Fünf Fragen an: Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD und Landesbischof Bayerns

Fünf Freitagsfragen an Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, über das Christusfest 2017, den Blick auf das Verbindende zwischen den Kirchen und ein Leben in Freiheit ohne Angst vor Autoritäten.

Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD (Foto: Kolja Warnecke)

Heinrich Bedford-Strohm war von 2004 bis 2011 Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie und Theologische Gegenwartsfragen an der Universität Bamberg. In den Jahren 2006-2009 führte die Fakultät Humanwissenschaften als Dekan. Seit 2011 ist er Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Am 11. November 2014 wurde er zum Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt.

Rogate-Frage: Herr Ratsvorsitzender Dr. Bedford-Strohm, was genau feiert die Evangelische Kirche 2017? Trennung, Kirchengründung oder Geschichte?

Heinrich Bedford-Strohm: Das Reformationsjubiläum 2017 ist im Kern ein Christusfest, das die Botschaft von der freien Gnade Gottes ausrichten will an alle Menschen. Dabei spielen auch die drei von Ihnen genannten Aspekte eine Rolle: Die Trennung soll in Gedenkgottesdiensten thematisiert werden, die wir gemeinsam mit unseren katholischen Geschwistern feiern. Das Thema Kirchengründung lenkt den Blick auf unsere Wurzeln und stellt Fragen an die Situation der evangelischen Kirche heute. Dass es sich auch um ein historisch wichtiges Ereignis handelt, wird zum Beispiel durch die zahlreichen Ausstellungen deutlich, die von vielen Museen organisiert werden und einen Einblick in die Zeit der Reformation bieten.

Rogate-Frage: Warum wird ein ökumenisches Christusfest zum Reformationsjubiläum geplant und welche Botschaft soll davon ausgehen?

Heinrich Bedford-Strohm: Die ökumenischen Beziehungen sind für uns von großer Bedeutung. Oft wird auf das geschaut, was uns trennt, doch wichtiger erscheint mir auf das zu blicken, was uns verbindet: der Glaube an Jesus Christus, das Lesen der Heiligen Schrift und die gegenseitige Anerkennung der Taufe. Und das erlebe ich auch bei meinen Besuchen in den verschiedensten Gemeinden: die Menschen feiern gemeinsam Gottesdienst, singen in ökumenischen Chören und tauschen sich über ihren Glauben aus. Diese Realität wird Teil der Feiern sein, die im Oktober 2016 beginnen. Mitglieder des Rates der EKD werden zum Beispiel im Oktober mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz ins Heilige Land, zu den gemeinsamen Quellen des Glaubens.

Am Vorabend des 2. Fastensonntags, dem 11. März 2017, werden beide Kirchen in einem gemeinsamen Versöhnungsgottesdienst in Berlin zu Buße und Vergebungsbitte zusammen kommen. Evangelische und katholische Gemeinden in ganz Deutschland werden eingeladen, dem Vorbild dieses Gottesdienstes zu folgen.

Rogate-Frage: Was ist für Sie „Evangelisch“?

Heinrich Bedford-Strohm: „Evangelisch“ ist für mich zunächst kein konfessionell abgrenzender Begriff. „Evangelisch“ heißt: aus der Freiheit eines Christenmenschen leben zu dürfen. Also sich immer wieder von neuem von Gott Kraft geben zu lassen. Das ermöglicht ein Leben in Freiheit ohne Angst vor Autoritäten, in dem man seinem Gewissen folgt. Außerdem steckt in dem Begriff für mich der Wunsch, für den Anderen da zu sein. Die Liebe Gottes gibt uns die Kraft, uns wieder für den anderen einzusetzen.

Rogate-Frage: Wer muss sich bewegen, damit die Ökumene weiter in Bewegung bleibt, die römisch-katholische Kirche oder vielleicht auch die Protestanten?

