Fünf Fragen zum Jahr der Orden an: M. Veronika Riechel, Schönstatt Marienschwester

Schwester M. Veronika Riechel, Schönstätter Marienschwester,

Fünf Freitagsfragen an Schwester M. Veronika Riechel, Schönstätter Marienschwester, über eine weltweite in Deutschland gegründete Bewegung, eine Lebensgemeinschaft im Geist der evangelischen Räte und ein Heiligtum als Corporate Identity. Ein Beitrag zum Jahr der Orden.

Sie stammt aus Thüringen und studierte in Erfurt Theologie. Sie arbeitet schwerpunktmäßig als Referentin im Bereich Ehe- und Familienpastoral.

Rogate-Frage: Schwester M. Veronika, Sie sind Ordensfrau einer besonderen internationalen Bewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Wie ist diese entstanden?  Wie groß ist sie heute? Und wie sieht ein Schönstatt-Leben aus?

M. Veronika Riechel: Die Schönstattbewegung gehört zu den Neuen Geistlichen Bewegungen, die im vergangenen Jahrhundert in der katholischen Kirche entstanden sind und sehr segensreich wirken. Im vergangenen Jahr, 2014, sind wir bereits 100 Jahre geworden.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe fasste in seinem Jubiläums-Grußwort sehr gut das Anliegen Schönstatts zusammen: „Als im Oktober 1914 in einer Marienkapelle in Vallendar/Schönstatt das erste „Liebesbündnis“ geschlossen wurde, ging es dem Gründer Pater Josef Kentenich darum, junge Menschen zu einer persönlichen Beziehung, einer persönlichen Bindung an Gott zu ermutigen. Sie sollten aus dieser Bindung zu Gott Hoffnung, Tatkraft und Zuversicht schöpfen. Die jungen Menschen sollten sich auch anhand von christlichen Werten und Idealen zu Persönlichkeiten bilden, die in ihrem jeweiligen Umfeld christlich wirken und die Verantwortung für unsere Welt übernehmen. Die Vision Josef Kentenichs ist Wirklichkeit geworden. Rund um den Globus engagieren sich heute Schönstätter durch ihren Glauben und den Dienst am Nächsten für menschliche und soziale Gesellschaften.“

Aus der Liebesbündnis-Spiritualität heraus sind circa 25 selbständige, internationale Gemeinschaften für Frauen, Männer, Familien, Jugendliche, Priester und viele Projekte hervorgegangen. Millionen von Menschen fühlen sich Schönstatt verbunden.

Meine Gemeinschaft, das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern, ist eine dieser 25 Gemeinschaften. Unsere zentrale Aufgabe ist es, für die anderen Schönstatt-Gemeinschaften da zu sein und ihrer Inspiration und Entfaltung zu dienen. Wir sind circa 2500 Schwestern und bilden eine Lebensgemeinschaft im Geist der evangelischen Räte, also Armut, Jungfräulichkeit, Gehorsam. Durch unser einheitliches Schwesternkleid sind wir gut zu erkennen. Kernpunkt unserer Spiritualität ist das „Liebesbündnis mit der Gottesmutter Maria“ als bewusst gelebtes Taufbündnis. Maria für heute sein und wie Maria Christus zu den Menschen bringen, das ist unser schöner Auftrag und unsere tägliche Motivation.

Rogate-Frage: Das 2014 war ein wichtiges Jubiläumsjahr für die Schönstatt-Bewegung. Dazu gehörte auch eine große Audienz in Rom bei Papst Franziskus. Seine ausführlichen Antworten auf die Fragen, die ihm in dieser Audienz gestellt wurden, haben Schlagzeilen gemacht. Für was steht die Schönstatt-Bewegung? Welche Anliegen werden verfolgt?

