Fünf Fragen an: Volker Beck, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen

Fünf Freitagsfragen an Volker Beck, Innen- und religionspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, über die Religionsfreiheit aller, über  Kirchenvertreter als Moralapostel und Angriffe von rechts.

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Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages (Bild: Angelika Kohlmeier)

Volker Beck ist seit 1994 Kölner Bundestagsabgeordneter. Als Parlamentarier hat Volker Beck für eine Reihe von wichtigen gesellschaftlichen Modernisierungsprojekten gekämpft, so z.B. für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, ein Informationsfreiheitsgesetz und ein modernes Zuwanderungsrecht. Auch eine angemessene Erinnerungskultur und Wiedergutmachung von geschehenem Unrecht ist ihm wichtig: Deshalb setzt er sich seit Jahren für die Entschädigung für alle Opfer des Nationalsozialismus und für ein würdiges Gedenken ein. Als Menschenrechtspolitiker tritt er für die universale Geltung der Menschenrechte ein. Sie ist für ihn die Voraussetzung, um frei und in Würde zu leben. Ob es dabei um verbotene Demonstrationen in Moskau geht, die Religions- und Glaubensfreiheit in Deutschland, Europa und der Welt und den Schutz von Menschenrechtsverteidigern weltweit. Menschenrechtspolitik hat die Rechte von Oppositionellen, Frauen, Kindern, ethnischen, kulturellen und religiösen Minderheiten sowie Homosexuellen gleichermaßen im Blick. Sie ist nicht selektiv.

Rogate-Frage: Herr Beck, Sie sind der religionspolitische Sprecher Ihrer Fraktion. Was gehört damit zu Ihren Aufgaben? Womit beschäftigen Sie sich?

Volker Beck: Wenn der Sinn von Politik Freiheit ist, wie Hannah Arendt sagt, dann ist der Sinn von Religionspolitik Religionsfreiheit. Deshalb geht es darum der Religionsfreiheit aller, der Gläubigen verschiedener Religionen und Bekenntnisse wie der Religionsfreien, Geltung zu verschaffen. Mein Kompass für die Religionspolitik gründet auf Respekt, weltanschauliche Neutralität des Staates und die drei Dimensionen der Glaubensfreiheit: individuelle, kollektive und negative. Andere Parteien haben Kirchenbeauftragte, bei den Grünen heißt diese Funktion religionspolitischer Sprecher, denn wir wollen die Kirche, die Synagoge, die Moschee und den Tempel im Dorf lassen.

Rogate-Frage: Sie kritisieren in Pressemitteilungen häufig die Kirchen. Was beklagen Sie?

Volker Beck: Ich kritisiere Kirchen wie muslimische Institutionen in erster Linie da, wo sie sich anschicken, dem Gesetzgeber zu empfehlen, im weltanschaulich neutralen Staat ihre religiös-begründeten Maximen meist im Familien- oder Strafrecht zur Grundlage für alle zu machen. Gesetzgebung kann nur auf der Grundlage der Menschenrechte und der Prinzipien der Verfassung, nicht aber auf den religiösen Überzeugungen einer Gruppe, sei sie groß oder klein, gegründet werden. Sonst beschränkt sie Grundrechte der anders Glaubenden. Aber selbstverständlich dürfen und sollen sich die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften an der gesellschaftlichen Debatte um Werte und die richtige Politik beteiligen. Sie sollten jedoch dann versuchen, ihre Überzeugungen für die allgemeine Debatte ins Nicht-Religiöse zu übersetzen. Auch wenn diese Überzeugungen tiefer gründen. Als Christ kann ich mich allerdings auch manchmal echauffieren, wenn mancher christliche Würdenträger oder selbsternannter Moralapostel da steht, wie in Jesu Gleichnis der Frömmler im Tempel: „O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen der Menschen.

Rogate-Frage: Was hat Sie selbst in die Politik getrieben? Was motiviert Sie, politisch tätig zu sein?

Volker Beck: Angefangen habe ich mit dem politischen Engagement in der Friedensbewegung. Die atomare Rüstungsspirale der beiden Militärblöcke schien mir damals, die Existenz der Menschheit zu bedrohen. Dieser Logik wollten wir als Friedensbewegung von unten etwas entgegensetzen. Als ich zu den Grünen ging trieb mich besonders das Thema Gerechtigkeit und die Rechte sozialer Minderheiten, aber auch Tschernobyl und in Zeiten des Volkszählungsboykotts die Verteidigung der Freiheit, das informationelle Selbstbestimmungsrecht, gegen die staatliche Datensammelwut an. In den letzten drei Jahrzehnten haben wir dieses Land und auch die Welt ziemlich verändert und die Welt auch uns. Respekt vor Verschiedenheit statt Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass, Verteidigung der demokratischen Selbstverständlichkeiten gegen die Angriffe von rechts außen, werden für mich in den letzten Jahren immer wichtiger. Diese Angriffe von rechts sind Angriffe auf mein Menschenbild. Das läßt mich nicht ruhen und treibt mich immer wieder von neuen an für Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz für alle Menschen einzutreten.

Rogate-Frage: Wie ist Ihr Verhältnis zu Gott, zum Gottesdienstbesuch und zum Gebet?

Volker Beck: Vor demonstrativen, öffentlichen Bekenntnissen scheue ich immer zurück. „Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließe die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen“, heißt es bei Matthäus. So halte ich es auch, was den Kirchenbesuch am Sonntag nicht ausschließt. Als Glaubender bin ich da auf dem Weg. Meinen Beitrag für das Buch „Woran glaubst Du?“ finden Sie in meinem Blog.

Rogate-Frage: Was ist für Sie „Kirche“? Zählen Sie sich dazu oder ist sie Ihnen eher fremd?

Volker Beck: Kirche ist für mich die Gemeinschaft der Gläubigen in der Nachfolge Jesu. Ich bin aktuell nicht eingeschriebenes Kirchenmitglied. Aber wenn man nicht einen religionsrechtlichen, sondern einen geistigen Begriff von Kirche zugrunde legt, möchte ich mich schon dazu rechnen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Beck, für das Gespräch! Mehr Infos finden Sie hier: volkerbeck.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de _________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 2. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 4. Juni 15 | 20:30 Uhr, EUCHARISTIE, Konventamt
  • Dienstag, 9. Juni 15 | 19:00 Uhr , VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 11. Juni 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 16. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 18. Juni 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Freitag, 19. Juni 15 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst des 23. lesbisch-schwulen Stadtfestes des Regenbogenfonds e.V., Predigt: Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg. Mit dem Friedenauer Posaunenchor,  Bezirksbürgermeisterin Angelika SchöttlerDekan Ulf-Martin Schmidt und Vikarin Anna Trapp. Orgel: Malte Mevissen.
  • Sonnabend & Sonntag, 20. und 21. Juni 15, Teilnahme mit einem Info-Stand auf dem “23. Stadtfest des Regenbogenfonds“, Schöneberg
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