Fünf Fragen an: Stephan Ackermann, Bischof des Bistums Trier

Fünf Freitagsfragen an Bischof Dr. Stephan Ackermann, Bistum Trier, über die eigene Zeit zum Beten, manche Sprachlosigkeit und die gewonnene Weite, wenn man mit den Augen des Glaubens auf die Welt sieht.

Bischof Dr. Stephan AckermannBischof Dr. Stephan Ackermann ist 1963 in Mayen (Eifel) geboren und in Nickenich aufgewachsen. In einem gläubigen Elternhaus verwurzelt und angeregt durch Erfahrungen in der Jugendarbeit wuchs sein Interesse am Priesterberuf. Nach Studienjahren in Trier und Rom wurde Stephan Ackermann am 10. Oktober 1987 in Rom vom Rottenburger Bischof Georg Moser zum Priester geweiht. Nach Abschluss seiner theologischen Ausbildung und einer zweijährigen Kaplanszeit in Bad Breisig war er von 1991-1998 Subregens am Bischöflichen Priesterseminar Trier. Ab September 1999 war er Regens im Seminar „Studienhaus St. Lambert“ in Lantershofen. Am 14. März 2006 wurde Ackermann von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Trier ernannt, am 14. Mai 2006 zum Bischof geweiht. Am 8. April 2009 ernannte ihn Papst Benedikt zum Bischof von Trier. Ackermann ist Vorsitzender der deutschen Kommission „Justitia et Pax“ und Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für alle Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich. Ackermann ist Mitglied der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen (VI) der Deutschen Bischofskonferenz und seit März 2014 auch der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz sowie Mitglied im Päpstlichen Rat Justitia et Pax.

Rogate-Frage: Herr Bischof Ackermann, wie und wann betet ein Bischof? Wann haben Sie Zeit für Gott?

Stephan Ackermann: Zu meinen täglichen Gebetszeiten gehören die Feier der Eucharistie und das Stundengebet, das ja vor allem aus Psalmen besteht. Darüber hinaus habe ich das Glück, dass es in meinem Haus eine Kapelle gibt, so dass ich mich im Verlauf des Tages immer wieder einmal, und wenn es nur für kurze Zeit ist, dorthin zurückziehen kann, etwa um mich auf ein Gespräch vorzubereiten oder eine Begegnung im Gebet nachklingen zu lassen. Diese kurzen Gebetsunterbrechungen im Tagesablauf sind mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Sie schärfen nicht nur meine Aufmerksamkeit für Personen und Situationen, sondern geben mir auch die Gelegenheit, im Vielerlei des Alltags mit Gott in Verbindung zu bleiben.

Rogate-Kloster: Sie gelten in der Kommunikation als ausgesprochen aufgeschlossen – auch mit kirchendistanzierten Menschen. Liegt es an Ihrem Wahlspruch „In lumine tuo Domine“ („In deinem Licht, Herr“)? Welche Botschaft wollen und können Sie von der Kirche senden?

Stephan Ackermann: Mein Wahlspruch stammt aus dem 36. Psalm, in dem es im 10. Vers heißt: „Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.“ Dieser Vers drückt die Haltung aus, mit der ich versuche, meinen Dienst als Bischof zu tun. Es geht darum, das Leben und die Welt nicht nur mit rein menschlichen Augen anzuschauen und zu beurteilen, also nicht nur mit „gesundem Menschenverstand“ – den es natürlich auch braucht –, sondern im Licht der Glaubensbotschaft. Denn das ist meine tiefste Überzeugung: Wenn wir mit den Augen des Glaubens auf die Welt schauen, wird sie nicht kleiner und enger, sondern reicher, weiter und tiefer. Das möchte ich den Menschen vermitteln.

Rogate-Frage: Wann bleibt Ihnen die Sprache weg? Wann können auch Sie als erfahrener Bischof nichts mehr sagen und schweigen lieber?

