Fünf Fragen an: Andrea Richter, Landespfarrerin für Spiritualität, Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schl. Oberlausitz

Fünf Freitagsfragen an Andrea Richter, Landespfarrerin für Spiritualität der EKBO, über eigene Frömmigkeit, Vertiefungswege zu Gott und große Weite in der geistlichen Begleitung.

Pfarrerin Andrea Richter

Andrea Richter, Jahrgang 1959, studierte Schulmusik an der Hochschule der Künste (HdK) Berlin, anschließend folgte das Theologiestudium an der Kirchlichen Hochschule und Predigerseminar in Berlin. Sie leistete ein Pfarrvikariat an der „Deutschen Gemeinde zu Jerusalem“, später 16 Jahre Pfarrdienst  in Frohnau und Konradshöhe-Tegelort.
Theologisch engagiert sie sich im „Jüdisch-christlichen Dialog“ und ist Sprecherin der „AG Judentum und Christentum in der EKBO“. Seit dem 1. April 2012 ist sie Beauftragte für Spiritualität in der EKBO.

Rogate-Frage: Frau Pfarrerin Richter, Sie sind Landespfarrerin für Spiritualität. Müsste nicht eigentlich jede Pfarrerin und jeder Pfarrer in dieser Frage spezialisiert und auch vermittelnd tätig sein?

Andrea Richter: Hoffentlich ist es genau so, wie Sie sagen, dass jede Pfarrperson ihre eigene Spiritualität lebt und auch auskunftsfähig ist. Aber natürlich kennt jeder erwachsene Mensch auch all die Fallstricke des Alltages, die uns daran hindern, still zu werden, uns auf Gott zu besinnen, die Bibel zu lesen und überhaupt achtsam mit Gott zu leben. Glücklicherweise wird es vielen aber auch bewusst, dass sie zu sehr an der Oberfläche des Alltagsgeschäftes und der kirchlichen „Verrichtungen“ leben und sie über längere Zeit die Sehnsucht nach Gott nicht mehr gespürt haben. Oft ist es so, dass Menschen sich dessen in der „Lebensmitte“ bewusst werden und nach neuer Vertiefung und Gottesbeziehung suchen. Über diese eigenen Prozesse zu sprechen und andere auf die Vertiefungswege mitzunehmen – das ist meines Erachtens ein ungemeiner Zuwachs an „spiritueller Kompetenz“ für uns Pfarrerinnen und Pfarrer.

Rogate-Frage: Was ist christliche Spiritualität?

Andrea Richter: Im Grunde ist sie etwas ganz und gar Ein-faches: Spiritualität (Frömmigkeit) ist die Weise, mit der ich mit Gott, an den ich glaube, auch lebe – und zwar im Hier & Jetzt. Es gibt die schöne Unterscheidung zwischen dem „Credo“ = Ich glaube an… und dem „Cor-do“ = Ich gebe mein Herz. Christliche Spiritualität sucht nach Traditionen und Wegen der Lebens- und Liebesbeziehung zu Gott.

Rogate-Frage: Welche Angebote macht die Landeskirche für Menschen, die Spiritualität suchen und sich in ihr üben wollen?

Andrea Richter: Da sind zum Einen die unterschiedlichen Angebote von Oasentage, Glaubenskursen und Meditationsangeboten in den einzelnen Kirchengemeinden.
Eine meiner zentralen Aufgaben als landeskirchliche Beauftragte ist der Aufbau und die Begleitung eines geistlichen Angebotes im „Zentrum Kloster Lehnin“.
Die ehemalige Zisterzienserabtei ist ein wunderbarer Ort für Rückzug – Stille – Gebet und geistliches Lernen. Zu meinen Angeboten gehören Einkehrzeiten und Exerzitien ebenso wie die Fortbildungen „Spiritualität Bilden“, die für Haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeitende konzipiert sind.

Im nächsten Jahr beginnt eine weitere Langzeitfortbildung unter der Überschrift: „Exerzitien leiten und geistlich Begleiten“; eine ökumenische Ausbildung mit dem Karmel St. Teresa in Birkenwerder und Pater Reinhard Körner OCD. Das ist ein besonderes Highlight für unsere Landeskirche!

Rogate-Frage: Was ist Geistliche Begleitung und worin unterscheidet sie sich von der Seelsorge?

Andrea Richter: Bei der Beantwortung dieser Frage helfen mir zwei Formulierungen: Geistliche Begleitung ist „Seelsorge in kontemplativer Haltung“ – und sie ist „Wegbegleitung beim Lebensgespräch mit Gott“.  So merkt man schnell, dass das eine komplexe Frage ist. Die landeskirchliche Ausbildung in ‚Geistlicher Begleitung‘  soll Menschen dazu befähigen, andere in ihrem Wunsch nach Vertiefung ihrer Gottesbeziehung zu begleiten. Im Fokus der ‚Geistlichen Begleitung‘ steht das Lebensgespräch zwischen Gott und Mensch. Menschen werden dabei begleitet, ihr Leben im Licht des christlichen Glaubens zu bedenken und die eigene Lebenssituation glaubend zu erschließen. Der Begleiter oder die Begleiterin übernimmt den Dienst, dieses Gespräch zu unterstützen und zu fördern, aber auch auf Erkenntnisse und Irrwege aufmerksam zu machen.

Rogate-Frage: Was muss jemand mitbringen, die oder der geistlich begleitend tätig ist?

Andrea Richter: „Mitbringen“ – das hört sich so an, als hätte müsste man einen gepackten Koffer bei sich tragen…. Und auch die Frage nach dem „Müssen“ – da würde ich andere Schwerpunkte setzen: In aller Regel haben Menschen, die von anderen als geistliche Begleiter angefragt werden – und darauf kommt es eigentlich an! – eine große theologische Weite, eine spirituelle Offenheit, eine innere Gelassenheit, gesunde Selbsteinschätzung, Menschenkenntnis und vor allem viel Gottvertrauen!

Rogate: Vielen Dank, Frau Pfarrerin Richter, für das Gespräch!

Weitere Informationen über Landespfarrerin Andrea Richter finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 14. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch
  • Donnerstag, 16. April 15 | 20:30 Uhr, Fürbitt-Andacht, in der Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 21. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, anschließend Mitgliederversammlung des Trägervereins
  • Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink.

    Donnerstag, 23. April 15 | 20:30 Uhr, Komplet, das Nachtgebet, Zwölf-Apostel-Kirche

  • Dienstag, 28. April 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch
  • Donnerstag, 30. April 15 | 20:30 Uhr, Meditative Andacht, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 5. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 7. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht mit Gedenken des Kriegsendes vor 70. Jahren und der Befreiung Deutschlands. Ansprache: Militärbischof Dr. Sigurd Rink. Orgel: Malte Mevissen.
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