Fünf Fragen an: Friederike von Kirchbach, Pröpstin der Landeskirche EKBO

Fünf Freitagsfragen an Pröpstin Friederike von Kirchbach, theologische Leiterin des Konsistoriums und Stellvertreterin des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, über den landeskirchlichen Reformprozess, die Bedeutung Geistlicher Gemeinschaften und die Zukunft des Protestantismus in der Hauptstadt.

Pröstin Friederike von KirchbachFriederike von Kirchbach wurde am 28. Mai 1955 in Gersdorf bei Leipzig geboren. Zusammen mit zwei Schwestern und einem Bruder wuchs sie in einem Pfarrhaus im Erzgebirge auf. Nach dem Abitur an der Erweiterten Ernst-Schneller-Oberschule in Meißen studierte sie Theologie in Leipzig, Jena und Naumburg. Im März 2000 wurde sie zur Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages mit Sitz in Fulda gewählt. Am 5. Februar 2005 wählte die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesischen Oberlausitz sie zur Pröpstin. Als Leiterin der theologischen Grundsatzabteilung des Konsistoriums ist die Pröpstin zuständig für alle Fragen von Theologie und kirchlichem Leben. Sie ist in dieser Funktion stimmberechtigtes Mitglied von Kirchenleitung und Landessynode. Besondere Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in den Bereichen Ökumene, Interreligiöser Dialog, Publizistik und Umweltfragen. Sie ist Vorsitzende der Ratsleitung des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg und Vorsitzende des Missionsrates des Berliner Missionswerkes. Friederike von Kirchbach fährt gern Rad, wandert gern und liebt das Kino.

Rogate-Frage: Frau Pröpstin von Kirchbach, wie beschreiben Sie einem kirchenfernen Nicht-Christen die EKBO?

Friederike von Kirchbach: Die EKBO – „Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“ – ist eine der 20 verschiedenen evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Sie umfasst das Gebiet von Görlitz über Frankfurt/Oder, Prenzlau, Wittenberge, Havelberg bis nach Jüterbog und Doberlug-Kirchhain und umfasst damit kleine abgelegen Orte der Uckermark, der Lausitz und im Fläming, sowie die große Metropole Berlin.
Die EKBO – das sind ca. eine Million Menschen, die als Christen leben, d.h. die sich zu Jesus von Nazareth und seinen Lehren bekennen. Sie engagieren sich in den Kirchgemeinden, feiern Gottesdienste und stellen sich mit einem Großteil ihrer Zeit und ihrer Kraft in den Dienst der Allgemeinheit, zum Beispiel bei der Unterstützung der Sanierung der Dorfkirchen, den Erhalt von Friedhöfen, durch Chorkonzerte, durch Besuchsdienste in Krankenhäusern und Angebote für Kinder und Jugendliche.

Rogate-Frage: Der große Reformprozess der Landeskirche läuft bereits eine Weile. Was ist bislang erreicht worden? Wo läuft es weniger rund?

Friederike von Kirchbach: Ein Entwicklungsprozess, bei dem eine gesamte Landeskirche aufgefordert wird, sich an der Diskussion um die Zukunft der Kirche zu beteiligen, ist ein Wagnis. Die EKBO ist dieses Wagnis eingegangen. Begonnen wurde auf der Herbstsynode 2012 mit dem Diskussionspapier „Welche Kirche morgen?“. Bis Ende September 2013 konnten sich einzelne Personen, Gemeinden und Kirchenkreise der EKBO an der Diskussion beteiligen. Die Rückmeldungen wurden durch landeskirchliche Gremien ausgewertet. Im April 2014 wurden die 10 Thesen „Begabt leben – Mutig verändern“ veröffentlicht.
Wir befinden uns mit dem Reformprozess in einem umfassenden Dialogprozess. Dabei ist es wichtig, alle Stimmen wahrzunehmen, nicht nur die lauten kräftigen, sondern auch die leisen zaghaften. Sonst laufen wir schnell Gefahr, Ideen und Prozesse künstlich zu produzieren. Besser ist es, wenn sich die Projekte aus den Gemeinden, mit der Perspektive der Menschen vor Ort, entwickeln, dass dabei bewährtes erhalten bleibt oder neu gedacht wird.

