Fünf Fragen an: Jens Jacobi, Pfarrer in Spandau

Jens JacobiFünf Freitagsfragen an Pfarrer Jens Jacobi über Stundengebete in Gemeinden, weit geöffnete Türen und die Chance kleiner Gottesdienstgruppen.

Jens Jacobi stammt aus Berlin. Hier hat er auch das Theologie-Studium begonnen. Nach einem Missionsaufenthalt in Afrika wurde er Novize der Communität Christusbruderschaft Selbitz und setzte seine Studien in Halle und Leipzig fort. Sein Vikariat absolvierte er in einem brandenburgischen Landsprengel, den Entsendungsdienst am Dom zu Brandenburg. Heute ist Jacobi verheiratet und Pfarrer in Berlin-Spandau.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Jacobi, Sie feiern in Ihrer Gemeinde das Stundengebet. Wie ist es dazu gekommen und was passiert da?

Jens Jacobi: Wirklich kennen und lieben gelernt habe ich das Stundengebet während meiner Zeit in einem evangelischen Kloster. Gleichzeitig war ich als Student zu den Gebetszeiten aber oft unterwegs. Da habe ich das Breviergebet für mich entdeckt. Das Kloster habe ich verlassen, das Stundengebet habe ich behalten.

An allen Orten, an denen ich seitdem gelebt habe, habe ich Menschen gesucht und gefunden, die so mit mir beten. In der Melanchthon-Gemeinde war ursprünglich nur an eine Vesper während der Passionszeit gedacht. Als Ostern vorbei war, blieb ein Kreis übrig, der mit dem Tagzeitengebet nicht aufhören wollte. Wir haben also einfach weiter gemacht und treffen uns seit etwa drei Jahren mittwochs um 18 Uhr.

In der Grundstruktur orientieren wir uns am klassischen Ablauf des Stundengebets: Hymnus, Psalmlesung, Bibellesung, Gebetsteil. Dazu kommen noch ein Luzernar, also ein Lichtgebet und eine Auslegung des Bibeltextes. Das Letzte bildet vielleicht die protestantische Note. In der Konkretion entscheiden die Vorlieben und das Können der Teilnehmer. So singen wir die Psalmen nicht, weil wir dies nicht in jeder Woche durchhalten könnten. Ob wir während der Gebetszeit sitzen oder stehen, ändert sich regelmäßig. Das hängt vom aktuellen Diskussionsstand ab.

Rogate-Frage: Wie erklären Sie das Stundengebet Menschen aus der Gemeinde und wie reagieren diese darauf?

Jens Jacobi: Je mehr man Stundengebet erklärt, desto verwirrender erscheint es. Je mehr man Stundengebet praktiziert, desto eingängiger wird es. Wenn wir uns in der Kirche treffen, machen wir die Türen weit auf oder stellen Lichter in die Fenster. Wer dann hineinkommt, wird eingeladen mitzubeten. Dass wir beten, müssen wir nicht lange erklären. Das wird von uns erwartet. Die Melanchthon-Kirche liegt nicht an einer klassischen Flanierecke und dennoch schnuppern immer wieder Menschen hinein: Gassi-Geher, Taxifahrer ohne Kunden und Hauspflege-Schwestern zwischen zwei Patienten.

Der harte Kern fährt einmal im Jahr nach Burg Rothenfels. Dort treffen sich im Herbst Stundenbeter aus vielen Kirchen. Es gibt Vorträge zum Thema aber auch praktische Arbeit an den eigenen Formen. Einige Teilnehmer haben erst hier entdeckt, in welch einem großen Traditionsraum, wir uns bewegen.

Manche sind inzwischen weit in diesem Raum eingedrungen. Wie die Menschen, die neu zu uns stoßen und sozusagen erst an der Pforte des Raums stehen, den Weg mit uns gehen können, wird vielleicht eine Aufgabe der nächsten Zeit sein.

Rogate-Frage: Was schätzen Sie am Tagzeitengebet?

Jens Jacobi: Das Tagzeitengebet gibt Struktur und es hat Struktur. Wenn ein Tag voll mit Terminen ist, kann das Tagzeitengebet das Korsett sein, das den Tag zusammen hält und einen vor dem Gefühl bewahrt, den Terminen nur hinterher zu hetzen. Gerade in Stresssituationen fällt das Gebet mit eigenen Worten nicht immer leicht, weil die Gedanken in viele Richtungen gehen. Dann können die „geborgten“ Worte des Tagzeitengebets helfen.

Rogate-Frage: Wie könnte die evangelische Kirche diesen liturgischen Schatz neu heben oder tut sie es bereits?

Jens Jacobi: Wer anfängt, nach Tagzeitengebeten in den Gemeinden zu suchen, wird erstaunlich oft fündig, auch in der EKBO. So ganz scheinen die einzelnen Pflänzchen noch nicht bemerkt worden zu sein. Ein wenig mehr Unterstützung könnten sie durchaus gebrauchen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob man sie pflegt oder verdorren lässt.

Die Kirche vergäbe sich im negativen Fall aber eine Chance. Denn das Stundengebet ist viel weniger kompliziert, als oft gedacht wird. Hat man einmal die Grundstruktur verstanden, kann man auch mit kleinen Gruppen und ohne viel Vorbereitung eine Gebetszeit leiten. Ich kenne Dörfer in großen Landsprengeln, die damit ihre Kirche auch ohne Pfarrer geistlich nutzen.

Von den ökumenischen Chancen ganz zu schweigen. Das Stundengebet ist ein gemeinsames Erbe der vorreformatorischen Kirche. Deshalb feiern wir ja auch nach denselben Liturgien. Die klassischen Probleme gemeinsamer Messfeiern (wie die Priesterfrage und der Eucharistie) gibt es beim Stundengebet nicht.

Rogate-Frage: Sie überlegen in Berlin Menschen zusammenzubringen, die ebenfalls regelmäßig Tagzeitengebete halten. Welches Ziel verfolgen Sie mit der Vernetzung?

Jens Jacobi: Unsere Treffen auf Burg Rothenfels haben gezeigt: Der Wunsch nach Stundengebet ist da. Inzwischen erreichen die Verantwortlichen dort so viele Anfragen, dass sie die gar nicht mehr alle beantworten können. Deshalb werden wir im Herbst einen Verein gründen, der das Thema aufnehmen will. Unter anderem wollen wir diese Anfragen regional verteilen. Dies gibt die Chance, auch persönlich in Kontakt zu kommen, weniger zu reden und mehr im Gebet einfach auszuprobieren.

In Berlin habe ich außerdem oft gehört, dass sich Stundenbeter als „Einzelkämpfer“ sehen. Sie wissen manchmal nicht einmal von Gebetsgruppen in direkter Nähe. So haben wir uns aus Kreuzberg, Pankow und Spandau zusammen getan und hoffen auf gute Kontakte, Unterstützung und Ermutigung. Jede Person, die am Thema interessiert ist, darf gerne dazu kommen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Jacobi, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: oekumenisches-stundengebet.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Eucharistie zum JohannistagSonnabend, 21. Juni 14, 11:00 Uhr, Taufgottesdienst
  • Dienstag, 24. Juni 2014, 19.00 Uhr, Ökumenische Eucharistie zum St. Johannistag mit der alt-katholischen Gemeinde, anschließend Sommerfest des Förderverein Rogate-Kloster e.V.. Orgel: Malte Mevissen.
  • Donnerstag, 26. Juni 14|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 1. Juli 14|19:00 Uhr, VESPER am Vortag der Heimsuchung Mariae
  • Donnerstag, 3. Juli 14|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aktuell., Fünf Fragen. abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s