Fünf Fragen an: Dr. Sigurd Immanuel Rink, Militärbischof der EKD

Fünf Fragen an Dr. Sigurd Immanuel Rink, Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland, über die Nähe von Kirche und Militär, die Kritik an Margot Käßmann und das Beten in Kasernen. Dr. Rink wird heute, Montag, 8. September 2014, 19:00 Uhr, in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in sein Amt eingeführt.

Dr. Sigurd Immanuel RinkBischof Rink stammt aus Frankfurt am Main. Er war Gemeindepfarrer in Usingen und Königsstein-Falkenstein, Sprecher der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, Referent des Kirchenpräsidenten und Propst für Süd-Nassau. Er engagiert sich im ökumenischen Dialog mit der türkischen Religionsbehörde DITIB und mit der United Church of Christ in den USA.

Rogate-Frage: Herr Militärbischof, was macht Ihr Amt aus? Welche Aufgaben sind Ihnen von der Kirche und von der Bundesregierung anvertraut? Welche Schwerpunkte wollen Sie angehen?

Sigurd Rink: Meine drei Aufgaben sind: Begleitung der Geistlichen, Besuche in der Bundeswehr und Militärseelsorge und die öffentliche Stimme unserer Kirche zu Fragen der Seelsorge und Friedensethik. Als erste Arbeitsschwerpunkte habe ich gesetzt: die Einsatzkontingente der Bundeswehr kennen zu lernen, dafür zu sorgen, dass ich selbst und die Militärseelsorge in der friedensethischen Diskussion „auf Ballhöhe“ bleiben, und unser Seelsorgeprojekt für Einsatzrückkehrer und belastete Soldatinnen und Soldaten.

Rogate-Frage: Die Kritik an der in der Geschichte ja nicht selten vorkommenden Nähe von Kirche und Militär ist Ihnen bekannt. Wie geht das zusammen, Jesu Botschaft, Militärpfarrer und Einsatz in der Truppe?

Sigurd Rink: Oft gab es eine ungute Nähe von Kirche und Staat, zum Beispiel zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren. Heute sind beide Institutionen deutlich getrennt – und das ist gut so. Der Militärseelsorgevertrag zwischen der Bundesrepublik und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nimmt eine sehr kluge Aufgabenverteilung vor, dass der Staat sich mit Finanzen und Organisation einbringt, dass die Kirchen aber inhaltlich in ihrer Arbeit völlig frei bleiben. Was die Haltung der Kirchen zur Bundeswehr angeht, überzeugt mich auch heute noch das Konzept der „kritischen Solidarität“, das in der Nachkriegszeit vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Diktatur und des Zweiten Weltkriegs entwickelt wurde.

Rogate-Frage: Sie sind der erste hauptamtliche Militärbischof der Nachkriegszeit, Ihre Vorgänger waren nebenamtlich beauftragt. Die EKD hat so das Arbeitsfeld der Militärseelsorge öffentlich und personell aufgewertet. Was steckt dahinter? Mehr Wertschätzung der evangelischen Kirche für Christen in Uniform? Eine Reaktion auf einen aufziehenden neuen kalten Krieg in Europa?

Sigurd Rink: Die Entscheidung steht am Ende eines längeren Denkprozesses in der EKD, der schon über mehr als zehn Jahre geht. Schon in den ersten Amtswochen sehe ich viele Vorteile dieser Entscheidung. Die Begleitung der Geistlichen, die Besuche in den Einsätzen und die Beschäftigung mit aktuellen Fragen erfordern so viel Zeit und Energie, dass ich mir eine nebenamtliche Beauftragung nicht vorstellen könnte. Ich habe großen Respekt für meine Vorgänger, die noch unter anderen Bedingungen arbeiten mussten.

Rogate-Frage: Bischöfin a.D. Margot Käßmann wurde insbesondere von konservativen Christen im Sommer massiv kritisiert, weil sie sich öffentlich eine Bundesrepublik ohne Armee vorstellte. Ist ihre Vorstellung für Christen abwegig? Was würden Sie ihr entgegnen?

Sigurd Rink: Die Kritik teile ich nicht. Im Gegenteil: Hier äußert sich eine reflektierte und gut informierte Geistliche deutlich und verantwortlich zu brennenden Fragen. Die Kirche braucht die prophetischen Stimmen, die uns das Ziel vor Augen stellen: den Zustand des gerechten Friedens, der das friedensethische Leitbild der evangelischen Kirchen ist. Übrigens ist auch Margot Käßmann der Gedanke, dass der Einsatz rechtserhaltender Gewalt – zum Beispiel im Konzept des „Just Policing“ – notwendig sein kann, um die Gewalt einzuhegen, nicht fremd.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich die Frömmigkeit eines Militärbischofs? Beten Sie mehr in Kasernen als in Kirchen? Wie gelingt Ihnen die Umstellung von der alten in die neue Aufgabe?

Sigurd Rink: Der Ort ist gar nicht so entscheidend, Gottesdienst ist Gottesdienst, den wir im Namen des dreieinigen Gottes feiern. Übrigens gibt es in Deutschland und bei den Bundeswehrkontingenten im Auslandseinsatz auch eine Reihe von Kirchen, Kapellen und Andachtsräumen innerhalb von Kasernen, so dass sich die Alternative nicht ergibt.

Wir haben von der Militärseelsorge gute Beziehungen zu bestimmten Kirchengemeinden, deren Gottesdiensträume wir regelmäßig nutzen. Hier in Berlin ist das zum Beispiel die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, in der meine Einführung stattfinden wird und ich die ich auch sehr gern zum Sonntagsgottesdienst gehe.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Rink, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: militaerseelsorge.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Andachten auf dem Neuen Zwölf-Apostel-KirchhofDienstag, 9. September 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Sept. |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachgebet
  • Sonnabend, 13. September 2014, 12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuen-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg. Organist: Malte Mevissen.
  • Dienstag, 16. Sept. 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet

 

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