Fünf Fragen an: Henning Scherf, Präsident a.D. des Senats der Freien Hansestadt Bremen

Fünf Freitagsfragen an Henning Scherf, Präsident a.D. des Senats der Freien Hansestadt Bremen, über Kirche als geschichtlich wirksamen Versuch, christliche Symbole in der Öffentlichkeit und das tägliche Tun als Gottesdienst.

Bürgermeister a.D. Dr. Henning Scherf (Bild: Senatspressestelle Bremen, Anja Raschdorf)

Dr. jur. Henning Scherf stammt aus Bremen und wuchs mit fünf Geschwistern in der Bekennenden Kirche auf. Er studierte Jura und Sozialwissenschaften in Freiburg/Breisgau, Berlin und Hamburg. Er engagiert sich als Kriegsdienstverweigerer in der Friedensbewegung und in Nicaragua. Von 1995 bis 2005 war er Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen. Seit 2005 ist er unter anderem Präsident des Deutschen Chorverbands.

Rogate-Frage: Herr Bürgermeister a.D. Dr. Scherf, Sie sind evangelischer Christ. Welche Bedeutung hat Gott und der Glaube an Ihn für Sie?

Henning Scherf: Ich bin mit dem Glauben an Gott aufgewachsen. Zuerst wollte ich Missionar und dann Pastor werden.

Schon in der Schule habe ich mich auf die Breite unserer Gesellschaft eingelassen. Im Studium und meiner Arbeit (workcamps) habe ich viele Nichtgläubige getroffen. Seitdem weiß ich, dass ich auf einem christlichen Fundament stehe, aber niemanden überreden möchte, der eine andere Überzeugung hat.

Rogate-Frage: Sie engagierten sich in verschiedenen kirchlichen Ämtern. Wie definieren Sie Kirche und welche Stärken und Schwächen nehmen Sie an und in ihr wahr?

Henning Scherf: Kirche ist kein Selbstzweck, sondern ein geschichtlich wirksamer Versuch, Menschen in ihrem Glauben und ihrer Fürsorge für andere zu versammeln und zu stützen. Große Mühe bereitet mir Kirche immer dann, wenn sie Machtpolitik betreibt.

Rogate-Frage: Ihr Parteifreund Martin Schulz hat kurz vor der Europawahl gesagt, dass Religion Privatsache sei. Er hat in seiner Äußerung sich insbesondere ablehnend zu christlichen Symbolen in öffentlichen Räumen geäußert. Teilen Sie seine Meinung?

Henning Scherf: Ich möchte gerne, dass Menschen ihre Überzeugungen ohne Diskriminierung öffentlich kundtun können. Dazu gehören auch Symbole, Gebäude, Kleider et cetera.

Rogate-Frage: Sind Sie als politischer Christ in Konflikte zwischen christlichem Anspruch und gesellschaftlichen Erwartungen geraten? Wenn ja, wie haben Sie diese lösen können?

Henning Scherf: Diese Konflikte begleiten mich mein ganzes Leben. Jesus hat für Arme und Ausgestoßene gelebt. Wir sind ständig bemüht, unsere Privilegien zu verteidigen. Mit christlicher Begründung habe ich den Wehrdienst verweigert und weiß dennoch, dass es immer wieder Gewalt in der Welt gibt, die mit Autorität, auch mit bewaffneter Autorität, in Schach gehalten werden muss. Diesen täglichen Spagat erlebe ich als typisch: Wir brauchen ethische Vorgaben, um nicht zynisch zu werden.

Rogate-Frage: Sie sind vielfältig engagiert. Welchen Raum nimmt Ihre eigene Frömmigkeit ein und das Gebet ein? Wie gestalten und leben Sie Ihre Spiritualität?

Henning Scherf: Ich habe von der Herrnhuter Brüdergemeine gelernt, dass das tägliche Tun der Gottesdienst ist. Sich um andere kümmern, erhält mich am leben.

Rogate: Vielen Dank, Herr Scherf, für das Gespräch!

Mehr von Henning Scherf finden Sie hier: rathaus.bremen.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 19. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche,
  • Donnerstag, 21. Mai 15 | 18:30 Uhr, Mitgliederversammlung des Fördervereins
  • Donnerstag, 21. Mai 15 | 20:30 Uhr, Fürbitt-Andacht, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Dienstag, 26. Mai 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 28. Mai 15 | 19:00 Uhr, Rundgang Ausstellung „Gepflegt in der Gegenwart“ mit MdB Mechthild Rawert, Gespräch zu den Herausforderungen und Bedingungen der ambulanten Pflege heute, anschließend Andacht:
  • Donnerstag, 28. Mai 15 | 20:30 Uhr, Andacht, Zwölf-Apostel-Kirche
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