Heinrich Bedford-Strohm: Für mich ist die spannende Frage, wie wir uns gemeinsam bewegen können. Das geschieht an vielen Stellen und kann weiter ausgebaut werden. Im Sommer machen wir uns zum Beispiel gemeinsam auf den Weg: Ein ökumenischer Pilgerweg führt von Flensburg nach Paris. Dort tagt vom 30. November bis zum 11. Dezember die UN-Klimakonferenz. Ein ökumenisches Bündnis von Kirchen und Hilfswerken möchte im Vorfeld auf die globale Dimension des Klimawandels aufmerksam machen. Der Weg führt vorbei an vielen evangelischen und katholischen Gemeinden, die ihre Gemeindehäuser und Kirchen den Pilgern zur Übernachtung anbieten. Und der Dialog über das gemeinsame Thema des Schutzes der Natur als Schöpfung Gottes fördert natürlich die Ökumene.

Rogate-Frage: Sie haben sich kürzlich für eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. Wie ist Ihre eigene Auseinandersetzung zu diesem positiven Votum verlaufen und haben Sie positive Reaktionen auf Ihr Statement erhalten?

Heinrich Bedford-Strohm: Ich habe den Begriff der Ehe in meinem Statement nicht gebraucht. Und man sollte die Diskussion um die Terminologie auch nicht zu hoch hängen. Wichtig ist die Sache: Es ist doch schön zu erleben, wenn Menschen, die sich lieben, ihre Liebe auch verbindlich und verantwortlich leben wollen, wenn die lebenslange Treue eine Renaissance erlebt. Das gilt für Mann und Frau. Das gilt aber auch für gleichgeschlechtlich Liebende. In der evangelischen Kirche diskutieren wir schon seit einigen Jahren über diese Frage. Ein Prozess ist in Gang, der noch nicht abgeschlossen ist. Für mich ergibt sich aus zentralen biblischen Geboten der Impuls zu einer Öffnung der Kirche gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Das Liebesgebot Jesu und seine „Goldene Regel“ („Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“) sind Grundorientierungen, die zur Überwindung von Diskriminierung jeder Art ermutigen. Sie wiegen für mich schwerer als einzelne Bibelstellen, die Homosexualität kritisieren.

Diese Position habe ich auch auf meiner Facebook-Seite so vertreten und dort viele positive Reaktionen und auch Dank erhalten. Doch auch die kritischen Stimmen haben sich gemeldet, denen ich ihre Berechtigung nicht absprechen möchte. Wichtig ist, dass wir uns trauen, über diese Fragen zu sprechen. Entscheidend scheint mir dabei die Stärkung der Verbindlichkeit unserer Lebensformen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Landesbischof Dr. Bedford-Strohm, für das Gespräch!

Mehr Informationen finden Sie hier: bayern-evangelisch.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 14. Juli 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet
  • Donnerstag, 16. Juli | 20:30 Uhr, Andacht: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies zu „Sachen, Rogate Kl_Postkarte_Mond_RZ080615_Web (verschoben) 1 Kopiedie wir getrost belachen“. Orgel: Manuel Rösler.
  • Dienstag, 21. Juli 15 | 19:00 Uhr, VESPER, mit Fürbitte für verstorbene Drogenabhängige.
  • Donnerstag, 23. Juli | 20:30 Uhr, Andacht zum Jahr der Orden: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: P. Karl Hoffmann,
  • Salvatorianer, zu „Wir spinnen Luftgespinste“. Orgel: Manuel Rösler.
  • Dienstag, 28. Juli 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet
  • Donnerstag, 30. Juli | 20:30 Uhr, Andacht: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Pfarrer Dr. Josef Wieneke, St. Matthias-Kirchengemeinde zu Schöneberg, zu „Lass uns einfältig werden“. Orgel: Malte Mevissen.
  • Donnerstag, 6. August | 20:30 Uhr, Andacht “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union zu „. . . aus dieser Welt uns nehmen“. Orgel: Manuel Rösler.
  • Unseren Juli-Plan finden Sie hier. Den Fördervereinsflyer finden Sie hier.
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