Stephan Ackermann: Natürlich gibt es auch für mich immer wieder Situationen, in denen mir die Sprache wegbleibt. Das können Situationen sein, in denen es mir vor Staunen oder vor Rührung die Sprache verschlägt, etwa in einem schönen Gottesdienst oder angesichts eines Zeugnisses, das ein Mensch ablegt. Aber es gibt natürlich auch die Situationen, in denen mir vor Erschütterung oder Ratlosigkeit die Sprache wegbleibt: Wenn ich höre, was Menschen in ihrem Leben an Belastungen, an Nachteilen oder Leid zu ertragen haben. Ich denke an schwierige Familiensituationen, an Flüchtlingsschicksale, aber auch noch einmal an die Betroffenen des sexuellen Missbrauchs. Da verbietet sich jedes leichtfertige Wort, auch wenn es noch so gut gemeint sein mag. Da heißt es schweigen und bleiben, auch wenn man seine Hilflosigkeit mit Worten zudecken oder viel lieber die Flucht ergreifen möchte.

Rogate-Frage: Was raten Sie Menschen, die zwar an Gott glauben, aber mit der Kirche erhebliche Probleme haben und sie als Belastung empfinden?

Stephan Ackermann: Ich rate ihnen, auf der Suche nach Gott zu bleiben, das heißt sich nicht ganz in dieser Welt einzurichten, aber auch offen zu sein für das Gespräch mit Menschen, die ebenfalls an Gott glauben und bewusst Mitglieder der Kirche sind. Wer nämlich in seiner Suche nach Gott oder in seiner Beziehung zu ihm ganz allein auf sich gestellt ist, steht in der Gefahr, am Ende doch bei einem selbstgemachten Gottesbild zu bleiben, das mir aber nicht wirklich Gott zeigt, sondern bloß eine Vorstellung von Gott nach den Maßen meines beschränkten Horizonts.

Rogate-Frage: Wie erleben Sie die evangelische Kirche und was schätzen Sie an ihr?

Stephan Ackermann: Ich erlebe, dass die evangelische Kirche mit ganz ähnlichen Herausforderungen zu ringen hat wie wir Katholiken. Wir leben in Deutschland in einer freiheitlichen, säkularen und vom Wohlstand geprägten Gesellschaft. Da braucht es neue Vergewisserungen über die grundlegenden Werte. Traditionelle Begründungsmuster überzeugen viele Menschen nicht mehr. Das wird für mich besonders anschaulich im Ringen um das Verständnis von Ehe und Familie: Die Auseinandersetzungen um die Orientierungshilfe des Rates der EKD zeigt das im evangelischen Bereich. Für die katholische Kirche zeigen das die Diskussionen um die Synode zum Thema Ehe und Familie, die Papst Franziskus für Oktober einberufen hat. In den ökumenischen Kontakten erlebe ich sehr positiv, dass wir in aller Regel nicht darauf aus sind, uns gegeneinander zu profilieren, sondern uns in der Pflicht sehen, gemeinsam ein möglichst glaubwürdiges christliches Zeugnis abzulegen. Andererseits lassen wir uns aufgrund unseres unterschiedlichen Selbstverständnisses und unserer unterschiedlichen Glaubensgeschichte seit der Reformation gegenseitig auch nicht einfach in Ruhe. Das ist mitunter anstrengend, gehört aber wohl auch dazu. Insofern ist auch das schätzen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Dr. Ackermann, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

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Eine Antwort zu Fünf Fragen an: Stephan Ackermann, Bischof des Bistums Trier

  1. Irmgard Mais, Idar-Oberstein schreibt:

    Sehr geehrter Herr Ackermann,
    in der Nahe-Zeitung las ich von Ihrem Verhalten gegenüber Ihrem ehemaligen katholischen Kollegen, der konvertierte und eine evangelische Pfarrei in einem Nachbarort übernehmen wollte.
    Ihre negative Entscheidung zu dem “ Vorgang “ ist ein weiterer Mosaikstein für mich, zur evangelischen Kirche überzutreten.
    Ich vermisse Herzensgüte und Verständnis……
    Ich bin 66 Jahre alt und SEHR traurig……
    Irmgard Mais, Idar-Oberstein

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