Rogate-Frage: Prof. Peter Zimmerling beschreibt Geistliche Gemeinschaften als „Inspirationsfelder evangelischer Spiritualität“. Fulbert Steffensky sagt: „Dem Protestantismus fehlt die Spiritualität der Klöster“. Frau Pröpstin, was sind Geistliche Gemeinschaften in und für die EKBO?

Friederike von Kirchbach: Als Pröpstin erlebe ich die geistlichen Gemeinschaften als sehr bereichernd für die EKBO. Sie geben mit der ihnen jeweils eigenen Frömmigkeit den Menschen wichtige Impulse und Anregungen auf ihrem Glaubensweg. In einer Stadt wie Berlin bieten sie Orte der Stille, der Meditation und des Gebetes. Sie bringen die Menschen zueinander. Gerade diesen Aspekt finde ich auch für die ländlichen Gebiete sehr wichtig. Dort, auch dort, laden sie ein zu Einkehrzeiten im Kirchenjahr, öffnen ihre Tore für den Besuch von Galerien und Konzerten, sind Orte, um die besonderen Feste an den Wendepunkten des Lebens zu begehen.
Als Vorsitzende des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg ist mir auch die große Bedeutung der geistlichen Gemeinschaften in der gelebten Ökumene bewusst.

Rogate-Frage: Wie wird sich aus Ihrer ganz persönlichen Sicht diese Landeskirche wohl entwickeln? Welche Rolle wird die evangelische Kirche in 50 Jahren in Deutschland und der Hauptstadt spielen?

Friederike von Kirchbach: Ich bin der Überzeugung, dass Kirche dort stattfindet, wo Menschen vor Ort zusammenkommen und die Gute Nachricht hören, singen oder beten. Das wird auch in 50 Jahren noch so sein.
Die EKBO umfasst inzwischen ein großes Gebiet. Eine Fusion mit einer anderen Landeskirche sehe ich nicht, aber es gilt natürlich, auch in Zukunft über sinnvolle Formen der Zusammenarbeit mit anderen Landeskirchen nachzudenken.
Für Berlin wünsche ich mir, dass die EKBO Werte-Akzente in die Gesellschaft hinein setzen kann. Wir müssen sprachfähig sein und bleiben, um die Menschen zu erreichen. Ich wünsche mir einen friedlichen Dialog der Religionen, den gemeinsamen Einsatz für so wichtige Themen wie die Bewahrung der Schöpfung, die Gleichberechtigung der Menschen und für den Frieden auf der Welt.

Rogate-Frage: Wie würden Sie Ihre eigene Spiritualität beschreiben? Wann haben Sie Zeit für Gott, das Gebet und die Stille?

Friederike von Kirchbach: Meine Orte der Spiritualität sind besonders die Lieder unseres Evangelischen Gesangbuches. Als Tochter eines Pfarrers und einer Kantorin bin ich mit ihnen aufgewachsen, sie haben mich geprägt, ich finde in ihnen Trost und Zuspruch.
Das Gebet und mein Dialog mit Gott durchziehen meinen Alltag. Immer wieder gibt es Momente, in denen ich mich zurückbesinne  auf den, der uns leitet, ihm danke, mich manchmal auch ratlos an ihn wende. Und Stille – Stille empfinde ich z.B., wenn ich mit meinem Rad unterwegs bin durch die Stadt Berlin, auch wenn es laut ist um mich herum, es stellt sich Stille ein.
Stille und eine große Nähe zu Gott empfinde ich, wenn ich ein a capella Konzert mit den alten und vertrauten Adventsliedern höre und auch, wenn ich auf einer Radtour  durch die Mark Brandenburg eine der Dorfkirchen betrete, ganz allein in der Kirchenbank sitze und innehalte.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pröpstin von Kirchbach, für das Gespräch!

Weitere Informationen zum Reformprozess der EKBO: reformprozess.ekbo.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenen Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:2014 10 21 RogateAbendTestament

  • Dienstag, 21. Oktober 2014 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, anschließend Rogate-Abend: Testament und Patientenverfügung. Referent: Rechtsanwalt Holger Hillnhütter.
  • Donnerstag, 23. Oktober 2014 | 19:30 Uhr, Eucharistie
  • Sonnabend, 25. Oktober 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde). Mit Kreiskantor Christoph Hagemann.
  • Dienstag, 28. Oktober 14 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
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