Fünf Fragen an: Christian Pfannenschmidt, Drehbuchautor „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“

Fünf Freitagsfragen an Christian Pfannenschmidt, Autor der ZDF-Serie „Herzensbrecher“, über ein erfolgreiches Serienformat, den Sinn guter Recherche und Polarisierung als Zeichen. Die 3. Staffel der Serie startet am 3. Oktober 2015.

Christian Pfannenschmidt, (Foto: Stefan Gregorowius, Köln)

Christian Pfannenschmidt, geboren 1953 in Hamburg, ist Drehbuchautor und Schriftsteller. Für das Zeitmagazin arbeitete er über zehn Jahre als Reporter. In dem Drama „Willkommen zu Hause“ erzählte Pfannenschmidt die Geschichte um einen traumatisierten Bundeswehrsoldaten nach seinem Einsatz in Afghanistan. In „Mandy will ans Meer“ thematisierte er Kinderarmut in Deutschland. Zuletzt schrieb er das Drehbuch für die Fernsehserie „Herzensbrecher– Vater von vier Söhnen“.

Rogate-Frage: Herr Pfannenschmidt, wie ist es zu der Idee für die Serie „Herzensbrecher“ gekommen?

Christian Pfannenschmidt: Wenn ich ehrlich antworten soll, ging es mir zunächst eigentlich nur um die Geschichte eines alleinerziehenden Vaters mit vier Söhnen. Als ich dann auf der Suche nach einem passenden Beruf und Arbeitsfeld für meinen Helden war, kam ich zunächst auf Arzt, aber ich bin Hypochonder und hab’s dann lieber gelassen. Der Beruf des Pfarrers war die zweite Wahl – hat sich nun aber als erstklassig herausgestellt.

Rogate-Frage: Es ist auffällig, wie gut recherchiert die Themenstellungen sind und auch innerkirchliche Diskussionen ihren Niederschlag im Drehbuch finden. Im deutschen Fernsehen gibt es seit Jahren im Unterhaltungsbereich in Bezug auf die Ernsthaftigkeit im kirchlichen Kontext nichts Vergleichbares. Wieso kennen Sie sich so gut aus in Pfarrhäusern, Amtszimmern und Gemeindebüros?

Christian Pfannenschmidt: Diese Frage nehme ich mal als Kompliment. Danke. Aber Ihr Lob muss auch an die Menschen gehen, die mir seit drei Jahren bei der Recherche zur Seite stehen und durch die ich selber vieles über die Kirche und den Glauben lernen darf. Ich habe ausgiebige Gespräche mit Pfarrern, Presbyteriumsvorsitzenden und Menschen aus vielen anderen Berufsgruppen geführt und zudem sehr viel zu den jeweiligen Themen gelesen. Als ehemaliger Redakteur der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ ist übrigens Recherche für mich eine selbstverständliche Voraussetzung für fiktionales Erzählen.

Rogate-Frage: Wie reagiert das Publikum auf die „Herzensbrecher“? Gibt es auch Kritik?

Christian Pfannenschmidt: Polarisierung ist ja immer ein Zeichen für gute Qualität. Und deshalb nehmen wir kritische Anmerkungen, die es selbstverständlich auch gibt, gerne entgegen. Was aber überwiegt, ist eindeutig Lob und Spaß an den Herzensbrechern. Bis zu vier Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer pro Woche nun schon über zwei Staffeln sind da ein eindeutiges Statement.

Rogate-Frage: Wie ist es zu den Episodeninhalten gekommen? Haben Sie auf Themen verzichtet oder konnten Sie alles unterbringen, was Ihnen auch inhaltlich wichtig war? Haben Drehbuchautoren eigene Interessen?

Christian Pfannenschmidt: Selbstverständlich habe ich ein Eigeninteresse und das ist in diesem Fall, so viele Menschen wie möglich gut zu unterhalten und ihnen vielleicht sogar hier und da ein wenig Lebenshilfe zu geben. Die Plots stammen zum Teil aus selbst Erlebtem, zum Teil aus Gelesenem, zum Teil aus Erzähltem. Und waren mir alle wichtig. Manches ist tatsächlich unter den Tisch gefallen; vor allem, weil ich so viel zu erzählen hatte, wir aber bisher erst 24 Episoden drehen durften. Um so mehr freue ich mich, dass das ZDF der Produktionsfirma Bantry Bay und mir nun den Auftrag gegeben hat, zwölf weitere Folgen zu entwickeln.

Rogate-Frage: Wie ist Ihr eigenes Verhältnis zu Gott, der Kirche und der Realität in den Gemeinden?

Christian Pfannenschmidt: Ich bin ein gläubiger Mensch. Doch ich gehe selten in die Kirche. Mein Verhältnis zu den Gemeinden ist so facettenreich wie die Kirche selbst. Ich finde nicht alles gut, aber mir gefällt, dass man in einer modernen Kirche erkannt hat, dass Glaube heutzutage auch immer work in progress ist.

Rogate-Frage: Würden Sie gern in der Kirche etwas verändern? Warum?

Christian Pfannenschmidt: Ich finde, dass einerseits in den meisten Gemeinden ehrlich und ernsthaft daran gearbeitet wird, Menschen den Glauben näher zu bringen. Andererseits gibt es noch viel zu viel Distanz, Missverständnisse und verkrustete Theorie. Daran sollte man arbeiten und vielleicht trägt unsere Serie „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“ mit Humor und Wärme ein Stückchen dazu bei.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfannenschmidt, für das Gespräch!

Weitere Information über Christian Pfannenschmidt und seine Projekte finden Sie hier: christianpfannenschmidt.de. Mehr über die Herzensbrecherserie finden Sie hier: zdf.de/herzensbrecher

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Sonnabend, 5. September 15 | 14:00 Uhr, Führung mit der Hamburger Fotografin Kathrin Stahl durch die Ausstellung “Max ist Marie – Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind”, ein Foto- und Textprojekt-Engagement über und für transidente Menschen. Eine Veranstaltung zum Monat der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz​. Die Ausstellung ist bis zum 13. September sonnabends, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, während der “Offenen Kirche” sowie vor und nach den Gottesdiensten zu sehen.
  • Dienstag, 8. September 15 | 19:00 Uhr, Vesper, anschließend (ca. 19:45 Uhr) Rogate-Abend zum Monat der Diakonie: “Alkohol– und Medikamentenabhängigkeit erkennen und Angehörigen helfen“. Mit Dipl.-Sozialpädagogin Anja Wenzel-Otto, Notdienst Berlin e.V.
  • Donnerstag, 10. September 15 | 20:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet (jeden Donnerstag im Sept.)
  • Sonnabend, 12. September, Teilnahme mit einem Info-Stand auf dem “Fest der Kirchen“, Alexanderplatz
  • Den Fördervereinsflyer finden Sie hier. Unseren September-Flyer finden Sie hier.
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