Fünf Fragen an: Pamela Hansen, Pastorin auf Helgoland

Pastorin Pamela Hansen (Foto: Hartmuth Schröder)

Fünf Freitagsfragen an Pamela Hansen, Pastorin auf Helgoland, über Frömmigkeit und Abenteuer auf der Hochseeinsel, den Unterschied zwischen Sommer und Winter in Ihrer Gemeinde und das Patronat von St. Nikolaus.

Pamela Hansen kommt aus Schleswig-Holstein, studierte Theologie an der Christian Albrechts Universität zu Kiel und engagiert sich für Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes).

Rogate-Frage: Frau Pastorin Hansen, glaubt man an der See und auf einer Insel anders?

Pamela Hansen: Glaubensinhalte betreffend, denke ich, dass es hier nicht viel anders ist als auf dem Festland oder im Binnenland. Vielleicht gibt es ein etwas beharrlicheres Festhalten an bestimmten Sichtweisen, aber ansonsten sehe ich, wie gesagt, keinen Unterschied. Die Art und Weise, wie Glaube gelebt wird, hat in ein paar Dingen sicherlich eine eigene Prägung. Ich habe den Eindruck, dass hier noch stärker auf Traditionen Wert gelegt wird. Und die Seefahrt spielt natürlich immer eine Rolle, auch in Glaubensdingen. Mir fallen da die Votivschiffe ein, die in unserer Kirche hängen und die von Kapitänen gestiftete Zeichen des Dankes an Gott für Schutz oder die Rettung aus Seenot sind. Und diese Tradition lebt noch: Vor zwei Jahren erst haben wir ein neues Votivschiff bekommen, ein Modell des Bäderschiffes „Atlantis“.

Rogate-Frage: Hat das Leben auf einer Insel Auswirkungen auf die eigene Spiritualität und die Frömmigkeit der Gemeinde?

Pamela Hansen: Dass hier mehr gebetet wird, weil wir den Elementen so ausgesetzt sind, habe ich nicht erlebt.
Die Frömmigkeit hier scheint mir genauso viel oder wenig vorhanden zu sein wie auf dem Festland. Hier ist sie saisonbedingt nur anders aufgeteilt. Im Winter sehe ich mehr Insulaner im Gottesdienst und in anderen kirchlichen Veranstaltungen als im Sommer, weil dann Zeit dafür ist.
Ich habe bei mir selbst schon festgestellt, dass mich diese Insel zu mehr Spiritulität inspiriert. „Hier fühlt man sich dem Himmel irgendwie näher“, ist ein Satz, den ich hier häufiger höre, allerdings mehr von Feriengästen und Besuchern als von den Insulanern. Auch in mir finde ich dieses Gefühl wieder. Woran das aber genau liegt, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht an den vielen ruhigen Orten, die trotz des Trubels, der hier manchmal herrscht, zu finden sind und die zur inneren Einkehr einladen. Es gibt so einige Stellen am Klippenrandweg, an denen ich auf meinen Spaziergängen mit dem Hund eine Pause einlege, aufs Meer schaue und ein stilles Gebet spreche. In der Praxis meiner Gemeindearbeit sieht es so aus, dass ich eine wöchentliche Taizé-Andacht und einen monatlichen Heilungssegen mit Salbung und Handauflegung im Sonntagsgottesdienst eingeführt habe. Besonders auf die Heilungsgottesdienste gibt es sehr positive Resonanz.

Rogate-Frage: Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Helgoland gezogen und was hat sich davon erfüllt?

Pamela Hansen: Ich hatte befürchtet, dass es mir zu eng werden würde auf so einer kleinen Insel. Als ich zum ersten persönlichen Vorstellugsgespräch hier war, dachte ich: „Meine Güte, die Insel ist doch kleiner, als ich dachte!“

Zu eng ist es mir bisher nicht geworden. Ich hatte gehofft, dass gerade durch den sehr begrenzten Raum mehr Nähe zu den Menschen hier möglich ist und es einen engeren Kontakt geben wird. Das hat sich bewahrheitet und ich genieße es sehr, dass hier alles viel weniger anonym ist. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten. Als Pastor oder Pastorin lebt man ohnehin schon auf dem Präsentierteller und hier verstärkt sich das um ein Vielfaches. Das geht allerdings jedem so, der hier lebt, nicht nur den Personen, die in der Öffentlichkeit stehen. Jeder weiß von jedem immer alles. Das ist hier eben so und das kam für mich nicht wirklich überraschend. Was die gemeindliche Arbeit und auch mein Leben hier  betrifft, hatte ich eigentlich gar keine konkreten Erwartungen, sondern war einfach nur neugierig auf das, was ich vorfinden würde. Wenn man überhaupt von Erwartung sprechen kann, dann würde ich sagen: Ich hatte erwartet, dass es ein Abenteuer wird. Und das ist es! Und ich liebe es!

Rogate-Frage: Ihre Gemeindekirche trägt den Namen des Heiligen Nikolaus. Inwiefern hat diese Namensgebung und das Patronat dieses Heiligen Auswirkung auf die Gemeinde und Ihre Arbeit?

