsführer Hans-Joachim Ditz über einen ökumenischen Brief, das Verbindende zwischen den Kirchen und den gemeinsamen Auftrag der Christen in der Welt.

Hans-Joachim DitzHans-Joachim Ditz ist römisch-katholischer Theologe und Sozialpädagoge/-arbeiter. Er hat in Paderborn, Innsbruck und Berlin studiert, stammt aus NRW, genauer aus dem Sauerland und ist Westfale. Zurzeit arbeitet er als Geschäftsführer für den Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin und ebenso als Geschäftsführer für den Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg (ÖRBB).

Rogate-Frage: Die Landessynode der EKBO und der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin wenden sich mit einem „Ökumenischen Pfingstbrief 2014″ an alle Christen in ihren jeweiligen Kirchen. Warum?

Hans-Joachim Ditz: Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche, und zwar der einen Kirche Jesu Christi. Zwar haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Konfessionen gebildet, aber für alle, die an Christus glauben, gilt der ökumenische Grundsatz: Uns verbindet mehr als uns trennt. Deshalb haben Synode und Diözesanrat zu Pfingsten einen gemeinsamen Brief geschrieben, um an diesen Grundsatz zu erinnern. Übrigens treffen sich die Vorstände beider Gremien seit Jahren regelmäßig zweimal im Jahr.

Rogate-Frage: Unter dem Motto „Lasst uns unseren Stärken vertrauen“ werben sie in dem Schreiben um die Nutzung von „Synergieeffekten bei den pastoralen Reformprozessen in beiden Kirchen“. Was schwebt Ihnen da vor? Mehr strukturelle Ökumene?

Hans-Joachim Ditz: Gerade im ekklesiologischen Grundvollzug der „diakonia“, der tätigen Nächstenliebe, können wir wechselseitig voneinander profitieren. Ich habe das selbst schon vor Jahren in der kirchlichen Obdachlosenarbeit in Kreuzberg erlebt. Wenn eine evangelische Kirchengemeinde sich gegenüber Senat und Bezirk für mehr Gerechtigkeit im Umgang mit Obdachlosen und Armen einsetzt, dann hat sie das nicht nur für ihre Projekte getan, sondern für die Kirchengemeinden der anderen Konfessionen mit. Solche Synergieeffekte sollen genutzt werden in den Reformprozessen, wo beide Kirchen ja über ihren eigenen Kirchturm hinaus in die Gesellschaft blicken wollen. Nicht alle müssen alles tun. Das gilt meines Erachtens auch für das aktuelle große Projekt „Bet- und Lehrhaus St. Petri“ in Berlin-Mitte. Auch hier könnten sich die anderen Christen in ökumenisch-geschwisterlicher Verbundenheit durch die evangelische St. Petri-/St. Mariengemeinde vertreten fühlen, auch wenn ihre Kirchen nicht selbst am Projekt beteiligt sind.

Rogate-Frage: Im Brief heißt es: „Damit auch nachfolgende Generationen diesen Geburtstag noch oft feiern können, muss Kirche sich wandeln.“ An welchen konkreten Wandel denken Sie dabei auch in Ihrer Kirche?

Hans-Joachim Ditz: Der gerade zu Ende gegangene Katholikentag in Regensburg hatte das Motto „Mit Christus Brücken bauen“. Brücken verbinden und ermöglichen so Beziehungen. Unsere Kirche(n) müssen Brücken bauen gerade zu den Menschen in der säkularen Gesellschaft. Die Kirche darf sich nicht als Insel der Seligen verstehen, nicht als Refugium für einen „heiligen Rest“. Wir haben einen Auftrag für die Welt, wir sollen Gottes Reich und seine Gerechtigkeit in dieser Welt anbrechen lassen (vgl. Mt  6,33). Der Einsatz für Gerechtigkeit in der Welt setzt aber Gerechtigkeit nach innen voraus, sonst ist er nicht glaubwürdig. Da warten innerkatholisch noch einige Fragen auf Klärung: die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten, die Verwirklichung einer vollen Geschlechtergerechtigkeit nach der neuen Schöpfungsordnung (vgl. Gal 3,28), also zum Beispiel der Zugang von Frauen zu den geistlichen Ämtern, eine ermutigende und barmherzigen Ehe- und Sexualmoral, inklusive eines unaufgeregten Umgangs mit Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung. Um nur einige wenige „Baustellen“ zu nennen.

Rogate-Frage: Manche haben in den vergangenen Jahren eher einen Stillstand in der Ökumene ausgemacht. Welche mutmachende Wirkung hat Papst Franziskus für ein neues Denken und neue Wege?

Hans-Joachim Ditz: Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (Nr. 244-246) dazu aufgerufen, Ängstlichkeit und Misstrauen auf dem gemeinsamen Pilgerweg abzulegen. Vielmehr sollen wir die Gaben des Heiligen Geistes in den anderen Kirchen „als ein Geschenk aufnehmen, das auch für uns bestimmt ist“ (Nr. 246). Das ist doch eine wunderbare Position, um die Haltung der Rechthaberei in der Ökumene zu überwinden. „Durch einen Austausch der Gaben kann der Geist uns immer mehr zur Wahrheit und zum Guten führen“, schreibt der Papst. Ich hoffe, die Kirchen lassen den Heiligen Geist in ihre Mauern und Köpfe ein. Pfingsten steht ja vor der Tür.

Rogate-Frage: Wie sieht die Ökumene in Berlin im Jahr 2054 aus? 

Hans-Joachim Ditz: Nachdem wir 40 Jahre „durch die Wüste“ mit vielen Diskussionen, Konferenzen und Symposien gegangen sind, hat sich das Modell der Leuenberger Konkordie (= Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirchen) auch auf alle anderen Kirchen ausgeweitet und wir feiern im Jahr 2054 beim 17. „Berliner Fest der Kirchen“ auf dem Alexanderplatz ein gemeinsames Abendmahl.

Rogate: Vielen Dank, Herr Ditz, für das Gespräch!

Den Ökumenischen Pfingstbrief 2014″ finden Sie hier: https://rogatekloster.files.wordpress.com/2014/06/c3b6kumenischer-pfingstbrief-2014.pdf

Weitere (Freitags-)Fragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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