Fünf Fragen an: Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg

Fünf Freitagsfragen an Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent des Kirchenkreises Schöneberg, über den heutigen Eröffnungsgottesdienst zum 23. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin, das Leben in der Kiez-Gemeinde und wie die Kirche Stellung beziehen sollte.

Pfr. Burkhard Bornemann (Bild: Rogate-Kloster)Burkhard Bornemann ist seit 20 Jahren evangelischer Pfarrer in Berlin, kam vor knapp zwei Jahren aus dem nördlichen Stadtrand mitten in die Mitte der City an die Zwölf- Apostel-Gemeinde an der Kurfürstenstraße, die gastgebende Gemeinde des Rogate-Klosters und leitet zur Zeit übergangsweise den Kirchenkreis Schöneberg, der zum nächsten Jahr mit Tempelhof fusionieren wird.

Rogate-Frage: Herr Pfarrer Bornemann, warum sind Sie Pfarrer geworden und was schätzen Sie an Ihren Aufgaben als Gemeindepfarrer?

Burkhard Bornemann: Die Idee, Pfarrer zu werden, kam aus meinem Einsatz als Jugendlicher in der Gemeinde. Viele Menschen zusammen, ganz unterschiedliche Begegnungen, Aufgaben – die Feier von Gottesdiensten, die Rolle der Musik, die Beschäftigung mit der Bibel, soziale Aufgaben…. Alles hat mich sehr angesprochen und auf meinen Weg gebracht. Als Gemeindepfarrer kann ich das nun schon so lange leben: Menschen jeden Alters und in ganz verschiedenen Lebenssituationen begleiten – sie auch immer wieder miteinander zusammen bringen, wo sie sich ohne eine Gemeinde wahrscheinlich nicht begegnet wären: auf Festen und bei Veranstaltungen, die von der Gemeinde angeboten werden. Auch Menschen ermutigen, in der Gestaltung von Gemeinde und Gemeinschaft mitzuwirken – sei es verantwortlich in der Gemeindeleitung oder dabei, einen Kreis oder ein Projekt zu übernehmen oder einfach mitzutun.

Rogate-Frage: Die Synode der EKBO will im kommenden Jahr die gottesdienstliche Gleichstellung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren beschließen. Warum ist dieser Beschluss wichtig und welche Folgen hat er?

Burkhard Bornemann: Die gottesdienstliche und damit kirchenrechtliche Gleichstellung der Trauung homosexueller und heterosexueller Paare ist ein wichtiges Zeichen, dass Benachteiligung und damit Ausgrenzung endlich ein Ende haben müssen. Und werden! Bei ihrer eigenen problematischen Geschichte ist die Kirche doch der Ort, wo der Anspruch „Ehe für alle“ im Geist der Annahme eines jeden Menschen und der Akzeptanz verschiedener Sexualität und Lebensformen gelebt werden kann. Mutig voran – das kann und hat ja auch schon politische Überlegungen noch einmal angestoßen und beflügelt. Das hoffe ich sehr.

Rogate-Frage: Sie predigen heute Abend im Eröffnungsgottesdienst zum 23. Stadtfest des Regenbogenfonds. Was wird gefeiert und welche Botschaft wollen Sie vermitteln?

Burkhard Bornemann: Das Motto des 23. Lesbisch-schwulen Stadtfestes rund um den Nollendorfplatz lautet in diesem Jahr: „Gleiche Rechte für Ungleiche“ – diesen Anspruch als Leben und Freude fördernd, dafür steht für mich das bunte, laute und fröhliche, aber an den einzelnen Ständen immer wieder auch nachdenkliche Stadtfest. Die Initiative des Rogate-Klosters, am Vorabend des Stadtfestes einen sehr feierlichen und ebenfalls bunten Gottesdienst zu feiern, das ist nun auch schon eine gute Tradition, die reichlich Menschen einlädt. Den Wunsch und die Hoffnung des Rogate-Klosters: „Willkommen in unseren Gemeinden!“ gerade den Menschen queerer Identität zuzusprechen, möchte ich auch in der Predigt aussprechen. Der Gottesdienst und das Stadtfest, das sind für mich nicht zwei voneinander unterschiedene Anlässe – in beidem wird das Leben, die lebendige Unterschiedlichkeit, das liebevolle Miteinander gefeiert – und durch unseren Gottesdienst noch ein wenig bunter. – Als Pfarrer, also als offizieller Vertreter der Amtskirche zu sprechen, also einer Institution, die sich ja sehr der Ausgrenzung und Verurteilung von LGBTI– Menschen schuldig gemacht hat – und davon leider Gottes zumindest in Teilen immer noch nicht frei ist, das erfordert, so empfinde ich es, immer auch eine erhöhte Sensibilität. Das wird für mich noch einmal ernster, weil ich als (schwuler) Mann in meiner Predigt ein besonderes Augenmerk auf weibliche, auf die lesbische Identität legen möchte. Es ist mir ein Anliegen, auch da die Botschaft des Plakates des Stadtfestes aufzunehmen – und auch aus der Betroffenheit zu sprechen, dass ich gerade in diesem Jahr verschiedentlich auf Unachtsamkeit und bewusstes Verschwindenlassen der lesbischen hinter der schwulen Präsenz gestoßen bin – in den Medien, aber auch Gesprächen. Wir feiern das „Lesbisch-schwule Stadtfest“ , das ist mir dabei noch einmal besonders wichtig geworden.

