Fünf Pfingst-Fragen an Hans-Joachim Ditz, Geschäftsführer Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin

Fünf Fragen zum Pfingstfest an Geschäftsführer Hans-Joachim Ditz über einen ökumenischen Brief, das Verbindende zwischen den Kirchen und den gemeinsamen Auftrag der Christen in der Welt.

Hans-Joachim DitzHans-Joachim Ditz ist römisch-katholischer Theologe und Sozialpädagoge/-arbeiter. Er hat in Paderborn, Innsbruck und Berlin studiert, stammt aus NRW, genauer aus dem Sauerland und ist Westfale. Zurzeit arbeitet er als Geschäftsführer für den Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin und ebenso als Geschäftsführer für den Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg (ÖRBB).

Rogate-Frage: Die Landessynode der EKBO und der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin wenden sich mit einem „Ökumenischen Pfingstbrief 2014″ an alle Christen in ihren jeweiligen Kirchen. Warum?

Hans-Joachim Ditz: Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche, und zwar der einen Kirche Jesu Christi. Zwar haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Konfessionen gebildet, aber für alle, die an Christus glauben, gilt der ökumenische Grundsatz: Uns verbindet mehr als uns trennt. Deshalb haben Synode und Diözesanrat zu Pfingsten einen gemeinsamen Brief geschrieben, um an diesen Grundsatz zu erinnern. Übrigens treffen sich die Vorstände beider Gremien seit Jahren regelmäßig zweimal im Jahr.

Rogate-Frage: Unter dem Motto „Lasst uns unseren Stärken vertrauen“ werben sie in dem Schreiben um die Nutzung von „Synergieeffekten bei den pastoralen Reformprozessen in beiden Kirchen“. Was schwebt Ihnen da vor? Mehr strukturelle Ökumene?

Hans-Joachim Ditz: Gerade im ekklesiologischen Grundvollzug der „diakonia“, der tätigen Nächstenliebe, können wir wechselseitig voneinander profitieren. Ich habe das selbst schon vor Jahren in der kirchlichen Obdachlosenarbeit in Kreuzberg erlebt. Wenn eine evangelische Kirchengemeinde sich gegenüber Senat und Bezirk für mehr Gerechtigkeit im Umgang mit Obdachlosen und Armen einsetzt, dann hat sie das nicht nur für ihre Projekte getan, sondern für die Kirchengemeinden der anderen Konfessionen mit. Solche Synergieeffekte sollen genutzt werden in den Reformprozessen, wo beide Kirchen ja über ihren eigenen Kirchturm hinaus in die Gesellschaft blicken wollen. Nicht alle müssen alles tun. Das gilt meines Erachtens auch für das aktuelle große Projekt „Bet- und Lehrhaus St. Petri“ in Berlin-Mitte. Auch hier könnten sich die anderen Christen in ökumenisch-geschwisterlicher Verbundenheit durch die evangelische St. Petri-/St. Mariengemeinde vertreten fühlen, auch wenn ihre Kirchen nicht selbst am Projekt beteiligt sind.

Rogate-Frage: Im Brief heißt es: „Damit auch nachfolgende Generationen diesen Geburtstag noch oft feiern können, muss Kirche sich wandeln.“ An welchen konkreten Wandel denken Sie dabei auch in Ihrer Kirche?

Hans-Joachim Ditz: Der gerade zu Ende gegangene Katholikentag in Regensburg hatte das Motto „Mit Christus Brücken bauen“. Brücken verbinden und ermöglichen so Beziehungen. Unsere Kirche(n) müssen Brücken bauen gerade zu den Menschen in der säkularen Gesellschaft. Die Kirche darf sich nicht als Insel der Seligen verstehen, nicht als Refugium für einen „heiligen Rest“. Wir haben einen Auftrag für die Welt, wir sollen Gottes Reich und seine Gerechtigkeit in dieser Welt anbrechen lassen (vgl. Mt  6,33). Der Einsatz für Gerechtigkeit in der Welt setzt aber Gerechtigkeit nach innen voraus, sonst ist er nicht glaubwürdig. Da warten innerkatholisch noch einige Fragen auf Klärung: die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten, die Verwirklichung einer vollen Geschlechtergerechtigkeit nach der neuen Schöpfungsordnung (vgl. Gal 3,28), also zum Beispiel der Zugang von Frauen zu den geistlichen Ämtern, eine ermutigende und barmherzigen Ehe- und Sexualmoral, inklusive eines unaufgeregten Umgangs mit Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung. Um nur einige wenige „Baustellen“ zu nennen.

Rogate-Frage: Manche haben in den vergangenen Jahren eher einen Stillstand in der Ökumene ausgemacht. Welche mutmachende Wirkung hat Papst Franziskus für ein neues Denken und neue Wege?

Hans-Joachim Ditz: Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (Nr. 244-246) dazu aufgerufen, Ängstlichkeit und Misstrauen auf dem gemeinsamen Pilgerweg abzulegen. Vielmehr sollen wir die Gaben des Heiligen Geistes in den anderen Kirchen „als ein Geschenk aufnehmen, das auch für uns bestimmt ist“ (Nr. 246). Das ist doch eine wunderbare Position, um die Haltung der Rechthaberei in der Ökumene zu überwinden. „Durch einen Austausch der Gaben kann der Geist uns immer mehr zur Wahrheit und zum Guten führen“, schreibt der Papst. Ich hoffe, die Kirchen lassen den Heiligen Geist in ihre Mauern und Köpfe ein. Pfingsten steht ja vor der Tür.

Rogate-Frage: Wie sieht die Ökumene in Berlin im Jahr 2054 aus? 

Hans-Joachim Ditz: Nachdem wir 40 Jahre „durch die Wüste“ mit vielen Diskussionen, Konferenzen und Symposien gegangen sind, hat sich das Modell der Leuenberger Konkordie (= Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirchen) auch auf alle anderen Kirchen ausgeweitet und wir feiern im Jahr 2054 beim 17. „Berliner Fest der Kirchen“ auf dem Alexanderplatz ein gemeinsames Abendmahl.

Rogate: Vielen Dank, Herr Ditz, für das Gespräch!

Den Ökumenischen Pfingstbrief 2014″ finden Sie hier: https://rogatekloster.files.wordpress.com/2014/06/c3b6kumenischer-pfingstbrief-2014.pdf

Weitere (Freitags-)Fragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

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