Fünf Fragen an: Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich

Fünf Freitagsfragen an Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, über das Bemühen seines Landes um einen menschlichen Umgang mit Vertriebenen und darüber, das Flucht kein Verbrechen und Asyl ein Recht ist.

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich (Foto: Uschmann)

Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich (Foto: Uschmann)

Michael Bünker, geboren 1954 in Leoben in der Steiermark, aufgewachsen in Kärnten. Lebt seit 1972 in Wien. Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Seit 2007 Generalsekretär der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE), seit 2008 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich.

Rogate-Frage: Herr Bischof Dr. Bünker, Grenzen für Vertriebene und geflüchtete Menschen öffnen oder schließen? Was ist christlicher?

Michael Bünker: Flucht ist kein Verbrechen. Asyl ist ein verbrieftes Recht. Mit Stacheldraht bewehrte Grenzen und die Rede von einer „Festung“ Europa, die es zu sichern gilt, widersprechen nicht nur christlichen Grundüberzeugungen, sondern auch den Grundwerten der Europäischen Union (EU). Realistisch betrachtet werden sich diese Maßnahmen auch als hilflos erweisen. Menschen, die vor Krieg und terroristischer Gewalt fliehen, werden sich dadurch nicht aufhalten lassen. Sie kommen nach Europa, weil sie hier Recht und Sicherheit erwarten. Das ist eine Stärke Europas, auf die wir stolz sein können.

Rogate-Frage: Welche europäischen Werte werden durch das Handeln sich abschottender Nationalstaaten verletzt?

Michael Bünker: Die Herausforderungen unserer Tag, wie Flucht und Migration, Klimawandel und Wirtschaftskrise, können nicht auf der Ebene der Nationalstaaten gelöst werden. Populistische Kräfte in vielen Ländern versuchen, diese Fiktion aufrecht zu halten und daraus politisches Kapital zu schlagen. Es braucht aber das solidarische Zusammenwirken aller, zu dem sich die Staaten der EU auch auf verbindlicher rechtlicher Grundlage verpflichtet haben. Das Problem ist die Umsetzung, wie die Ergebnisse der Verhandlungen auf EU Ebene von Mal zu Mal zeigen.

Rogate-Frage: Sind Sie mit der Flüchtlingspolitik der österreichischen Regierung einverstanden?

Michael Bünker: Österreich bemüht sich um einen menschlichen Umgang mit den Menschen, die auf der Flucht sind. Auch wenn es Tausende sind, die täglich über die Grenze kommen, werden sie aufgenommen, mit dem Nötigsten versorgt und wird ihnen geholfen, ihren Weg fortzusetzen. Etwa fünf Prozent von ihnen stellen ihren Antrag auf Asyl in Österreich. Das werden bis zum Jahresende rund 85 000 Menschen sein. Gemessen an der österreichischen Gesamtbevölkerung in etwa gleich viele wie in der Bunderepublik Deutschland. Sie haben Anspruch auf Betreuung durch den Staat. Da gilt es jetzt, geeignete Quartierte für die kalte Jahreszeit zu finden. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist groß. Flüchtlingskrisen der Vergangenheit (1956 Ungarn; 1992 Bosnien) zeigen, dass Österreich in der Lage ist, es zu schaffen. Die – oft unbegründeten und auf Uninformiertheit beruhenden – Ängste in manchen Teilen der Bevölkerung dürfen nicht zur Leitmaxime des politischen Handelns werden.

Rogate-Frage: Wie reagieren die evangelischen Gemeinden Ihres Landes auf den Zustrom der vielen Flüchtlinge?

Michael Bünker: Die Gemeinden der Evangelischen Kirche engagieren sich für die Aufnahme und Begleitung der Menschen, die bei uns Asyl suchen. Sie stellen Geld und Güter, Zeit und Räume zur Verfügung. Der Flüchtlingsdienst der Evangelischen Diakonie und die vielen Ehrenamtlichen arbeiten zusammen. Die Evangelischen, die hierzulande nur rund drei Prozent der Bevölkerung ausmachen, betreuen und begleiten in überproportionaler Weise Menschen, die auf der Flucht sind. Unsere Kirche nimmt einiges an Geld in die Hand, um diese Zusammenarbeit zu unterstützen und weiter auszubauen und zu fördern.

Rogate-Frage: Welche Erwartungen haben Sie angesichts der Situation an die anderen europäischen Kirchen? Greift eine geschwisterliche Solidarität?

Michael Bünker: Die Gemeinschaft der Kirchen ist in der Tat gefragt. Sie kann die nationalen Eigeninteressen zumindest relativieren. Da ist die Zusammenarbeit gefestigt. Neben dem Austausch gibt es gegenseitige Unterstützung. Gerade in diesen Tagen finden weitere Treffen zur Abstimmung statt, die die Flüchtlingskrise nicht nur in einen gesamteuropäischen, sondern darüber hinaus in einen internationalen Zusammenhang stellen. Die Kirchen wissen, dass wir es nicht mir einer vorübergehenden Herausforderung zu tun haben, sondern dass sich hier eine langfristige Veränderung abzeichnet, die unsere Gesellschaften, aber eben auch die Kirchen betrifft. Ihr Einsatz für ein friedliches Zusammenleben bei Respekt vor den Unterschieden wird zunehmend gefragt sein. Jede Kirche muss sich fragen, wie gut sie dafür vorbereitet ist. Die Werte, die sie aufgrund der biblischen Botschaft zu vertreten hat, geben die Richtung vor. Jesus sagt: Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan (Matthäus 25, 40b).

Rogate: Vielen Dank, Bischof Dr. Bünker, für das Gespräch!

Mehr über die Evangelische Kirche A.B. in Österreich finden Sie hier: Evang.at

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 3. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 10. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 17. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 24. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstDienstag, 1. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 8. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Sonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg.
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier. Hier unser Monatsplan November und Dezember.
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