Rogate-Frage: Im Gemeindegebiet der Zwölf-Apostel-Kirche leben viele LGBTI-Menschen. Welchen Einfluss hat dies auf die Arbeit der Kirchengemeinde?

Burkhard Bornemann: Dass in meiner Gemeinde viele LGBTI – Menschen leben, das war ein wichtiger Grund, mich hier in Zwölf-Apostel zu bewerben. Es ist schön zu erleben, dass sie in den Gottesdiensten, in den verschiedenen Bereichen der Gemeinde – den Chören – den Sozialdiensten ihren Platz haben. Einfach normal und entspannt „da“ sein, selbstbewusst und unverstellt. Das ist schon viel. Ich verstehe, dass manche genau das möchten und nicht eine besondere „Zeugnisfunktion“, eine politische oder andere Verantwortung in der Gemeinde für LGBTI – Rechte übernehmen möchten. Und doch denke ich, dass die Gemeinde an diesem Ort mehr leisten könnte. Wie? Ist mir selber auch nach fast zwei Jahren noch nicht klar. Vielleicht kommen da auch andere auf gute Ideen und sprechen mich an. Eine Vernetzung der verschiedenen Menschen innerhalb der Gemeinde zu diesem wichtigen Menschenrechtsthema – das wünsche ich mir jedenfalls sehr. Ich habe mir fest vorgenommen, wenn ich im nächsten Jahr die Verantwortung im Kirchenkreis in gewählte Hände übergeben kann, dann soll das jedenfalls auch gestaltend mit „mein“ Thema sein.

Rogate-Frage: Viele junge homosexuelle Menschen nehmen sich das Leben. Wie kann die Kirche Teil der Lösung werden und sich davon befreien, Teil des Problems zu sein?

Burkhard Bornemann: Stellung beziehen – Vernetzung aufbauen – als Ort deutlich werden, wo Menschen einfach hingehen können und wissen, hier werde ich gehört, angehört, ernst genommen. Nach den Abendgebeten des Rogate-Klosters, nach den Gottesdiensten – ich kann einfach jemanden ansprechen und muss nicht Angst haben, auf homophobe, menschenverachtende Gedanken zu stoßen, so etwas anhören zu müssen. Das betrifft die einzelne Gemeinde, wie auch unsere Kirche als Ganzes. Vielleicht können auch die Info-Stände der Kirchenkreise und von Rogate dazu beitragen, dass Menschen uns so wahrnehmen. Vertrauen gewinnen. Auch dazu, Kirche mit zu gestalten, weiter zu entwickeln als Ort, als Gemeinschaft, in der bunt und vielfältig gelebt und geliebt wird. Dass es dabei bleibt, so wie Bruder Franziskus geschrieben hat: „Kirche: es gibt etwas zu feiern.“

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Bornemann, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: zwoelf-apostel-berlin.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de _________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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4 Antworten zu Fünf Fragen an: Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg

  1. Horst Weihmann schreibt:

    Sehr geehrter Herr Bornemann,

    lehnen Sie die Homo-Ehe ab.

    Gott der Schöpfer allen Seins wollte uns Ihm ähnlich machen und gab uns die
    Dualität von Mann und Frau.

    Zwei verschiedene Wesen und doch eine Art.
    Genial um auch schöpferisch tätig zu werden, durch die Segnung mit Kindern.

    Erfreue dich deiner Ehe.

    Das ist die ­Schöpfungsordnung der Menschen.

    Kinder können in dieser Gemeinschaft ideal aufwachsen, um dann ihr Leben zu meistern.

    Unsere Kinder sind die Zukunft unseres Landes.

    Deshalb, es gibt keine Homo-Ehe, sie entspricht nicht der Schöpfungsordnung.

    Eine Homo-Ehe ist unnatürlich oder genauer gesagt,weil es eine Homo-Ehe nicht gibt kann man sie auch nicht segnen.

    Eine eingetragene Homo-Partnerschaft ist unnatürlich und kann nicht im Gottesdienst gesegnet werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Horst Weihmann

  2. Horst Weihmann schreibt:

    Sehr geehrter Herr Bornemann,

    Wenn sie in den geoffenbarten Schriften unseres Gottes lesen, wissen sie,
    dass ausgelebte Homosexualität unserem Gott eine schwere Sünde ist.
    Machen sie in ihrem Gottesdienst als evangelisch-christlicher Pfarrer keine Werbung dafür.

    Mit freundlichen Grüßen
    Horst Weihmann

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