Fünf Fragen an: Dr. Matthias Ring, Bischof des Bistums der Alt-Katholiken Deutschlands

Fünf Freitagsfragen an Bischof Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, über die Utrechter Union, deren Vielfalt und den Wunsch nach mehr Kooperation in der katholischen Kirche.

Bischof Dr. Matthias RingBischof Dr. Ring stammt aus einem kleinen Ort in Franken und war vor dem Bischofsamt Pfarrer in Regensburg. Er hat seine Promotion über die alt-katholische Kirche im Dritten Reich verfasst. Die Bischofsweihe war am 20. März 2010, seitdem leitet er das alt-katholische Bistum, das die ganze Bundesrepublik umfasst.

Rogate-Frage: Herr Bischof Dr. Ring, welche Bedeutung hat das Jubiläum 125. Jahre Utrechter Union für das Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland?

Matthias Ring: Die Feier des Jubiläums ist in den Internationalen Alt-Katholiken-Kongress, der im September im Utrecht stattfindet, eingebunden. Auch wenn „Kongress“ akademisch klingt, es handelt sich dabei eher um eine Art alt-katholischen Kirchentag. Zum Jubiläumsgottesdienst werden sicherlich viele Alt-Katholikinnen und Alt-Katholiken aus den grenznahen Gemeinden nach Utrecht fahren. Zu erleben, dass man Teil einer größeren Gemeinschaft ist, ist wichtig für die eigene Identität einer Diasporakirche. Deshalb hat für die Teilnehmenden an den Kongressen – so mein Eindruck – das Gemeinschaftserlebnis auch Priorität vor den Themen.

Rogate-Frage: Wie kam es zur Utrechter Union und welche Bedeutung hat der Zusammenschluss heute?

Matthias Ring: 1889 haben sich die alt-katholischen Bischöfe zur Utrechter Union zusammengeschlossen, nicht um Gemeinschaft zwischen ihren Kirchen zu begründen, sondern weil ihre Kirchen bereits Gemeinschaft hatten. Die Union, besonders die Internationale Alt-Katholische Bischofskonferenz, wurde als Organ zur Pflege dieser Gemeinschaft verstanden. Bestimmte Aufgaben nimmt man seither gemeinsam war, zum Beispiel Dialoge mit anderen Kirchen.

Die Union hilft uns heute, immer wieder über den Horizont unseres Kirchturms hinauszuschauen. Zum einen, weil die Kirchen innerhalb der Union eine gewisse Vielfalt bieten und so deutlich wird: alt-katholisch ist bunter als es der Blick auf die eigene Kirche vermuten lässt. Zum Anderen stehen wir über die Union in Kontakt und Gemeinschaft mit anderen Kirchen. Das Bonner Abkommen (1931) mit den Anglikanischen Kirchen zum Beispiel war ein Werk der Union und nicht einer einzelnen Kirchen. Mit solchen Aufgaben wäre eine Mitgliedskirche allein überfordert. Abgesehen davon, dass im Konzert der weltweiten Ökumene die Stimme einer Einzelkirche untergeht.

Rogate-Frage: Die 1996 in Deutschland eingeführte Weihemöglichkeit für alt-katholische Frauen zu Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen hat zu einer Krise der Union geführt. Wie konnte eine Spaltung überwunden werden und wie sind die Position der Mitgliedskirchen heute zu diesem Thema?

Matthias Ring: Heute gibt es Mitgliedskirchen der Utrechter Union, die Frauen ordinieren und es gibt welche, die dies nicht tun. Dieser Unterschied wird innerhalb der Gemeinschaft ausgehalten, ohne dass es zu Spannungen kommt. Der Weg hierzu war freilich spannungsvoll und kann – im Rückblick – als alles andere als glücklich bezeichnet werden. In den achtziger Jahren wurde die Diskussion um die Frauenordination in den Kirchen intensiver. Den einen ging es dann zu langsam voran, den anderen zu schnell. Das hat zu einer heftigen Krise Mitte der neunziger Jahre geführt, an deren Ende sich die PNCC (Polish National Catholic Church) in den USA von der Union trennte. Allerdings tat sich im Verhältnis der PNCC zur Union ein Dissens auf, der auch andere Fragen betraf, wie zum Beispiel den Umgang mit Homosexualität.

