Fünf Fragen an: Dr. Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof und Catholica-Beauftragter der VELKD

Fünf Freitagsfragen an Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke über Leidenschaft in der Ökumene, protestantische Identität und das evangelische Verständnis von „Katholisch“.

Dr. Landesbischof Dr. Manzke, Catholica-Beauftragte der VELKDKarl-Hinrich Manzke, geboren in Stade an der Elbe ist Niedersachse. Er studierte in Tübingen, London und München. Er promovierte bei dem bekannten ökumenischen Theologen Wolfhart Pannenberg. Er engagiert sich seit seiner Zeit am ökumenischen Lehrstuhl für ökumenische Fragen, aber auch, durch die Beauftragung als zuständiger Bischof der EKD, für die Seelsorge an Polizistinnen und Polizisten in der Bundespolizei. Er ist als Catholica-Beauftragte der VELKD für den Dialog mit der römisch-katholischen Kirche zuständig. Er ist Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe.

Rogate-Frage: Herr Landesbischof Dr. Manzke, wie steht es kurz vor dem großen Reformationsjubiläum um die Ökumene in Deutschland?

Karl-Hinrich Manzke: Das ökumenische Gespräch braucht Geduld und Leidenschaft zugleich. Inzwischen sind die beiden großen Kirchen sehr deutlich dabei, sich darauf verständigen, dass das Reformationsgedenken im Jahre 2017 einen starken ökumenischen Akzent bekommen soll. Reformationsgedenken in 2017 kann nur mit starker ökumenischer Note sinnvoll begangen werden. Und zwar so, dass die Schönheit und Klarheit des christlichen Glaubens im Mittelpunkt steht. Insofern steht es derzeit gut um das Vertrauen im Miteinander zwischen den beiden großen Kirchen. Man kann den Stand des ökumenischen Gespräches nicht nur nach den nach wie vor strittigen Punkten in der Amtslehre, der Lehre von der Kirche und in der Abendmahlsfrage messen.

Rogate-Frage: Manchmal hört man auf die Frage, was evangelisch sei: Wir haben keinen Papst, unsere Pfarrer dürfen heiraten und Frauen steht die Ordination offen. Wie könnte man die Definition von „Evangelisch“ und „evangelischer Kirche“ unabhängiger und positiver formulieren?

Karl-Hinrich Manzke: Evangelisch sein bedeutet, dass der persönliche Glaube im täglichen Studium der Schrift, in der produktiven Auseinandersetzung mit dem biblischen Wort und im Gespräch mit anderen Glaubenden im Kontext der Kirche gewonnen wird. Im Glauben mündig zu werden und sich nicht allein auf den Glauben der Kirche und der Amtsträger zu verlassen, das vor allem bedeutet „evangelisch sein“. So hat die evangelische Kirche immer Wert darauf gelegt, dass das Zeugnis der Schrift die entscheidende und alleinige Grundlage für den Glauben ist. Im Bezug zur Schrift und zu Christus, der Mitte der Schrift, findet der Glaube Halt und gewinnt der Mensch Gewissheit für sein Leben. Denn durch eigenes Tun kann der Mensch sich die Gnade Gottes nicht verdienen und erwerben. Gute Werke sind Ausfluss des Glaubens, aber nicht Bedingung für die Gnade Gottes.

Rogate-Frage: Die Definition durch Papst Benedikt XVI, was Kirche sei, hat Protestanten zum Teil sehr getroffen. Woran liegt das?

Karl-Hinrich Manzke: Papst Franziskus hat in seinem apostolischen Schreiben ‚Evangelii gaudium‘ von 2013 sehr deutlich davon gesprochen, dass die Kirche keine Zollbehörde und kein Rechnungsprüfungsamt ist und sein soll. Das elektrisiert, weil diese Worte im besten Sinne reformatorisch klingen. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation in verschiedenen Schriften sehr deutlich darauf verwiesen, dass die Kirche Jesu Christi am sichtbarsten in der römisch-katholischen Kirche zum Ausdruck kommt. Papst Benedikt XVI. war sich aber dessen bewusst, dass das Zweite Vatikanische Konzil erstmals sehr deutlich formuliert hat, dass auch in der römisch-katholischen Kirche die Kirche Jesu Christi, die im Werden ist, in keiner Realisierung von Kirche, in keiner Konfession in vollem Umfang verwirklicht ist. Insofern hat Papst Benedikt XVI. auch Widerspruch im ökumenischen Diskurs nicht nur von evangelischer, sondern auch von russisch-orthodoxer Seite mit Recht erfahren, wenn er bisweilen darauf hinweisen wollte, dass außerhalb der römischen Kirche der christliche Glaube nur sehr defizitär gelebt werden kann.

