Fünf Fragen an: Schwester Ruth Sommermeyer, Diakonisse und Altoberin im Kloster Lehnin

Fünf Freitagsfragen an Schwester Ruth Sommermeyer, Diakonisse und Altoberin der Diakonissengemeinschaft im Kloster Lehnin, über das Befolgen der Evangelischen Räte, den Ruf in den Dienst und Wunder in der DDR.

Altoberin Schwester Ruth Sommermeyer (Bild: Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin)

Schwester Ruth wurde 1931 geboren und ist in einem Pfarrhaus in Mitteldeutschland aufgewachsen. Vom 10. Lebensjahr an besuchte sie die Martin-Luther-Oberschule in Zeitz. „Nach dem zweiten Weltkrieg gehörten wir zu dem Teil Deutschlands, der sich DDR nannte.“ Die schwere Erkrankung ihrer Mutter war für sie Grund, die Schule vor dem Abitur zu verlassen. „Ich hätte als Akademiker-Kind und als Christin wenig Möglichkeit gehabt in der DDR das Abitur abzulegen.“ Schwester Ruth lebt seit bald 40 Jahre im Kloster Lehnin in Brandenburg, sie wird dort wegen ihres Engagements für eine würdevolle Begleitung von schwerkranken Menschen als die „große alte Dame der Hospizarbeit“ bezeichnet. Heute ist sie 83 Jahre alt. Schwester Ruth ist neben Pater Klaus Mertes SJ, Pfarrer i.R. Gerhard Fischer und der Bischof von Saltillo, José Raúl Vera López Ehrenmitglied des Rogate-Klosters.

Rogate-Frage: Liebe Schwester Ruth Sommermeyer, ab wann wollten Sie Diakonisse zu werden? Wie spürten Sie Ihre Berufung?

Schwester Ruth: In meinem 18. Lebensjahr bin ich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen. Ich wollte Missionarin werden und entschied mich zunächst für das Fachstudium Krankenpflege im Diakonissenmutterhaus Halle. Sehr bald spürte ich, dass Gott etwas anderes mit mir vorhatte. Das Wort aus dem Matthäus-Evangelium: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen“ (Matt 6,33) rief mich in die Diakonie, die eine totale Hingabe forderte, um frei zu sein für die Menschen, die uns brauchten. Die „Evangelischen Räte“ zu bejahen ist mir sehr schwer gefallen. Ich hatte andere Pläne für mein Leben. Doch nach einem inneren Kampf stellte ich die eigenen Wünsche zurück und gehorchte dem Ruf.

Rogate-Frage: Wann sind Sie dann in das Mutterhaus eingetreten und wie war Ihre erste Zeit als junge Schwester?

Schwester Ruth: Mit 19 Jahren bin ich in das Mutterhaus eingetreten. Die Zeit als junge Schwester mit 20 anderen jungen Menschen, welche die gleiche Berufung hatten, war eine sehr glückliche Zeit. Wir erhielten eine sehr gute diakonische und theologische Ausbildung mit verschiedenen Praktika bis zur Einsegnung. Die Grundlagen zu bekommen, den kranken Menschen, Kinder und Jugendliche in dem zu begleiten, was sie für Leib, Seele und Geist bedurften, hat mir sehr zugesagt.

Rogate-Frage: Gibt es eine besondere Spiritualität der Diakonissen? Wenn ja, wie würden Sie diese beschreiben?

Schwester Ruth: Die Spiritualität der Diakonissen wurde in der Probezeit und im Noviziat eingeübt. Morgens 5:30 Uhr kamen wir mit der Probemeisterin zu Bibellese, Stille und Gebet zusammen. Um 6:00 Uhr begann der Dienst auf den Stationen. Um 8:00 Uhr fanden sich alle Schwestern zur Morgenandacht in der Kirche ein. Natürlich wurden alle Mahlzeiten mit einem Tischgebet begonnen. Unsere Schülerinnen erzählten zu Hause: „Im Mutterhaus ist immerzu Gottesdienst“, weil sie das Tischgebet nicht mehr kannten. Die Abende wurden genutzt, dass uns die Oberin gute Literatur nahe brachte. Es wurde viel gesungen. Wir lernten die großen Komponisten, zum Beispiel Heinrich Schütz, Hermann Schein und Samuel Scheidt kennen. Damit die Nacht nicht zu kurz wurde, war das Abendgebet so früh, dass wir um 22:00 Uhr im Bett sein konnten.

Rogate-Frage: In der DDR haben Sie als Diakonisse große Herausforderungen gemeistert, unter anderem sorgten Sie mit Ihren Mitschwestern für den Aufbau des Krankenhauses in Kloster Lehnin. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Schwester Ruth: Materiell gesehen war unsere größte und schönste Erfahrung die, dass wir ein großes neues Wohnhaus für die Schwestern bauen durften. Und das in tiefster DDR-Zeit von 1974 bis 1976. Wie Gott die Genehmigung für den Bau zuließ, kommt einem Wunder gleich und war die Erhörung unserer Gebete, vor allem des Gebetes einer alten Diakonisse, die nicht aufhörte, treu und demütig darum zu bitten, auch dann nicht, als wir jüngeren es schon aufgegeben hatten.

Rogate-Frage: Welche Erfahrung war in Ihrem bisherigen Leben als Diakonisse war die bislang schönste?

Schwester Ruth: Meine persönlich schönste Erfahrung als Diakonisse war es, von Gott angerührt zu werden bei der Berufung, in dem Jahr nach meines Vaters Tod, als ich in einer Retrait tiefen Trost empfangen durfte und als ich gerufen wurde, die Hospizarbeit aufzubauen.

Rogate: Vielen Dank, Schwester Ruth! Mehr über das Kloster Lehnin in Brandenburg finden Sie hier. Vor Ort hat die Landeskirche die Spiritualitätsarbeit mit Pfarrerin Andrea Richter angesiedelt. Die Angebote finden Sie hier. Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de _________________________________________________ Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg, Lageplan:

  • Andachten auf dem Neuen Zwölf-Apostel-KirchhofDen Monatsplan Dezember finden Sie hier. Den Monatsplan Januar finden Sie hier.
  • Zum letzten Mal: Sonnabend, 13. Dezember 2014 | 12:00 Uhr, Mittagsgebet und Andacht für Trauernde, Neuer-Zwölf-Apostel-Kirchhof, Werdauer Weg 5, S Schöneberg.
  • Dienstag, 16. Dezember 2014 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Donnerstag, 18. Dezember 2014 | 19:30 Uhr, Adventsandacht, Zwölf-Apostel-Kirche. Einladung LichtvesperOrgel: Malte Mevissen.
  • Dienstag, 23. Dezember 2014 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 27. Dezember 2014 | 18:00 Uhr, Lichtvesper, Kapelle Zwölf-Apostel-Kirche (mit der Alt-katholischen Gemeinde)

Zwischen dem 27. Dezember und dem 13. Januar 2015 halten wir eine gottesdienstliche Winterpause.

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