Fünf Fragen an: Sr. Thekla Schönfeld, Missionsärztliche Schwestern Berlin

Fünf Freitagsfragen an Sr. Thekla Schönfeld MMS, Missionsärztliche Schwestern Berlin, über das Leben mit Gott, den Einklang im gelebtem Apostolat und Orientierungsangebote für Frauen.

Sr. Thekla Schönfeld (Bild: MMS)

Thekla Schönfeld stammt aus Berlin, arbeitet als Lehrerin für Sonderpädagogik an einem katholischen Förderzentrum und engagiert sich in der Begleitung von jungen Frauen auf ihrem Berufungsweg.

Rogate-Frage: Schwester Thekla, warum sind Sie Ordensfrau geworden?

Thekla Schönfeld: Es war ein längerer Suchweg, der mich zum Ordensleben geführt hat. Ein Leben mit Gott hat mich schon immer fasziniert, – aber dafür in einen Orden eintreten? Und doch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass es noch mehr geben muss als eine gute Arbeit, eine schöne Wohnung und liebe Freunde. Und diese Sehnsucht nach einem Mehr an Leben hat mich so gelockt, dass ich es schließlich doch gewagt habe. Bis heute freue ich mich über diese Entscheidung.

Rogate-Frage: Warum haben Sie sich für die Missionsärztlichen Schwestern als Gemeinschaft entschieden?

Thekla Schönfeld: Ich habe die MMS als eine Gemeinschaft von Frauen kennengelernt, die bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit eine große Lebendigkeit ausstrahlen. Das hat mich angesprochen. Auch der Einklang von gelebtem Apostolat, Gebet und Gemeinschaftsleben kam mir sehr entgegen. Ich musste kein neuer Mensch werden, um einzutreten, sondern konnte mich mit allem, was ich an Fähigkeiten habe in die Gemeinschaft einbringen. Außerdem habe ich gespürt, dass die Spiritualität der Heilung auch etwas mit mir und meinem Leben zu tun hat.

Rogate-Frage: Wie würden Sie Ihre Ordensspiritualität beschreiben?

Thekla Schönfeld: Als Missionsärztliche Schwestern wollen wir, da wo wir sind, Gottes heilende Liebe leben und selbst daraus Kraft schöpfen. Unsere Gründerin, die österreichische Ärztin Dr. Anna Dengel, hat damals auf die medizinische Not von muslimischen Frauen eine konkrete Antwort gegeben – bis heute hat sich daraus das Charisma unserer Gemeinschaft entwickelt, „eine heilende Präsenz zu sein am Herzen einer verwundeten Welt“. Dies leben wir weltweit in unterschiedlichen Berufen und dies teilen auch unsere Assoziierten Mitglieder. Gebet und Arbeit fließen dabei ineinander, so sind Aktion und Kontemplation lebendige Aspekte unserer Spiritualität.

Rogate-Frage: Ihr Orden stellt sich unter anderem so vor: „In Zusammenarbeit mit gleichgesinnten PartnerInnen und Organisationen setzen wir uns ein für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ein solcher Einsatz führt zu einem aktiven Bemühen um die Gewährleistung der Würde und der Rechte einzelner Menschen und Gruppen. Er beinhaltet auch das Engagement für eine gerechtere Welt- und Wirtschaftsordnung. Gemeinsam mit anderen Organisationen und Netzwerken versuchen wir, das Bewusstsein zu schärfen für ungerechte Strukturen, die Menschen ausbeuten und entrechten und das Leben auf unserem Planeten gefährden.“ Wie äußert sich das konkret? 

Thekla Schönfeld: Unsere Gemeinschaft ist weltweit mit Menschen unterwegs, die am Rand der Gesellschaft stehen, Menschen in materieller Not, deren Rechte missachtet werden, Menschen die in sozialer Armut leben oder in Krisen stecken. Dieser Ungerechtigkeit versuchen wir zu begegnen, indem wir einerseits konkret mit den betroffenen Menschen arbeiten, zum Beispiel in Indien Frauen in Selbsthilfegruppen ermutigen, eigene Existenzwege zu gehen oder in einer Ambulanz für Wohnungslose in Frankfurt ausgegrenzten Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen, indem wir indigenen Gruppen in Lateinamerika helfen, für ihre Landrechte einzustehen oder hier in Berlin mit Frauen in Krisensituationen gemeinsam Auswege suchen.

Auf der anderen Seite verstehen wir uns als Partner in Netzwerken wie Oikocredit oder Südwind, sind aktiv im ethischen Investment und wollen – auch im Rahmen unserer Vertretung bei der UN – politische Wege gehen, um auf Unrecht aufmerksam zu machen und mit Gleichgesinnten alternative Wege zum bestehenden Weltwirtschaftssystem zu suchen.

Darüber hinaus wollen wir auch persönlich in einer bewussten Lebensweise und einem einfachen Lebensstil zur Bewahrung der Schöpfung beitragen.

Rogate-Frage: Sie laden Frauen ein zu einem „Orientierungsjahr – Du zeigst mir den Weg zum Leben“. Was passiert da und wer ist eingeladen?

Thekla Schönfeld: Das Orientierungsjahr haben wir 2015 zum zweiten Mal angeboten. Es ist ein Jahr, in dem Frauen eingeladen sind, Gottes Spuren auf ihrem Lebensweg nachzugehen, sie zu vertiefen und nach ihrer Sehnsucht zu fragen. Gemeinsam ist die Gruppe an vier Wochenenden in einem Jahr unterwegs. Hierbei tauschen sich die Frauen untereinander und gemeinsam mit dem Team aus, erhalten Impulse zu verschiedenen Themen und erleben Weggemeinschaft. Unser Team besteht aus Schwestern und Assoziierten Mitgliedern, die in verschiedenen Lebensformen ihre Berufung leben. Gemeinsam auf dem Weg zu sein, um die eigene Berufung zu entdecken oder eine bestehende zu vertiefen, erfahre ich auch als Bereicherung auf meinem persönlichen Glaubensweg.

Rogate: Vielen Dank, Sr. Thekla, für das Gespräch!

Mehr über die Missionsärztliche Schwestern finden Sie hier: MMS. Zum Orientierungsjahr für Frauen gibt es einen Flyer.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 27. Oktober 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 3. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 10. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 17. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 24. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 1. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 8. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstSonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg.
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Eine Antwort zu Fünf Fragen an: Sr. Thekla Schönfeld, Missionsärztliche Schwestern Berlin

  1. Chr.Schönfeld schreibt:

    Schön von so einem Weg zu lesen und zu merken daß die Befragte so zufrieden ist.
    Chr.Schö.

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