Fünf Fragen an: Rainer Kampling, Professor für Biblische Theologie an der FU Berlin

Fünf Freitagsfragen an Prof. Rainer Kampling über die Gottesgebärerin Maria, Vorbilder im Glauben und den Unterschied zwischen Anbetung und Anrufung.

Univ.-Prof. Dr. Rainer KamplingRainer Kampling wurde 1953 im Münsterland (Nordrhein-Westfalen) geboren. Nach dem Zivildienst studierte er Katholische Theologie, Lateinischen Philologie und Judaistik an der Westfälische-Wilhelms-Universität in Münster. Seit 1992 ist er Professor für Biblische Theologie/Neues Testament am Seminar für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Theologie und Geschichte der Jüdisch-Christlichen Beziehungen. Er ist derzeit Sprecher des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg (ZJS).

Rogate-Frage: Herr Prof. Kampling, welche Rolle hat Maria in der römisch-katholischen Kirche und Theologie? Bleibt da noch Platz für Christus und den Heiligen Geist?

Rainer Kampling: Wenn wir in die Spätantike zurückgehen, finden wir den Beschluss des Konzils von Ephesos von 431. Dort wird ausgesagt, Maria sei „Gottesgebärerin“. Damit ist freilich nicht vorrangig eine Aussage über Maria gemacht worden, sondern über Jesus Christus. Von hierher lässt sich Ihre Frage beantworten: Alles, was über Maria gesagt werden kann, hat seinen Grund und sein Ziel im Handeln Gottes in und durch den, den Christinnen und Christen als seinen Sohn glauben und bekennen. Zugleich aber wird mit Ephesos überdeutlich ausgesagt, dass Maria in dieses Handeln mithineingenommen ist. Von hierher erklärt sich ihre Verehrung, die aber immer der Hinwendung zum trinitarischen Gott untergeordnet bleibt.

Rogate-Frage: Der biblische Befund ist nicht unbedingt umfassend, wenn es um Jesu Mutter geht. Wie konnte es dann zu der großen Rolle kommen, die man ihr im katholischen Kontext eingeräumt hat?

Rainer Kampling: Nun, immerhin steht Maria nach dem lukanischen Werk am Anfang der Geschichte Gottes in Jesus Christus und am Anfang der Kirche. Beides bildet die zwei Säulen der Marienverehrung der katholischen Kirche: Maria ist dem Geheimnis nahe und der Kirche verbunden. An ihr wird Wirklichkeit, was wir berechtigt hoffen und glauben dürfen: die vollkommene Annahme in der Gnade Gottes.  Die unerwartete Erfahrung der Gnade Gottes ohne Ansehung der Person findet bis heute ihre Antwort in der Verehrung der Frau aus Nazaret (Lukas-Evangelium 1,48: „denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd“) als Mutter der Gläubigen („Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter“).

Rogate-Frage: Es heißt, Maria, die Apostel und Heiligen werden nicht angebetet, sondern angerufen. Wo ist der Unterschied?

Rainer Kampling: Hier helfen die Worte selbst: Wer etwas anbetet, anerkennt, dass der oder das grösser ist als man selbst. Die Geschichte hat gezeigt, dass man gewiss Menschen, Ideologien und Dinge angebetet und vergötzt hat und darin untergegangen ist. Aber nur dem Einen kommt Anbetung zu: „Denn es steht geschrieben: Zum Herrn, deinem Gott, sollst du beten und ihm allein dienen.“ (Matthäus-Evangelium 4,10) Die Verehrung der Heiligen, besonders die der Jungfrau Maria, beruhen auf der Anerkenntnis ihrer Vollkommenheit, die Gott ihnen geschenkt hat. Und weil sie in der Kirche gegenwärtig – der Tod trennt niemanden in der Gemeinschaft Gottes – sind, können sie angerufen werden als Fürsprecher vor Gott, damit sich ihre Bitte mit der unsrigen verbindet.

Rogate-Frage: Welche Rolle haben die Heiligen in Ihrer eigenen Frömmigkeit und Glaubenspraxis?

Rainer Kampling: Der selige Rainer von Osnabrück ist mein Namenspatron, und ich blicke ein wenig scheu und mit viel Demut auf ihn. Meine Lieblingsheiligen sind Filippo Neri und Josef von Copertino. Man lese nach, wie sehr sie die Freude Gottes lebten. Und schon als kleines Kind lernte ich das Ave Maria; es begleitet mich durch manchen Alltag.

Rogate-Frage: Welche Schnittmengen sehen Sie in der Frage der Marienverehrung und Heiligenfrömmigkeit in der Ökumene zu den Protestanten?

Rainer Kampling: Bei dem Luthertext „Das Magnificat“ verdeutscht und ausgelegt (WA 7, 546–601) könnte man wohl anfangen. Und während eines Aufenthalt in Sachsen-Anhalt konnte ich doch viele sehen, die den Lutherpilgerweg gingen. Kann es nicht sein, dass es eine größere Sehnsucht nach Vorbildern im Glauben gibt, als man manchmal denkt…

Rogate: Herr Prof, Kampling, herzlichen Dank!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Ausstellung "Töten aus Überzeugung"Sonntag, 20. Juli 14|10:00 Uhr, Gottesdienst zur Eröffnung der Ausstellung „Töten aus Überzeugung“, Predigt: Pfarrerin Barbara Eschen, Direktorin Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Hier der Einladungsflyer „Töten aus Überzeugung“.
  • Dienstag, 22. Juli 14|19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 24. Juli 14|19:30 Uhr, EUCHARISTIE, Vorabend Tag Apostel Jakobus d. Älteren
  • Dienstag, 29. Juli 14|19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aktuell., Fünf Fragen. abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s