Fünf Fragen an: Christina Obermüller, Online-Suizidprävention [U25] der Caritas Berlin

Christina Obermüller. Foto: Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.Fünf Fragen an Christina Obermüller, Online-Suizidprävention [U25] im
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V., zum Welttag der Suizidprävention am 10. September, über die zweithäufigste Todesursache junger Menschen und Auswege aus den Abschiedsgedanken.

Christina Obermüller kam in Sachsen-Anhalt zur Welt und studierte in Hildesheim Soziale Arbeit.

Rogate-Frage: Frau Obermüller, von welchen Zahlen gehen Sie aus, wenn es um versuchte und vollzogene Selbsttötungen in Berlin und im Bundesgebiet geht?

Christina Obermüller: Etwa 10 000 Menschen nehmen sich in Deutschland jedes Jahr das Leben. Es gibt eine hohe Dunkelziffer. Experten schätzen 100 000 – 200 000 Suizidversuche pro Jahr. In Berlin verlieren wir jedes Jahr etwa 350 Menschen durch Selbsttötung.

Rogate-Frage: Was ist „[U25] Berlin“?

Christina Obermüller: „[U25] Berlin“ ist eine Online-Beratungsstelle für suizidgefährdete Jugendliche unter 25 Jahren. Hier beraten allerdings keine professionellen Berater sondern junge Ehrenamtliche, die selbst erst zwischen 16 und 25 Jahre sind und speziell für die Beratung ausgebildet werden. Das Angebot ist anonym und der Kontakt findet ausschließlich per Mail statt.

Rogate-Frage: Was ist das Besondere an dieser Arbeit mit jungen Menschen? Und warum engagiert sich die Caritas hier besonders?

Christina Obermüller: Nur Wenige wissen, dass Suizid die zweithäufigste Todesursache junger Menschen unter 25 in Deutschland ist. Jeden Tag versuchen nach Expertenschätzungen etwa 40 Unter-25-Jährige, sich das Leben zu nehmen. [U25] ist ein, auf diese Altersgruppe zugeschnittenes Angebot, wo dank der völligen Anonymität vieles ausgesprochen werden kann, was woanders keine Platz hätte. An den Nutzerzahlen von [U25] Berlin sieht man, dass das Angebot die jungen Menschen erreicht: Wir beraten monatlich etwa 50 Ratsuchende.

Rogate-Frage: Allgemein wird gelegentlich behauptet, dass ein Suizid nicht zu verhindern sei bei Menschen, die ihn tatsächlich vorhaben. Was ist an dieser Aussage dran?

Christina Obermüller: Nur die wenigsten Menschen mit Suizidgedanken gelangen für sich zu einem klaren Entschluss für den Suizid. In den allermeisten Fällen ist bis zum Suizidversuch eine starke Ambivalenz vorhanden und oftmals handelt es sich nicht einmal um den expliziten Wunsch, tot zu sein als vielmehr um die Sehnsucht, das bisherige Leben nicht mehr weiterführen zu müssen.

Die Beraterinnen und Berater bei [U25] Berlin greifen häufig genau diese Ambivalenz auf und versuchen gemeinsam mit den Ratsuchenden zu schauen, ob es neben dem Suizid und der Weiterführung des bisherigen Lebens eventuell noch einen anderen Weg gibt.

Rogate-Frage: Am kommenden Mittwoch, am 10. September, beteiligen Sie sich an einer Aktion vor dem Brandenburger Tor anlässlich des Welttages der Suizidprävention. Das Rogate-Kloster unterstützt die Aktion „600Leben“. Was ist dort geplant und welche Aussage soll die Öffentlichkeit erreichen?

Christina Obermüller: Jährlich sterben in Deutschland ca. 600 junge Menschen durch eigene Hand. Wir finden, dass das eine erschreckend hohe Zahl ist. Die Aktion am 10. September 2014 soll auf diesen in der Öffentlichkeit kaum präsenten Fakt aufmerksam machen und läuft folgerichtig unter dem Titel „600 Leben – Gemeinsam 600leben.deSuizide verhindern“. Konkret ist geplant, dass sich 600 Menschen symbolisch zu Boden sinken lassen, um die schiere Zahl „600“ zu versinnbildlichen. Über eine zugehörige Aktionswebseite sollen Fakten und Hintergrundinformationen gegeben sowie zum täglichen „Nicht-Wegschauen“ angeregt werden. Weitere Informationen gibt es auf 600leben.de.

Rogate: Vielen Dank, Frau Obermüller, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: u25-berlin.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Donnerstag, 4. Sept. 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Sonnabend, 6. September |18:00 Uhr, musikalische Vesper mit dem «Gamle Oslo kro og kirkekor». Gemeinsam veranstaltet mit der Norwegischen Kirche in Berlin (Sjømannskirken).
  • Dienstag, 9. September 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Sept. |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachgebet
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