Pamela Hansen: Als Schutzpatron der Seefahrer ist der heilige Nikolaus durchaus sehr präsent in der Gemeinde. Da ist zum Beispiel unsere alljährliche Nikolausfeier, die am Vorabend zum Nikolaus, dem 5. Dezember, mit großem Programm für unsere Senioren und Patienten des Krankenhauses stattfindet. Am 5. Dezember gehen die Kinder hier auch „umlaufen“, was vergleichbar ist mit der Tradition des „Rummelpottlaufens“ oder das Umherziehen der Kinder an Halloween. Auch bei uns sind sie verkleidet, singen Nikolauslieder (oft sogar auf Helgoländisch) und sammeln Süßigkeiten ein.
Allerdings setze ich den Nikolaus und seine Geschichte nicht bewusst in meiner Arbeit ein. Er kommt immer mal wieder vor, einfach deshalb, weil sich hier viel um die Seefahrt dreht: es gibt viele Seebestattungen, es gibt einmal im Jahr einen Gottesdienst im Gedenken an die Seebestatteten, wir gedenken jährlich der auf See gebliebenen Besatzung des Seenotrettungskreuzers Adolph Bermpohl, ich habe guten Kontakt zu den Seenotrettern und habe immer wieder mit Kapitänen oder ehemaligen Kapitänen zu tun. Da taucht natürlich auch der Nikolaus thematisch und als Vorbild auf. Allerdings würde ich vermuten, dass es eigentlich anders herum ist:  Das durch die Seefahrt geprägte Gemeindeprofil hatte Auswirkungen auf die Namensgebung der Kirche.

Rogate-Frage: Wie gestaltet sich Ihr Arbeitstag? Gibt es zeitliche und organisatorische Unterschiede im Vergleich zu einem Pfarramt auf dem Festland?

Pamela Hansen: Zeitliche und organisatorische Unterschiede zum Festland gibt es auf jeden Fall. Ich kann mich nicht mal eben ins Auto setzen, um an einem Konvent der Pastorinnen und Pastoren, einem Kirchspieltreffen, einer Fortbildung oder einem Partnerschaftstreffen teilzunehmen oder andere dienstliche Termine wahrzunehmen. Wenn alles gut klappt, ist es für mich nur eine Tagesreise: Morgens mit dem Flugzeug aufs Festland, abends wieder zurück. Manchmal lässt es sich aber auch nicht vermeiden, dass ich über Nacht drüben bleiben muss. Mir ist es auch schon passiert, dass ich witterungsbedingt ein paar Tage auf dem Festland festsaß. Da musste dann mit Helgoland ganz viel per Telefonat oder SMS geregelt werden. Zum Glück gibt es die moderne Technik, die es mir ermöglicht per Videokonferenz dabei zu sein, wenn ich von Helgoland nicht wegkomme. Ich muss auch immer berücksichtigen, dass es mit der Post etwas länger dauert, die ja erstmal mit dem Schiff unterwegs ist. Da kann man gut einen Tag extra einplanen. Um Weihnachten hatten wir den Fall, dass tagelang keine Post kam, weil das Schiff wegen Sturm nicht fuhr. Da passiert es leicht, dass Fristen nicht eingehalten werden können. Eine Beisetzung musste ich auch schon kurzfristig verschieben, weil Urne und Angehörige wegen des schlechten Wetters Helgoland nicht erreichen konnten. Termine sind hier also nicht in Stein gemeißelt. Die werden ganz schnell mal über den Haufen geworfen.
Mein Arbeitstag sieht aber im Großen und Ganzen nicht viel anders aus, als der einer Pastorin auf dem Festland, nur dass ich etwas mehr organisieren und akribischer planen muss. Ich ertappe mich dabei, dass ich versuche, ganz viel vorzuarbeiten, so wie heute zum Beispiel, weil ich weiß, dass ich übermorgen den ganzen Tag unterwegs sein werde: Ein Festlandstermin steht an.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pastorin Hansen, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: kirche-helgoland.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 25. August 15 | 19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 27. August 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
  • Dienstag, 1. September 15 | 19:00 Uhr, Vesper, das Abendgebet, anschließend Rogate-Abend zum Monat der Diakonie “Geschlechtsanpassung, wie? Schritte in ein neues Leben” zum Thema der Behandlung transidenter Menschen, mit Dr. Sascha Bull, leitender Oberarzt der Abteilung Plastische und Handchirurgie in der Evangelischen Elisabeth Klinik der Paul-Gerhardt-Diakonie.
  • Donnerstag, 3. September 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet (jeden Donnerstag im Sept.)
  • Sonnabend, 5. September 15 | 14:00 Uhr, Führung mit der Hamburger Fotografin Kathrin Stahl durch die Ausstellung “Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”, ein Foto- und Textprojekt-Engagement über und für transidente Menschen. Eine Veranstaltung zum Monat der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz​. Die Ausstellung ist bis zum 13. September sonnabends, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, während der “Offenen Kirche” sowie vor und nach den Gottesdiensten zu sehen.
  • Dienstag, 8. September 15 | 19:00 Uhr, Vesper, anschließend (ca. 19:45 Uhr) Rogate-Abend zum Monat der Diakonie: “Alkohol– und Medikamentenabhängigkeit erkennen und Angehörigen helfen“. Mit Dipl.-Sozialpädagogin Anja Wenzel-Otto, Notdienst Berlin e.V.
  • Den Fördervereinsflyer finden Sie hier. Unseren August-Plan finden Sie hier. Unseren September-Flyer finden Sie hier.
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