Fünf Fragen an: Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, Zukunftswissenschaftler

Prof. Dr. Horst W. Opaschowski (Bild: privat)

Fünf Freitagsfragen an Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, Zukunftswissenschaftler, über die kommende Rolle der Spiritualität, die Angst der Bundesbürger vor dem Islam und die Kirche als Spaßverderber.

Prof. Opaschowski promovierte 1968 an der Universität Köln zum Dr. phil. Von 1975 bis 2006 hatte er eine Professur für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg inne. Bis 2010 war er zudem Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. Seit 2011 ist der Zukunftsforscher insbesondere als Berater für Wirtschaft und Politik tätig.

Rogate-Frage: Herr Prof. Opaschowski, welche Rollen werden in der Zukunft Religion und Spiritualität in Deutschland haben?

Horst W. Opaschowski: Um sich nicht in der künftigen Non-Stopp- und Multi-Optionsgesellschaft zu verlieren, brauchen die Menschen Leitplanken und Orientierungspunkte. So gesehen stehen wir erst am Anfang einer neuen Sinn- und Wertedebatte, in der Religion und Spiritualität eine zentrale Bedeutung zukommt. Die Schlüsselfrage lautet aber weniger: Welche Kirche bietet mir mehr Religion? Sondern: Was hat mehr Sinn? Aus Gottesgläubigen können Sinnsucher im Nahmilieu von Familie und Freundeskreis werden. Religiosität bleibt als positives Lebensgefühl dem Alltag erhalten – in veränderter Form: Als Spiritualität und Lebensphilosophie und konkret als soziale Geborgenheit durch Familien-, Gemein- und Bürgersinn.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung bleibt den Kirchen und christlichen Konfessionen?

Horst W. Opaschowski: Auf die Frage, was den Menschen „im Leben heilig“ ist, wird zuerst die Familie und zuletzt die Kirche genannt. Die Kirche hat unter der Massenflucht aus den Institutionen zu leiden – wie die Parteien, Gewerkschaften und Verbände auch. Größe und Anonymität dieser Organisationen wirken sich nachteilig auf Motivation und Interesse, Aktivität und Engagement aus, während kleine Gruppierungen in Familie und Nachbarschaft sowie Kleinstvereinen nicht über mangelnde Teilnahme und Intensität zu klagen brauchen.

Rogate-Frage: Innerkirchlich wird viel über Weichenstellungen für künftige Entwicklungen nachgedacht. Was würden Sie den Kirchen raten?

Horst W. Opaschowski: Die Menschen im 21. Jahrhundert wollen nicht mehr vereinnahmt oder einverleibt werden und sich auch nicht lebenslang binden müssen. Der spontane Charakter muss erhalten bleiben. Und: Engagement braucht Anerkennung – vom Ansehensgewinn bis zur Auszeichnung. Pflicht und Spaß müssen keine Gegensätze sein. Vor allem Jugendliche wollen etwas tun, was Sinn und Ernstcharakter hat und Spaß macht. Nicht selten tritt hingegen die Kirche als Spaßverderber auf.

Rogate-Frage: Wird der Islam Deutschland verändern? Wenn ja, wie?

Horst W. Opaschowski: Nicht die Kluft zwischen Arm und Reich oder die Interessen-Gegensätze zwischen Jung und Alt machen den Menschen Angst. Am meisten fürchten die Bundesbürger „sehr starke Konflikte“ zwischen Christen und Muslimen in naher Zukunft – mit wachsender Tendenz. Die Angst ist groß, dass sich ein Klima der Intoleranz ausbreitet, in dem Andersgläubige als Ungläubige gebrandmarkt werden. Die Sorge der Bundesbürger wächst, dass es durch den Islam zur Überfremdung von Kultur und Religion im eigenen Land kommt.

Rogate-Frage: Wir hörten in diesem Jahr viel über „Pegida“, über Übergriffe auf religiöse Minderheiten und Flüchtlinge. Wird in der Zukunft die Gesellschaft mehr in Extreme auseinander fallen oder glauben Sie mehr an einen gesellschaftlichen Konsens?

Horst W. Opaschowski: Die Zukunft gehört einem Zeitalter der Extreme – vom Extremsport über extreme Wetterverhältnisse bis zu extremistischen politischen Bewegungen. Extreme wie weltweite Krisen gehören auch zur neuen Normalität. In satten Wohlstandszeiten drifteten die Menschen auseinander. In Zukunft werden sie wieder zusammenrücken müssen. Eine Zusammenhaltsgesellschaft zeichnet sich in Konturen für die nächsten zwanzig Jahre ab.

Rogate: Vielen Dank, Herr Professor Opaschowski, für das Gespräch!

Weitere Informationen über Prof. Horst W. Opaschowski finden Sie hier: opaschowski.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Sonntag, 10. Mai 15 | 10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate, Thema des Gottesdienstes “Spiritualität in der Pflege“, Predigt: Pastorin Dr. Astrid Giebel, Diakonie Deutschland. Anschließend Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Berlin.

    Sonntag, 10. Mai 15 | 10:00 Uhr, Eucharistie am Sonntag Rogate, Thema des Gottesdienstes “Spiritualität in der Pflege“, Predigt: Pastorin Dr. Astrid Giebel, Diakonie Deutschland. Anschließend Eröffnung der Fotoausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ des Paritätischen Berlin in den Seitenschiffen der Kirche. Sie läuft bis zum 2. Juni 2015. Öffnungszeiten: Offene Kirche, Sonnabends, 11:00 bis 15.00 Uhr und vor und nach den Gottesdiensten.

  • Dienstag, 12. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, danach Bibelgespräch
  • Himmelfahrt, Donnerstag, 14. Mai 15 | 20:30 Uhr, EUCHARISTIE AN HIMMELFAHRT, Abendmahlsgottesdienst, Zwölf-Apostel-Kirche. Organist: Manuel Rösler.
  • Dienstag, 19. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche,
  • Donnerstag, 21. Mai 15 | 18:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins
  • Unseren Mai-Plan finden Sie hier.
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