Fünf Fragen an: Ursula Plote, Autorin „Für den Augenblick – Gottesdienste mit Demenzkranken und ihren Angehörigen“

Ursula PloteFünf Freitagsfragen zum Welt-Alzheimertag, am 21. September 2014, an Pastorin Ursula Plote, Autorin „Für den Augenblick – Gottesdienste mit Demenzkranken und ihren Angehörigen“, über den unbefangenen Umgang mit Dementen, ihre Frömmigkeit und die Wichtigkeit von Bekanntem.

Ursula Plote stammt aus Wilhelmshaven in Niedersachsen, war Lehrerin und Pastorin. Sie ist pensioniert und engagiert sich für ein Mehrgenerationenhaus.

Rogate-Frage: Frau Pastorin Plote, wie sind Sie auf das Thema Demenz gekommen und wie haben Sie gelernt, damit umzugehen?

Ursula Plote: Im Mehrgenerationenhaus Wilhelmshaven, gleichzeitig Gemeindehaus unserer Kirchengemeinde, betreuen wir demenzerkrankte Menschen in Gruppen in unserem Haus und auch allein zu Hause. So habe ich viele Begegnungen mit Demenzkranken und ihren Betreuerinnen gehabt und viel darüber nachgedacht, gelesen und mich weitergebildet.

Rogate-Frage: Inwiefern taucht das Thema Demenz und die an ihr erkranke Menschen in einer Kirchengemeinde auf? Wie sollten Pfarrerinnen und Pfarrer reagieren, wenn ihren Demenzerkrankte begegnen?

Ursula Plote: Demenzkranke treffen wir Pastoren und Pastorinnen bei Besuchen zu Hause, im Heim oder im Krankenhaus, in Gottesdiensten und bei Gemeindeveranstaltungen. Es ist wichtig, ihnen unbefangen, freundlich, aber auch angemessen-kundig zu begegnen.

Rogate-Frage: Sie haben intensive Erfahrungen in der Gottesdienstarbeit mit Demenzkranken gesammelt und in einem Buch als Arbeitshilfe zusammengefasst. Was macht einen „Demenzgottesdienst“ aus? Welche Elemente gehören hinein und welche nehmen Sie aus der Feier hinaus?

Ursula Plote: Ein „Demenzgottesdienst“ ist kurz, anschaulich und spricht möglichst viele Sinne an. Wichtig sind viele Lieder (bekannte Choräle, einfache Liedverse, Vorsicht bei sogenannten neuen Liedern), bekannte Grundtexte (zum Beispiel Psalm 23, Vaterunser, Geschichten aus den Evangelien oder aus dem 1. und 2. Buch Mose – oft als freie Erzählung); liturgische Texte nur sparsam (Ehr sei dem Vater) verwenden. Wir verzichten auf Sündenbekenntnis, Beichte ooder ähnliches und auch auf eine allzu enge Orientierung am Kirchenjahr.

Rogate-Frage: Welche Rolle spielt das Abendmahl? Welche Rituale sind aus Ihrer Erfahrung hilfreich? Und wie reagieren Erkrankte darauf und auf den Kirchenraum?

Ursula Plote: Sinnliche Erfahrungen und Zugänge sind hilfreich. Das reicht vom Mit-Klatschen bei Liedern, über kleine Geschenke und Bilder oder auch eine Salbung.

Ich selber bin nicht darauf gekommen, Abendmahl mit Demenzkranken (und ihren Angehörigen oder Betreuern und Betreuerinnen) zu feiern. Darum baten die Mitarbeiterinnen in der Passionszeit. Wir feiern seitdem im Sitzkreis im Altarraum mit einer sehr einfachen Ordnung. Brot und Wein/Saft werden von Pastorin und Lektorin gereicht, je nach den Möglichkeiten der einzelnen Teilnehmer/innen in die Hand oder in den Mund. Die Betreuerinnen oder Angehörigen helfen, empfangen aber auch selber, wenn sie es wünschen. Wir fragen nicht nach Kirchenzugehörigkeit.

Die Leiterin der Demenzbetreuung plädiert für Wein, weil das „früher immer so war“ und weil das Schmecken Erinnerungen wecken könnte. Ich bin in diesem Punkt unentschieden.

Rogate-Frage: Hat sich Ihre eigene persönliche Frömmigkeit und die in der Kirchengemeinde gelebte Spiritualität durch diese besondere Gottesdienstarbeit verändert? Wenn ja, wie?

Ursula Plote: Die Erfahrungen im Umgang mit den Demenzkranken haben mich geistlich sehr berührt und wirken sich auf meine Predigt- und Gottesdienstgestaltung aus. In der Kirchengemeinde sind die Gottesdienste für die Demenzkranken anerkannt. Sie finden an Wochentagen statt. Auswirkungen auf den sonntäglichen Gottesdienst sind nicht zu beobachten.

Gottesdienste mit Demenzkranken und ihren AngehörigenRogate: Vielen Dank, Frau Plote, für das Gespräch!

Mehr über das Buch: Ursula Plote, Ivonne Tholen „Für den Augenblick – Gottesdienste mit Demenzkranken und ihren Angehörigen“, 1. Auflage 2011, 143 Seiten mit 9 Abb. und digitalem Zusatzmaterial kartoniert, ISBN 978-3-525-58021-9, Vandenhoeck & Ruprecht, 19.99 Euro.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Gottesdeinst für Mensch und TierDienstag, 23. Sept. 14 |19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 25. Sept. 14 |19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 30. Sept. 14 |19:00 Uhr, KONVENTSAMT ZU ST. MICHAELIS. Orgel: Malte Mevissen.
  • Freitag, 3. Oktober 2014, 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Thomas Schimmel. Hier der Flyer 2014. Mit  dem Kummelby Kirchenchor aus Sollentuna-Stockholm. Orgel: Uwe Schamburek.
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