Rogate-Frage: Sie sind von der VELKD speziell für den Dialog mit der römisch-katholischen Kirche als Catholica-Beauftragte beauftragt. Wie gestaltet sich Ihr Amt und welche Grundsätze leiten Sie dabei?

Karl-Hinrich Manzke: Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland (VELKD) hat mich zum 1. April 2014 als Catholica-Beauftragter berufen. Vor diesem Amt habe ich sehr großen Respekt – ich bin sehr demütig angesichts dieses Vertrauens, das die VELKD-Kirchenleitung mir damit ausgesprochen hat. Zunächst gestaltet sich das Amt so, dass die bewährten Dialoge zwischen der römisch-katholischen und den lutherischen Kirchen in Deutschland weitergeführt werden. Damit nimmt die VELKD auch stellvertretend für die EKD Aufgaben wahr, den Dialog zwischen den römisch-katholischen Kirchen und dem Lutherischen Weltbund auch in Deutschland bekannt und beliebt zu machen. Diesen Diskurs in den feststehenden Zirkeln und Kommissionen weiterzuführen, das ist meine erste Aufgabe. Mein Partner in diesem Zusammenhang ist Bischof Dr. Feige aus Magdeburg als Ökumene-Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

Des Weiteren gehört es zu meinen Aufgaben zunächst, die ökumenischen Institute in der Bundesrepublik zu besuchen; dazu gehört das ökumenische Institut in Straßburg, das in Bensheim und natürlich auch das Adam-Möhler-Institut des Bistums Paderborn. Ebenso mache ich reichlich Antrittsbesuche, auch bei der Deutschen Bischofskonferenz und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx in München.

Mich leitet der Grundsatz, Vertrauen aufzubauen durch persönliche Begegnungen, durch Predigten bei besonderen ökumenischen Ereignissen und durch regelmäßige Konsultationen. Einmal im Jahr habe ich die Aufgabe, der VELKD- und EKD-Synode über den Stand des ökumenischen Gespräches und der Entwicklungslinien des Katholizismus zu berichten.

Rogate-Frage: Es ist noch nicht so lange her, da fand im protestantischen Gottesdienst im Credo das Wort „katholisch“ noch Verwendung. Nun ist es durch „christlich“ ersetzt. Es wirkt manchmal so, als wenn im evangelischen Kontext manche Sorge haben, wenn etwas „zu katholisch“ werden könnte und die „Erkennbarkeit“ in Gefahr sei. Woher kommt diese Sorge und wie kann sie überwunden werden?

Karl-Hinrich Manzke: In der Tat gab es im Protestantismus eine Debatte um die Frage, wie das griechische Wort „katholisch“, was „allgemein“ und „universal“ bedeutet, ins Deutsche übersetzt werden soll. Man wird nicht von der Hand weisen können: Die Möglichkeit, das Wort „katholisch“ konfessionell verengt zu verstehen, ist nicht ganz ausgeschlossen. Insofern ist die Entscheidung der Gremien der evangelischen Kirche, im Glaubensbekenntnis das Wort „katholisch“ mit „christlich“ zu übersetzen, durchaus nachvollziehbar, weil es Missverständnisse vermeidet.

Im Übrigen hat die Reformation, die ja im Jahre 1517 nicht mit dem Ziel einer neuen Kirchengründung begann, immer Wert darauf gelegt, dass sie in der Freilegung der ursprünglichen Zielsetzung der Evangelien des Neuen Testamentes im eigentlichen Sinne katholisch ist. Der Glaube findet seine Gewissheit in Bezug auf die Schrift und Christus, die Mitte der Schrift. Das bleibt das entscheidende Geschehen, aus der die Kirche Jesu Christi wächst. Darin ist evangelische Kirche im eigentlichen und neutestamentlichen Sinne „katholisch“. Darauf legen die Reformatoren Wert, darauf legten die evangelischen Kirchen in Deutschland bis zum heutigen Tage Wert, ohne damit den ökumenischen Dialog torpedieren zu wollen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Landesbischof, für das Gespräch!

Mehr über die Arbeit des Catholica-Beauftragten finden Sie hier: velkd.de/251.php

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Dienstag, 19. August 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. August 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 26. August 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. August 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 2. September 14 |19:00 Uhr, VESPER
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