Fünf Fragen an: Andreas Düllick, Chefredakteur des Strassenfegers

Fünf Andreas Düllick, Chefredakteur “strassenfeger“Freitagsfragen an Andreas Düllick, Chefredakteur „strassenfeger„, über die Produktion einer Obdachlosenzeitung, die Reaktion auf bettelnde Menschen und den Sinn eines sozialen Engagements.

Andreas Düllick stammt aus Mecklenburg, studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Koreanistik und engagiert sich für obdachlose, wohnungslose und arme Menschen. Der „strassenfeger“ ist ein Projekt von mob e.V.

Rogate-Frage: Herr Düllick, Sie arbeiten als Chefredakteur des Strassenfeger eng mit obdachlosen Menschen zusammen. Seit wann sind Sie in dem Bereich tätig und was hat sich für Sie durch die vielen Begegnungen verändert?

Andreas Düllick: Ich arbeite seit 2005 beim Strassenfeger. Ich habe durch meine Arbeit viele obdachlose und arme Menschen hautnah kennengelernt. Das hat meine Sichtweise auf unsere Gesellschaft nachhaltig verändert. Ich schaue genauer hin, ich engagiere mich viel mehr als früher für die Menschen ganz unten.

Rogate-Frage: Wie arbeitet der Strassenfeger? Wie kommen Themen ins Heft und worauf achten Sie dabei besonders?

Andreas Düllick: Der Strassenfeger arbeitet sowohl basisdemokratisch als auch nach dem Chefredakteursprinzip. Das heißt, es gibt eine wöchentliche Redaktionssitzung der ehrenamtlich tätigen freien Autoren, während der die Titelthemen und einzelnen Artikel besprochen werden. Dann recherchieren, fotografieren und schreiben die Autoren ihre Artikel und geben sie in der Redaktion ab. In der festen Redaktionsgruppe werden die ausgewählten Artikel redigiert, die passenden Fotos bearbeitet. Dann wird die Ausgabe layoutet und elektronisch an die Druckerei gesendet. Die Themenauswahl orientiert sich an der Vereinssatzung des Herausgeberverein „mob – obdachlose machen mobil e.V.“: Im Vordergrund stehen die Verkäufer_innen. Wir bieten mit der sozialen Straßenzeitung Strassenfeger Hilfe zur Selbsthilfe an. Das bedeutet: Das Magazin muss eine hohen Mehrwert für den potenziellen Käufer haben, damit der Verkauf für die Verkäufer_innen so einfach wie möglich ist. Es gibt deshalb immer ein attraktives Titelthema und dazu die festen Rubriken, insbesondere werden soziale Themen behandelt.

Rogate-Frage: Wir kennen in Berlin die Situation: Man sitzt in einem Straßencafé und ein bettelnder Mensch kommt und fragt nach Geld. Wie richtig reagieren?

Andreas Düllick: Die Fragestellung ist falsch! Kommt er mit einer sozialen Straßenzeitung und bettelt oder ohne? Bietet er eine Straßenzeitung an, dann bitte die Zeitung kaufen und lesen. Bettelt der Mensch nur, muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er sich dazu verhält.

Rogate-Frage: Manche Verkäufer von Obdachlosenzeitungen steigen in die U-Bahn, halten eine einzelne Zeitung hoch und fragen gleich nach Spenden. Die Konzeption der Obdachlosenzeitungen ist eigentlich eine andere, oder?

Andreas Düllick: Der Verein mob e.V. und der Strassenfeger haben niemanden – auch keine Verkäufer_innen – autorisiert, für sie Spenden zu sammeln. Das machen wir ausschließlich selbst. Wenn Verkäufer_innen das machen, versuchen sie uns und die Bürger zu betrügen.

Rogate-Frage: Wie kann ein einzelner Bürger in Berlin Menschen helfen, die auf der Straße leben und Hilfe brauchen?

Andreas Düllick: Indem er sich sozial engagiert. Dazu gibt es in unserer Gesellschaft verschiedene Möglichkeiten, welche zu jemandem am besten paßt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und: Selbstverständlich soziale Straßenzeitungen wie den Strassenfeger kaufen und lesen!

Rogate: Vielen Dank, Herr Düllick, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: strassenfeger.org

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 17. Februar 15 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle der Kirche, anschließend Rogate-Bibelgespräch
  • Donnerstag, 19. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Komplet in der Kapelle der Kirche mit Austeilung des Aschekreuzes zu Beginn der Passionszeit.
  • Dienstag, 24. Februar 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle der Kirche.
  • Donnerstag, 26. Februar 2015 | 20:30 Uhr, Passionsandacht in der Kapelle der Kirche.
  • Sonnabend, 28. Februar 2015 | 18:00 Uhr, ökumenische Vesper in der Kapelle der Kirche, mit der Alt-katholischen Gemeinde
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