Fünf Fragen zum an: Christian Herwartz, Jesuiten-Pater im Erzbistum Berlin

Christian Herwartz (Bild: privat)Fünf Freitagsfragen an Christian Herwartz SJ, Arbeiterpriester und Bruder, über seine Ordenswahl, die Freude an Straßenexerzitien und warum er gegen den Staat eine Klage vor Gericht angestrengt hat.
Christian Herwartz wurde 1943 in Stralsund als erster von sechs Söhnen geboren. Die Familie zog häufig um, so dass er Schulen in Hildesheim, Kassel, Brühl, Köln, Kiel und Neus besuchte. In Kiel hat er auf der Werft ein zweijähriges Maschinenbaupraktikum absolviert und war Bundeswehr-Angehöriger. Mit 25 Jahren trat er in das Noviziat der Jesuiten ein und hat Philosophie und Theologie in München und Frankfurt/M. studiert, danach war er als Arbeiter in Toulouse, Straßburg und Paris beschäftigt. 1978 kam Herwartz nach Berlin, hat eine Arbeit als Dreher aufgenommen und die Kommunität in Kreuzberg gegründet. Im Jahr 2000 wurde seine Abteilung abgewickelt und er arbeitslos. Im selben Jahr begannen seine bekannten Kurse, Exerzitien auf der Straße und viele andere Aktivitäten.

Rogate-Frage: Pater Herwartz, warum sind Sie Priester geworden und in einen Orden eingetreten?

Christian Herwartz: Die Entscheidung fiel nach und nach. Ich wollte mit anderen zusammen in die Mission. Ich suchte eine Gemeinschaft, mit der ich einen solchen Schritt wagen kann. Ich trat bei den Jesuiten ein und landete bei den Arbeiterpriestern in Frankreich. Nach diesem Ausbildungsschritt kam ich nach Berlin. Weitere Hinweise auf meine Aktivitäten hier unter Nacktesohlen.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die Jesuiten als Gemeinschaft entschieden?

Christian Herwartz: Die Beweglichkeit war das ausschlaggebende Argument. Die konkrete Spiritualität des Pilgerns entdeckte ich später und freute mich darüber.

Rogate-Frage: Es heißt, dass die Spiritualität der Orden und Klöster in die Kirche insgesamt hinein wirkt. Wie?

Christian Herwartz: In den Gemeinden gibt es eine Vielzahl von Spiritualitäten. Die einzelnen Richtungen vertiefen sich in den Gemeinschaften, die eine Spiritualität intensiver zu leben versuchen. Hier kann eher eine ansteckende Praxis und schriftlich festgehaltene Reflexionen entstehen.

Rogate-Frage: Sie bieten seit langem Exerzitien auf der Straße an. Was passiert da und welche Erfahrungen können Teilnehmende machen?

Christian Herwartz: Wie entdecke ich dem auferstandenen Christus, da wo er auf mich heute wartet? Das ist die zentrale Frage für Christen bei diesen Übungen (Exerzitien). Das geschieht an zufällig aufgesuchten Orten, in sich selbst oder in liebenden Beziehungen. „Wie kann ich für diese Begegnung offen werden?“ ist die zentrale Frage. Auch Atheisten und Menschen anderer Religionen werden in diesen Zeiten fündig. Das ist eine Freude zu sehen.
Weitere Informationen finden sich unter: Strassenexerzitien.de

Rogate-Frage: Sie sind zudem engagiert für Flüchtlinge. Warum klagen Sie in einem Prozess gegen den Staat?

Christian Herwartz: Seit über 20 Jahren gehöre ich zu der Gruppe „Ordensleute gegen Ausgrenzung“ und organisiere Mahnwachen vor der Abschiebehaft in Berlin-Köpenick. 2012 wurde ein neues kleines Gefängnis auf dem Flughafen Schönefeld eröffnet. Wir wollten auch dort hinsehen und eine Mahnwache im Rahmen der Interkulturellen Woche durchführen, die von den Kirchen organisiert wird. Das wurde uns von der Flughafengesellschaft verboten, obwohl das Gelände sonst ohne Umstand zu betreten ist. Ich habe gegen dieses Verbot prozessiert. Die Entscheidung liegt nach einigen Verhandlungen nun beim Bundesgericht. Näheres findet sich unter Flughafenverfahren.

Rogate: Vielen Dank, Pater Herwartz, für das Gespräch!

Mehr von Christian Herwartz finden Sie hier: Nacktesohlen.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 16. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 18. Juni 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Einladung zum Stadtfest-Gottesdienst

    Freitag, 19. Juni 15 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst des 23. lesbisch-schwulen Stadtfestes des Regenbogenfonds e.V., Predigt: Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg. Mit dem Friedenauer Posaunenchor,  Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler,  Jörg Steinert (LSVD Berlin-Brandenburg), Dekan Ulf-Martin Schmidt und Vikarin Anna Trapp. Orgel: Malte Mevissen.

  • Unsere Sommerreihe 2015: Der Mond ist aufgegangen.

    Sonnabend & Sonntag, 20. und 21. Juni 15, Teilnahme mit einem Info-Stand auf dem “23. Stadtfest des Regenbogenfonds“, Schöneberg

  • Dienstag, 23. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • St. Johannistag, Mittwoch, 24. Juni | 18:00 Uhr, Eucharistie, Hauskirche Maria von Magdala, Alt-katholische Gemeinde Berlin, Detmolder Straße 4, 10715 Berlin-Wilmersdorf
  • Dienstag, 30. Juni 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet, Zwölf-Apostel-Kirche
  • Donnerstag, 25. Juni | 20:30 Uhr, Andacht “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung – The Flame Of Hope”, zu „Der Mond ist aufgegangen”. Orgel: Manuel Rösler.
  • Donnerstag, 2. Juli | 20:30 Uhr, Andacht zum Jahr der Orden: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Sr. Michaela Bank, Missionsärztliche Schwestern, zu „Wie ist die Welt so stille“.
  • Donnerstag, 16. Juli | 20:30 Uhr, Andacht: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies zu „Sachen, die wir getrost belachen“.
  • Donnerstag, 23. Juli | 20:30 Uhr, Andacht zum Jahr der Orden: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: P. Karl Hoffmann, Salvatorianer, zu „Wir spinnen Luftgespinste“.
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2 Antworten zu Fünf Fragen zum an: Christian Herwartz, Jesuiten-Pater im Erzbistum Berlin

  1. IWe schreibt:

    Ich lese sehr gerne die „Freitagsfragen“. Vielen Dank für diese Serie.
    Ich möchte noch ergänzen, daß es jeden Samstag von 9.30 bis 12.30 h ein offenes Frühstück in der WG von Christian Herwartz in der Naunynstraße 60 gibt. Jede/r ist willkommen.

    • michael schreibt:

      ich bin ab und zu auch gast in der naunystraße , ich kan gott danken für soviele mutige menschen die sich für schwache einsetzen .

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