Rogate-Frage: Wie katholisch ist die Alt-katholische Kirche heute?

Matthias Ring: Für das Katholischsein gibt es keine Messskala, geschweige denn einen entsprechenden Test. Ich könnte nun auf die dogmatischen Festlegungen verweisen, die uns zu einer Kirche des katholischen Spektrums machen. Ich glaube, dass man außerdem selbst bei einem oberflächlichen Blick auf die alt-katholische Kirche feststellen kann, dass so etwas wie eine katholische Mentalität zu erkennen ist. Ihre Frage enthält freilich einen Denkfehler, nämlich die Vorstellung, das Katholische ließe sich quantifizieren. Katholisch aber ist man oder man ist es nicht. Etwas anderes ist die Frage, wie sich das Katholischsein nach Außen hin zeigt. Und da gibt es eben ganz unterschiedliche Ausprägungen. An den liturgischen Gewändern hängt das Katholische jedenfalls nicht, denn nach meiner Einschätzung sind auch die Evangelischen katholisch.

Rogate-Frage: Mit der römisch-katholischen Kirche gibt es einen Dialog. Mit welchem Ziel werden diese Gespräche geführt und wie soll es weitergehen?

Matthias Ring: Das große Ziel ist natürlich die Wiedergewinnung der kirchlichen Gemeinschaft. Aber ich verrate Ihnen nichts, wenn ich Ihnen sage, dass das ein Ziel ist, welches in weiter Ferne liegt. Zunächst geht es darum, überhaupt wieder auf allen Ebenen ins Gespräch miteinander zu kommen. Vor Ort gibt es seit langem gute Beziehungen zwischen alt- und römisch-katholischen Gemeinden, doch je weiter man die hierarchische Leiter hochsteigt, umso dünner wurde in der Vergangenheit die Luft. Dass wir nun auf oberster Ebene miteinander im Gespräch sind, ist ein Wert an sich. Auf den Ebenen zwischen ganz oben und unten stellt sich die Lage differenziert war. Ich wünsche mir, dass wir künftig auf allen Ebenen mehr miteinander kooperieren, denn nur so können die bestehenden Aversionen und Vorurteile abgebaut werden.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Dr. Ring, für das Gespräch!

Mehr über das Katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Gamle Oslo kro og kirkekorSonnabend, 6. September |18:00 Uhr, musikalische Vesper mit dem «Gamle Oslo kro og kirkekor». Gemeinsam veranstaltet mit der Norwegischen Kirche in Berlin (Sjømannskirken).
  • Dienstag, 9. September 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Sept. |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachgebet
  • Sonnabend, 13. September 2014 |12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Organist: Malte Mevissen.
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3 Antworten zu Fünf Fragen an: Dr. Matthias Ring, Bischof des Bistums der Alt-Katholiken Deutschlands

  1. Pingback: Gastbeitrag – 5 Fragen an: Dr. Matthias Ring, Bischof des Bistums der Alt-Katholiken Deutschlands | alt-katholisch.net …

  2. don2alfredo schreibt:

    Vorschläge zur redaktionellen Weiterentwicklung (oder Rückgewinnung): ” ein Werk der Union und nicht einer einzelnen Kirchen.” (KIRCHE)
    “stellt sich die Lage differenziert war.” (DAR)

  3. don2alfredo schreibt:

    Um mit dem früheren Beauftragten der Rheinischen Evangelischen Kirche am Saarländischen Rundfunk, Michael Gluck, zu sprechen: „Katholisch sind wir alle, nur nicht römisch.“

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