M. Veronika Riechel: Ich möchte 3+1 Stichworte sagen:

  1. Gott des Lebens: Wir lassen uns auf das Abenteuer eines Glaubens an Gott ein, der ein Gott des Lebens und der Geschichte ist. Der also hier und heute im Leben jedes Menschen handelt, der uns führt und der uns als Mitarbeiter in seinem Reich ruft.
  1. Freiheit: Menschen in ihrer Entwicklung zu freien, charaktervollen christlichen Persönlichkeiten zu unterstützen ist das zentrale pädagogische Anliegen. Schönstatt ist deswegen eine bunte Fülle von Seminaren, Bildungsveranstaltungen, Akademien, Schulen … die diesem Ziel dienen.
  1. Weltveränderung und Bündniskultur: Wir treten ein für eine Kultur nach den Maßstäben des Evangeliums. Für eine Kultur, die nicht spaltet, diskriminiert, ausschließt, sondern die Bindungen, Bündnisse, Beziehungen knüpft und pflegt. Es ist spannend, in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlich-politischen, kulturellen, kirchlichen Lebens zu fragen, wie jeweils Bündniskultur konkret wird.

+ 1 Maria: Die Gottesmutter Maria ist unser großes Plus. Sie verkörpert gesundes, freies Menschsein. Wir können beobachten, wie sehr Menschen die Nähe dieser großen Frau gut tut. Das Bündnis der Liebe mit ihr ist die Entdeckung Pater Kentenichs, die wir gern vielen weiterschenken möchten.

Um nochmal auf die Papstaudienz, auf die Sie in Ihrer Frage Bezug nehmen, zu sprechen zu kommen: In den Medien wurde vor allem der Abschnitt über Ehe und Familie herausgegriffen. Das Ja zu Ehe und Familie und Wege einer zeitgemäßen Ehepädagogik und –spiritualität anzubieten, das gehört sehr wesentlich zum Engagement der Schönstattbewegung.

Rogate-Frage: Es ist in Ihren Häuser eine besondere Marien-Frömmigkeit wahrzunehmen. Was ist der Hintergrund und wie gestaltet sich die Beziehung der Schönstatt-Familie zu Jesu Mutter in ihrem religiösen Leben?

M. Veronika Riechel: Im Johannesevangelium wird uns berichtet, dass Jesus kurz vor seinem Tod seine Mutter dem Lieblingsjünger anvertraute und den Lieblingsjünger seiner Mutter. Über die Jahrhunderte hinweg hat die Kirche sich an der Stelle des Lieblingsjüngers gesehen. Jeder Christ darf sagen: Auch mir hat Jesus selbst seine Mutter anvertraut und mich hat er in die Obhut seiner Mutter gegeben. Wir nennen diese Beziehung „Liebesbündnis“ und haben sehr viel Freude an diesem wunderbaren Geschenk des Herrn.

In einer Beziehung mit Maria leben, das geht auf dieselbe Art und Weise, wie jede Liebesbeziehung funktioniert: Blickkontakt halten, auf Maria und ihre Art der Christusnachfolge schauen, gern mit ihr in Dialog treten, ihr zeigen, dass wir sie gern haben in allen Weisen, die das Herz eingibt.

Unsere Erfahrung: Durch sie wird der ganze Glaube, die Liebe zu Christus, zum Dreifaltigen Gott, die Offenheit für den Heiligen Geist, die Verehrung der Eucharistie, die Freude, ein guter Menschen zu sein und so weiter – also der ganze Reichtum des christlichen Glaubens und Lebensentwurfs lebendiger, intensiver, froher.

Rogate-Frage: Eine Besonderheit sind die „Heiligtümer“. 200 kleine Kapellen gibt es in vielen Teilen der Erde nach dem Vorbild der ersten Kapelle in Vallendar/Schönstatt, so auch in Berlin-Frohnau. Warum diese Einheitlichkeit? Wie identitätsstiftend sind diese identischen Bauten weltweit? Und welche Rolle spielt das „Urheiligtum“?

