Fünf Fragen an: Dr. Stefan Heße, Erzbischof im Erzbistum Hamburg

Fünf Freitagsfragen an Stefan Heße, Erzbischof im Erzbistum Hamburg, über die Rolle als Epískopos, die Zukunft der Kirche und die Wahrnehmung der vielfältiger Lebensentwürfe.

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Bild: Erzbistum Hamburg)

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Bild: Erzbistum Hamburg)

Stefan Heße wurde am 7. August 1966 in Köln in Köln. Am 18. Juni 1993 erfolgte die Priesterweihe. In den Jahren 1993 – 1997 war er Kaplan in St. Remigius in Bergheim, dann 1997 – 2003 Repetent im Erzbischöflichen Theologenkonvikt Bonn. Er promovierte 2001  zum Doktor der Theologie mit einer Arbeit über die Theologie der Berufung bei Hans Urs von Balthasar. Später dann Einsatz als Abteilungsleiter im Erzbischöflichen Generalvikariat, Abt. Pastoraleinsatz Pastorale Dienste. Nach weiteren Stationen wurde er 2012 Generalvikar des Erzbischofs von Köln und Ökonom des Erzbistums und am 28. Februar 2014 Diözesanadministrator des Erzbistums Köln. Am 20. September 2014 erfolgte die Ernennung zum Generalvikar des Erzbischofs von Köln. Papst Franziskus ernannte ihn am 26. Januar 2015 zum Erzbischof von Hamburg. Er ist zudem Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Rogate-Frage: Herr Erzbischof Dr. Heße, wie geht es Ihnen in Hamburg und dem norddeutschen Tiefland?

Stefan Heße: Ich fühle mich wohl in meiner neuen Heimat. Ich mag die Städte, das weite Land, das Meer und die Inseln. Der Hamburger Stadtteil St. Georg, in dem ich wohne und wo auch der Dom steht, ist sehr bunt und hat viele Facetten. Und ich werde überall freundlich aufgenommen. Das trägt natürlich auch zu einem guten Lebensgefühl bei.

Rogate-Frage: Was macht einen guten Bischof aus? Wie wollen Sie Ihr Amt ausfüllen?

Stefan Heße: Ich will nah bei den Menschen sein und selbst auch für eine gute Kommunikation und Vernetzung sorgen. Das ist gerade hier im Norden ganz wichtig, weil Katholiken in den großen Gebieten oft sehr vereinzelt leben.

Rogate-Frage: Hohe Kirchenaustrittszahlen, eine schwindende Volkskirche, Priestermangel und Rückbau von Gemeindestrukturen. Wie soll die Kirche unserer Breiten in der Zukunft aussehen?

Stefan Heße: Die Kirche der Zukunft soll vom Engagement vieler Menschen getragen werden. Wichtig wird sein, dass alle Getauften mehr Verantwortung übernehmen. Und wir müssen uns besser vernetzen. Gemeinden, Kitas und Schulen, Krankenhäuser und Altenheime, Sozialeinrichtungen und Beratungsdienste: Es gibt so viele Orte, an denen Kirche gelebt wird. Es macht uns lebendiger, wenn sich diese Orte künftig gegenseitig stärker befruchten.

Rogate-Frage: Der Züricher Generalvikar Josef Annen hat im August geschrieben: „Zukunft hat ein Glaube, der die vom Konzil geforderte Wahrnehmung der Zeichen der Zeit ernst nimmt. Dazu gehören der offene Dialog über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Anthropologie, insbesondere zur Sexualität des Menschen, das Wahrnehmen der heute gelebten Familienvielfalt sowie der Respekt vor anderen Lebensentwürfen.“ Wie weit weg die römisch-katholische Kirche von solchen Positionen? Und wie nah sollte sie ihnen kommen?

Stefan Heße: Die Wahrnehmung der vielfältigen Lebensentwürfe scheint mir ein Gebot der Stunde zu sein. Wahrnehmung verbinde ich auch mit einem Respekt vor der getroffenen Entscheidung der jeweiligen Menschen. Und natürlich mit dem Versuch, diesen Entwurf auch zu verstehen. Damit kommt man in einen Dialog herein, der auch von Frage und Nachfrage lebt. Bei der Vielfalt der Lebensentwürfe möchte ich das Ideal der Ehe zwischen Frau und Mann aber nicht aufgeben. Diese hat für mich eine ganz herausgehobene Stellung.

Rogate-Frage: Papst Franziskus sagte: «Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?». Doch wie ist das Verhältnis von katholischer Kirche beispielsweise in Ihrem Erzbistum zu Regenbogenfamilien, offen schwulen Priesteramtskandidaten und verpartnerten, lesbischen Erzieherinnen in Caritas-Einrichtungen? Wird sich die Realität, die Liebe oder der römische Katechismus durchsetzen, der von Mitleid und Takt spricht?

Stefan Heße: Wir sollten die Augen nicht vor der Vielfalt der Lebensformen verschließen. Das heißt nicht, dass wir alles gut finden müssen. Wichtig ist immer der Mensch in seiner Lebenssituation. Klar ist für mich, dass wir unser Ehe-Ideal nicht aufgeben. Ebenso klar ist auch, dass sich jeder Priester zum Zölibat verpflichtet. Ehe und Zölibat müssen im Alltag gelebt werden. Ich glaube, dass das für beide Formen gleichermaßen eine Herausforderung darstellt. Und was das in manchem neu gefasste kirchliche Arbeitsrecht für die Praxis der Zukunft bringt, werden wir noch sehen. Wichtig ist mir aber auch, dass wir als Kirche nicht ausgrenzen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Erzbischof Dr. Heße, für das Gespräch!

Mehr Informationen finden Sie hier: Erzbistumhamburg.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • 11986477_1177525795597620_1472160464983219317_nDienstag, 29. September 15 | 19:00 Uhr, Patrozinium St. Michaelis, ökumenische Eucharistie zusammen mit der Alt-katholischen Gemeinde Berlin, anschließend (ca. 20:15 Uhr) Rogate-Abend zum Monat der Diakonie: Testament und Patientenverfügung, mit Rechtsanwalt Holger Hillnhütter.
  • Freitag, 2. Oktober 2015 | 20:00 – 20:15 Uhr, Totenläuten zum Gebet für auf der Flucht gestorbene Flüchtlinge. Hier ein Schaukastenaushang für sich beteiligende Kirchengemeinden.
  • Eucharistie am 16. Sonntag nach Trinitatis: Freitag, 2. Oktober 2015 | 20:15 Uhr, Ökumenischer Gedenkgottesdienst für auf der Flucht gestorbene Menschen. Mit Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg, und Pfarrerin Beate Dirschauer, Flüchtlingskirche.
  • Samstag, 3. Oktober 2015 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pater Engelbert Petsch.
  • Dienstag, 6. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 13. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper
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