Fünf Fragen an: Dr. Christian Stäblein, Propst der EKBO

Fünf Freitagsfragen an Dr. Christian Stäblein, Propst der EKBO, über die Vielfalt der Landeskirche, die Beteiligung der Gemeinden am Reformprozess und den Stellenwert der Geistlichen Begleitung.

Propst Dr. Christian Stäblein (Bild: EKBO)

Propst Dr. Christian Stäblein (Bild: EKBO)

Dr. Christian Stäblein ist seit Mitte August 2015 Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Der Propst ist der Stellvertreter des Bischofs und theologischer Leiter des Konsistoriums in Berlin. Dr. Christian Stäblein stammt aus Hannover. Nach Studien der evangelischen Theologie, Judaistik, Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaften wurde er im Jahr 2000 zum Pfarrer ordiniert. Vor seinem Wechsel nach Berlin war er zuletzt seit 2008 Studiendirektor des Predigerseminars der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum. Am Sonntag führt er im Kloster Lehnin die ersten von der Landeskirche ausgebildeten Geistlichen Begleiter ein. Die Ausbildung wurde u.a. von der Landespfarrerin für Spiritualität Andrea Richter initiert und geleitet.

Rogate-Frage: Herr Propst Dr. Stäblein, wie geht es Ihnen in Berlin und mit dem neuen Amt?

Christian Stäblein: Wie die Menschen mich aufnehmen und offen auf mich zugehen, das lässt mich sehr fröhlich Dienst tun im neuen Amt. Berlin ist mir auf diese der Stadt so eigentümliche Weise schnell wieder vertraut, obwohl es 20 Jahre her ist, dass ich damals nach dem Studium weggezogen bin. Ich genieße die Vielfalt und Buntheit Berlins, auch das Grün am Rand und in der Mitte. Und ich genieße die Weite und Vielfalt der ganzen Landeskirche: Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben hat ein Propst in dieser Landeskirche und welche Aufgaben reizen Sie dabei besonders?

Christian Stäblein: Der Propst ist theologischer Leiter des Konsistoriums, also der obersten Behörde der Landeskirche. Und zugleich ist er Stellvertreter des Bischofs. Es ist diese Mischung aus theologischer Grundsatzarbeit und geistlicher Leitung, die mich besonders reizt. Denn daraus ergibt sich eine Vielfalt, die beim Predigen in den vielen kleineren und größeren Kirchen der Landeskirche beginnt und beim Bedenken theologischer Grundfragen nicht aufhört – weil am Ende immer beides zusammen gehört: Verkündigung und Theologie.

Rogate-Frage: Es wird viel vom „Reformprozess“ geredet und geschrieben. Was kommt auf die Gemeinden und die evangelischen Kirchenchristen zu?

Christian Stäblein: Der Reformprozess der Landeskirche zeichnet sich dadurch aus, dass er ganz auf die Beteiligung der Gemeinden setzt. Insofern erwartet die Kirchengemeinden nichts, was sie nicht selber mitgestalten können. Das Überdenken der Positionen und auch der Strukturen kirchlicher Arbeit gehört zur evangelischen Kirche stets dazu, Reform ist ein Markenzeichen der Kirchen der Reformation. So erwarten und produzieren die Kirchengemeinden viele Ideen für die zukünftige Gestalt der Kirche. Vieles davon läuft schon und läuft sehr gut – etwa die Glaubenskurse, die in vielen Gemeinden angeboten werden. Auch dass wir jetzt eine „Flüchtlingskirche“ in St. Simeon in Kreuzberg haben, also eine Kirche, in der Menschen, die geflohen sind, und Ehrenamtliche, die ihnen helfen, beraten und begleitet werden, ist für mich ein Zeichen: diese Kirche ändert sich stets und sucht nach Antworten des Evangeliums für die Herausforderungen der Zeit. Gewiss zählt zu diesen Herausforderungen auch, die Entwicklung der Mitgliedszahlen und die demographische Entwicklung im Blick zu haben. Auch hierfür brauchen wir Antworten und Konzepte.

Rogate-Frage: Welche Bedeutung haben die Kommunitäten und Geistlichen Gemeinschaften mit ihrer eigenen Frömmigkeit für die protestantische Kirche heute und künftig?

Christian Stäblein: Eine große. Sie ergänzen die guten Traditionen der evangelischen Volkskirche und bilden eigene Anziehungspunkte, an denen Menschen den Geist ihres Lebens entdecken können.

Rogate-Frage: Eine lange Tradition hat die Geistliche Begleitung in der Kirche. In der EKBO hingegen sind erste Pflänzchen gesetzt, ein erster landeskirchlicher Ausbildungskurs endet im November. Wie wichtig ist Ihnen das Thema?

Christian Stäblein: Meine Erfahrungen mit geistlicher Begleitung in der Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer, für die ich in der Hannoverschen Landeskirche zuständig war, sind sehr gut. Die meisten Vikarinnen und Vikare haben einen geistlichen Begleiter oder eine geistliche Begleiterin und zehren oft sehr von diesem Austausch. Viele dieser Vikarinnen und Vikare haben später in ihren Gemeinden geistliche Übungen für den Alltag angeboten.
Ich freue mich darauf, im Gottesdienst zum Abschluss dieses ersten Ausbildungskurse Mitte November predigen zu dürfen. Die Begleitung durch Gottes Geist verwandelt unser Leben, andere Menschen auf ihrem Weg mit Gottes Geist begleiten zu dürfen, ihnen beizustehen und mit ihnen nach Gottes Spuren im eigenen Leben Ausschau zu halten, ist eine wichtige und wunderbare Aufgabe.

Rogate: Vielen Dank, Herr Propst Dr. Stäblein, für das Gespräch.

Mehr über die Landeskirche erfahren Sie hier: ekbo.de. Mehr über die Ausbildung zum Geistlichen Begleitenden in der EKBO erfahren Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Kapelle der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 17. November 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle
  • Dienstag, 24. November 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie mit Gedenken an die Toten in der Kapelle
  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstDienstag, 1. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle
  • Dienstag, 8. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Vesper in der Kapelle
  • Sonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg.
  • Dienstag, 15. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie in der Kapelle
  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar 2016.
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier. Hier unser Monatsplan November und Dezember.
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