Fünf Fragen an: Professor Dr. Wolfgang Huber, Bischof a.D., Berlin-Brandenburg

Fünf Freitagsfragen an Wolfgang Huber, Bischof a.D. der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, über den Auftrag der Kirche, Reformbereitschaft und drei aktuelle Bitten an die Politik.

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Bischof a.D. (Bild: Dirk von Nayhauß)

Wolfgang Huber ist im Zweiten Weltkrieg geboren. Das Kriegsende erlebte er, noch nicht dreijährig, im Schwarzwald. Dass Menschen nicht unter Gewalt und Not leiden und jeder Mensch in seiner Würde geachtet wird, wurde zu seinem Lebensthema. Die Verantwortung der Kirche für die Weitergabe des Evangeliums und ihre Parteinahme für die Schwachen sind ihm wichtig. Sein Wahlspruch heißt: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht.“

Rogate-Frage: Herr Bischof a.D. Prof. Huber, die Kirchen verzeichnen massive Austrittszahlen. Was muss passieren, um die Mitglieder zu halten?

Wolfgang Huber: Glaubwürdig für das Evangelium von Jesus Christus eintreten, einladende Gottesdienste feiern, auf die Menschen zugehen, Ausgetretene wiedergewinnen, Jugendliche begeistern, Notleidenden helfen, klar für die Menschenwürde eintreten: Die Kirche muss tun, was ihrem Auftrag entspricht. Sie muss auch bei Ausgetretenen daran denken: „Gebt keine und keinen verloren!“

Rogate-Frage: Sie haben in Ihrer Amtszeit Reformen in der evangelischen Kirche vorangetrieben. Sind Sie mit der Entwicklung der Veränderungen und dem Stand der Umsetzungen zufrieden?

Wolfgang Huber: Wer Verantwortung trägt, soll in seiner Amtszeit tun, was in seinen Kräften liegt. Wenn Ruheständler vom Sofa aus meckern, finde ich das dagegen grauenvoll. Statt mich in die Aufgaben anderer einzumischen, engagiere ich mich lieber an der einen oder anderen Stelle. Statt zu jammern, möchte ich auf Positives hinweisen: Im letzten Jahr sind 60.000 Menschen in Deutschland neu in die evangelische Kirche eingetreten. Die evangelischen Schulen wachsen. Glaubenskurse werden in meiner Landeskirche flächendeckend angeboten. Gemeinden mit besonderem Profil entstehen. Das ist der Weg, auf dem wir noch entschlossener weitergehen sollten.

Rogate-Frage: Das EKBO-Reformprojekt formuliert unter Punkt 9 „Kleine christliche Gemeinschaften“: Umsetzung des Priestertums aller Glaubenden im Alltag als „Kirche für andere“. Was steckt dahinter und welche Bedeutung nehmen künftig geistliche Gemeinschaften und Klöster im evangelischen Kontext ein?

Wolfgang Huber: Die Erneuerung geistlichen Lebens in der evangelischen Kirche gehört zu den großen Hoffnungszeichen. Im evangelischen Bereich ist dafür das allgemeine Priestertum grundlegend. Menschen aus unterschiedlichen Erfahrungsfeldern, mit unterschiedlicher Ausbildung und Lebensform verbinden sich zu einer geistlichen Gemeinschaft. Sie gehören ihr auf Zeit oder auf Dauer angehören. Sie arbeiten in der Gemeinschaft oder gehen ihrem weltlichen Beruf nach. Eine solche Konzentration nach innen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Kirche neue Ausstrahlung entwickelt und eine „Kirche mit anderen“ wird.

Rogate-Frage: Die Auseinandersetzungen um Griechenland lässt den Eindruck entstehen, dass Europa nur ein Währungszusammenschluss sei. Was verbinden Sie mit der Vision eines geeinten Europas? 

Wolfgang Huber: Das Beispiel Griechenland zeigt, dass ein bloßer Währungsverbund zum Scheitern verurteilt ist. Er kann nur funktionieren, wenn es ein ausreichendes Maß an wirtschaftlicher und sozialer Gemeinsamkeit gibt. Es muss sich also auch um eine Wirtschafts- und Sozialunion handeln. Sie braucht eine Werteunion als Grundlage. Dafür muss Europa sich seiner kulturellen und religiösen Grundlagen stärker bewusst werden. Wir brauchen eine neue Zuwendung zu den Quellen der europäischen Werte. Dazu gehören die Ehre Gottes und die Würde des Menschen, die Dankbarkeit für Gottes gute Schöpfung und das Eintreten für die Rechte künftiger Generationen, selbstbewusste Freiheit und solidarische Verantwortung, gelebte Glaubensgewissheit und Toleranz für Fremde.

Rogate-Frage: Alt-Kanzler Schröder sagte über Sie: »Wolfgang Huber ist ein Theologe des Wortes, aber vor allem ein Theologe der Tat. Er will verändern, verbessern, beeinflussen – zum gesellschaftlichen Wohle möglichst vieler.« Würde man Sie zum Bundeskanzler wählen, in welchen Feldern würden Sie in den ersten 100 Tagen etwas in die Wege leiten?

Wolfgang Huber: Da ich nicht zum Bundeskanzler gewählt werde, finde ich ein solches 100-Tage-Programm anmaßend. Es ist zu bequem, kühne Ankündigungen zu machen, für die man selbst nicht einstehen muss. Deshalb will ich für heute, nicht für irgendwann nur drei Bitten an die Politik äußern:

  • Das Ja zu Kindern fördern, damit Deutschland nicht länger das Land mit der geringsten Geburtenrate auf der Erde ist.
  • Die Leistungen in der Pflege von Alten und Kranken – beruflich, ehrenamtlich, in den Familien – würdigen, denn daran entscheidet sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft.
  • Dem mörderischen Treiben des „Islamischen Staats“ Einhalt gebieten und diejenigen aufnehmen, die bei uns Zuflucht suchen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bischof Huber, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: wolfganghuber.info

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Einladung zur Ausstellung „Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“

    Dienstag, 4. August 15 | 19:00 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zur Ausstellung “Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”,  ein Foto- und Textprojekt-Engagement von Kathrin Stahl über und für transidente Menschen. Grußwort von MdB Harald Petzold, Oranienburg. Die Ausstellung ist bis zum 13. September sonnabends, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, während der “Offenen Kirche” sowie vor und nach den Gottesdiensten zu sehen.

  • Donnerstag, 6. August | 20:30 Uhr, Andacht “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union zu „. . . aus dieser Welt uns nehmen“. Orgel: Manuel Rösler.
  • Dienstag, 11. August 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 13. August | 20:30 Uhr, Andacht “Der Mond ist aufgegangen. Musik – Wort – Sommerabendsegen”. Impuls: Renate Künast, MdB, Bündnis 90/Die Grünen, zu „Und lass uns ruhig schlafen“.
  • Unseren August-Plan finden Sie hier. Den Fördervereinsflyer finden Sie hier.
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