Fünf Fragen an: Volker Beck, Die Grünen

Fünf Freitagsfragen an Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages, über eine Geste des Respekts, homosexuelle Menschen als Gottes Ebenbild und genug Ehe für alle. Ein Beitrag zum Tag der Menschenrechte.

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MdB Volker Beck (Bild Fabian Stürtz)

Volker Beck ist seit 1994 Kölner Bundestagsabgeordneter. Als Parlamentarier hat Volker Beck für eine Reihe von wichtigen gesellschaftlichen Modernisierungsprojekten gekämpft, so z.B. für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, ein Informationsfreiheitsgesetz und ein modernes Zuwanderungsrecht. Auch eine angemessene Erinnerungskultur und Wiedergutmachung von geschehenem Unrecht ist ihm wichtig: Deshalb setzt er sich seit Jahren für die Entschädigung für alle Opfer des Nationalsozialismus und für ein würdiges Gedenken ein. Als Menschenrechtspolitiker tritt er für die universale Geltung der Menschenrechte ein.

Rogate-Frage: Herr Abgeordneter Beck, wieso ist für Sie der Paragraph 175 heute immer noch wichtig?

Volker Beck: Verurteilungen nach dem § 175 StGB nach 1945 sind bis heute nicht aufgehoben. Die Opfer des Paragraphen wurden bis heute nicht entschädigt.

Rogate-Frage: Was bedeutet eine Rehabilitation für die Betroffenen der nach dem §175 Verurteilten und für das Rechtssystem der Bundesrepublik?

Volker Beck: Es ist vor allem eine Geste des Respekts. Den zu Unrecht Verurteilten wird damit ihre Ehre wieder zurückgegeben und der Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland  gesteht ihnen gegenüber seine verheerenden Irrtümer ein.

Rogate-Frage: Wie kann sich Ihre Partei hier engagieren? Was fordern Sie?

Volker Beck: Wir fordern, dass die Bundesregierung endlich einen Gesetzentwurf vorlegt, der alle menschenrechtswidrigen Verurteilungen von Homosexuellen aufhebt und die Opfer entschädigt. Der Bundesjustizminister darf sich hier nicht mehr in fadenscheinige Ausreden flüchten. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Rogate-Frage: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) wird künftig die Trauungen für homosexuelle Paare öffnen und gleichstellen. Die Bundesregierung zögert mit einer völligen Gleichstellung der registrierten Partnerschaften mit den Ehen. Ist die evangelische Kirche gesellschaftlich im Vergleich zum Staat weiter?

Volker Beck: Die Kirche sollte Frau Merkel ins Gebet nehmen: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat erkannt, dass auch homosexuelle Menschen Gottes Ebenbild sind. Die Bundesregierung dagegen kann sich immer noch nicht dazu durchringen, die homosexuelle Identität in die Achtung der Menschenwürde und die daraus resultierende Gleichheit vor dem Gesetz zu integrieren. Hier ignoriert sie systematisch die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts.

Rogate-Frage: Was wird aus der „Ehe für alle“?

Volker Beck: Der Gesetzentwurf des Bundesrates und meiner Fraktion liegt dem Bundestag vor. Nach dem vermurksten Herumdoktern am Lebenspartnerschaftsgesetz ist es Zeit für gleiche Rechte ohne wenn und aber. Das Eheschließungsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nimmt niemand etwas weg. Es ist genug Ehe für alle da.

Rogate: Vielen Dank, Herr Beck, für das Gespräch!

Weitere Informationen hier: volkerbeck.de

Zum Thema haben wir weitere Freitagsfragen veröffentlicht:

  • Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, über Unrecht an homosexuellen Männern, die Schuld des Staates und die Öffnung der Ehe für alle.
  • Ansgar Dittmar, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD, über den Einsatz für Gleichstellung in seiner Partei, Unrechtsurteile und politische Machbarkeiten in der Großen Koalition.
  • Georg Härpfer, Vorstandsmitglied der Schwulenberatung Berlin, über eine für manche tödliche Rechtssprechung, Verurteilungen in der jungen Bundesrepublik und den Verdacht, ein ‚175er‘ zu sein.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de
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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten (Auswahl) in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • 2015 12 13 Sternenkinder-GottesdienstSonntag, 3. Advent, 13. Dezember 2015 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pater Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, amtierender Superintendent im Kirchenkreis Schöneberg. Orgel: Dr. Julian Heigel.
  • Dienstag, 15. Dezember 15 | 19:00 Uhr, Eucharistie
  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar
  • Dienstag, 12. Januar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, ohne Gesang/Musik und mit viel Stille
  • Dienstag, 19. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 26. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Dienstag, 2. Februar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle
  • Freitag, 15. Juli 2016 | 19:30 Uhr, Eröffnungsgottesdienst zum 24. Lesbisch-schwulen Stadtfest des Regenbogenfonds. Mit Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Tempelhof-Schöneberg.
  • Hier unser Monatsplan Dezember 15/Januar 16. Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.
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4 Antworten zu Fünf Fragen an: Volker Beck, Die Grünen

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