Fünf Fragen an: Simon Böer, Schauspieler und Herzensbrecher-Pfarrer Tabarius im ZDF

Fünf Freitagsfragen an Simon Böer, Pfarrer Tabarius in der ZDF-Serie „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“, über das Einfinden in Rollen, seinen Kirchenaustritt und darüber, wann er wieder eintreten würde. Die Serie startet am 3. Oktober 2015 in der 3. Staffel.

Simon Böer (Bild: privat)

Simon Böer (Bild: privat)

Simon Böer, geboren am 15. Oktober 1974 in Bonn. Bis zum Abitur 1994 besuchte er eine Waldorfschule, danach folgte der Zivildienst in Bonn-Beuel im Therapiezentrum für Mehrfach-schwerstkörperbehinderte Menschen. Von 1996-2000 Schauspielschule HFF Konrad Wolf in Potsdam. Freiwillig engagiert er sich für dieKindernothilfe, UNICEF, Sea Shepherd und die DKMS.

Rogate-Frage: Herr Böer, wie fühlt es sich für Sie als Schauspieler an, einen Pfarrer zu spielen und im Talar vor einem Altar zu stehen? Sehr fremd?

Simon Böer: Nicht fremder oder vertrauter als einen Mörder zu spielen. Man macht sich mit der Rolle vertraut und erledigt seinen Job. Ich bin Schauspieler, also gewöhnt in eine andere Haut zu schlüpfen. Und zum Talar: Kleider machen Leute!

Rogate-Frage: Wie haben Sie sich auf Rolle vorbereitet? Wie konnten Sie sich in die Person „Pfarrer Andreas Tabarius“ einfühlen?

Simon Böer: Ich habe viel mit Geistlichen gesprochen – über ihr Weltbild, ihr Gottesverständnis und über ihre tagtägliche Arbeit. Ich habe viel gelesen, habe Gottesdienste besucht und war und bin in der glücklichen Lage, sehr viel von mir persönlich in diese Rolle einfließen lassen zu können. Tabarius ist in erster Linie Familienmensch. Ein Vollblutpapa. Da gibt es schon eine Menge Schnittstellen.

Rogate-Frage: Welchen Draht haben Sie als Privatmensch zu Gott, der Kirche und christlicher Ethik?

Simon Böer: Ich bin christlich sozialisiert, katholisch getauft und zur Kommunion gegangen. Mein Austritt aus der Kirche hatte damals etwas damit zu tun, dass ich sie als sehr weltfremd und nicht nah genug an den Bedürfnissen der Menschen empfunden habe. Und ob sie es glauben oder nicht: dieser Schritt hat mich wieder näher an die Kirche gebracht. Zumindest bin ich seitdem neugierig, was sich so tut und nicht einfach einer Konfession zugehörig. Ich verfolge zum Beispiel Papst Franziskus und sein Tun in letzter Zeit genauer. Er beeindruckt mich – schon alleine wegen der neuen Wege die er in seiner Kirche geht. Ich besuche weiterhin diesen oder jenen Gottesdienst aber auch Zeremonien anderer Völker und Glaubensrichtungen. Wir alle meinen ja den einen Gott. Wer das nicht wahrhaben will, ist zu sehr in seinem Ego und seiner Religion, Konfession gefangen, was definitiv nicht Gottes Wille ist. Gott, also das Leben will uns glücklich sehen. Dafür muss man eine Menge Ängste überwinden lernen und ich glaube, dass das so eine Aufgabe ist, mit der wir, gerade in diesen Zeiten, sehr konfrontiert sind. Mir begegnet Gott in der Natur und meinen Mitmenschen. Es ist ein liebender Gott, dem es fern liegt zu strafen. Es ist das pure Leben, die pure Liebe selbst.
Ich fühle ich mich der christlichen Ethik- und die sehe ich jenseits von Konfessionen – am zugehörigsten. Die christlichen Grundgedanken liegen mir sehr am Herzen. Meine Frau und ich leben diese und vermitteln sie auch unseren Kindern.

Rogate-Frage: Hat sich durch die Rolle Ihr Bild von der Kirche gewandelt? Wie?

Simon Böer: Nein, eigentlich nicht. Aber mir kommt immer wieder zu Ohren, dass sich durch diese Serie, in vielen Augen, das Bild der Kirche verändert hat. Es kommt immer wieder vor, dass mir Menschen beschreiben, diesen Ort wieder als Chance zur Einkehr, als Begegnungsstätte begreifen zu wollen. Das alles steht und fällt natürlich mit dem Geistlichen am Altar.

Rogate-Frage: Was finden Sie an Kirche gut? Was würden Sie gern verändern?

Simon Böer: Ich liebe es in Gemeinden zu kommen, wo wirklich „Gemeinschaft“ – und dadurch Kommunikation und Austausch – stattfindet. Wo man gemeinsam das Geschenk feiert, auf dieses Erdenrund geboren zu sein. Das Ändern möchte ich mir nicht anmaßen, bevor ich nicht wieder in die Kirche, ob evangelisch oder katholisch, eingetreten bin….und das schließe ich nicht aus, sollte ich eine Gemeinde finden, die mich durch und durch anspricht.

Rogate: Vielen Dank, Herr Böer, für das Gespräch!

Mehr über die Herzensbrecher-Serie finden Sie hier: zdf.de/herzensbrecher

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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