M. Veronika Riechel: Das Heiligtum ist sozusagen unsere Corporate Identity und unser Corporate Design. Das hat sich mehr ergeben und gefügt, als dass es geplant gewesen wäre. Schönstatt hat in einer kleinen Marienkapelle in Vallendar/Schönstatt begonnen. Hier wurde zum ersten Mal das Liebesbündnis mit Maria geschlossen. Diese einfache, kleine Kapelle wurde dann als heiliger Ort, Ort einer besonderen Nähe Gottes und der Gottesmutter Maria erlebt. Als Ort göttlicher Gnade. Der Begriff „Heiligtum“ hat sich eingebürgert und entsprechend „Urheiligtum“ für die Ursprungskapelle. Im Zug der weltweiten Ausbreitung Schönstatts kam in Südamerika die Idee auf, diese Ursprungskapelle originalgetreu nachzubauen. Diese Idee zündete international. Überall, wo die Schönstattbewegung groß genug ist, wird als lokaler Mittelpunkt ein Schönstattheiligtum errichtet. Aus dem bloßen Gebäude wird immer dann ein „heiliger Ort“, wenn es die kirchliche Weihe erhält und Menschen das Liebesbündnis mit Maria schließen. Jedes der circa 200 Schönstattheiligtümer ist ein Gnaden- und Wallfahrtsort für die Menschen der Umgebung. Wir hoffen und beten, dass auch vom Heiligtum in Berlin viel Segen in unsere Hauptstadt hineinfließt.

Rogate-Frage: Für das Jahr 2015 hat Papst Franziskus das Jahr der Orden ausgerufen. Warum sind Sie Nonne geworden und warum haben Sie sich für ein Leben als Schönstatter Marienschwester entschieden?

M. Veronika Riechel: Ich hoffe, dass ich sagen kann, dass meine Entscheidung für ein gottgeweihtes Leben die Antwort war auf einen Ruf Gottes. Er hat mir sehr früh die Sehnsucht ins Herz gelegt, ausschließlich ihm zu gehören. Diese Sehnsucht war einfach da. Sie war größer als diverse Berufswünsche oder Lebenspläne.

Ich fand es schon als Jugendliche großartig, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, in einer religiösen Gemeinschaft zu leben, in der die Liebe zu Gott das wichtigste ist und der Tages- und Lebensrhythmus der Gottesbeziehung, dem Gebet, der Beschäftigung mit geistlichen Dingen viel Raum und Zeit ermöglicht.

Schönstätter Marienschwester bin ich geworden, weil mir die Gemeinschaft und die Schwestern, die ich kannte, einfach sehr gefallen haben. Das waren alles tolle Frauen, tief und weltoffen zugleich.

Als Jugendliche hatte ich Schönstatt kennengelernt und fand die Ideale und die Spiritualität sehr überzeugend. Inzwischen bin ich bereits 30 Jahre Marienschwester und kann mir nichts Schöneres vorstellen.

Rogate: Vielen Dank, Schwester M. Veronika, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: Schoenstatt.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Einladung zur Mondreihe.

    Dienstag, 28. Juli 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet

  • Donnerstag, 30. Juli | 20:30 Uhr, Andacht: “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Pfarrer Dr. Josef Wieneke, St. Matthias-Kirchengemeinde zu Schöneberg, zu „Lass uns einfältig werden“. Orgel: Malte Mevissen.
  • Dienstag, 4. August 15 | 19:00 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zur Ausstellung “Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”,  ein Foto- und Textprojekt-Engagement von Kathrin Stahl über und für transidente Menschen. Grußwort von MdB Harald Petzold, Oranienburg. Die Ausstellung ist bis zum 13. September sonnabends, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, während der “Offenen Kirche” sowie vor und nach den Gottesdiensten zu sehen.
  • Donnerstag, 6. August | 20:30 Uhr, Andacht “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union zu „. . . aus dieser Welt uns nehmen“. Orgel: Manuel Rösler.
  • Unseren Juli-Plan finden Sie hier. Den Fördervereinsflyer finden Sie hier.
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