Fünf Fragen an: Eberhard Amon, Deutsches Liturgisches Institut Trier

Fünf Freitagsfragen an Dr. Eberhard Amon, Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts, über biblische Liturgie, die Definition eines guten Gottesdienstes und die vielfältige Zukunft römisch-katholischer Messfeiern. Ein Beitrag zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2016.

Dr. Eberhard Amon (Bild: Deutsches Liturgisches Institut)

Dr. Eberhard Amon wurde 1948 geboren in Neckarsulm/Baden-Württemberg. Im Jahr 1967 gegann er das Studium der katholischen Theologie in Tübingen und Innsbruck. Es folgte 1974 die Priesterweihe. Er war zuerst Seelsorger in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 1983 promovierte er. 1998 wurde er Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts. Die Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten folgte 2002.

Rogate-Frage: Herr Dr. Amon, wie biblisch ist Liturgie oder wie liturgisch ist die Bibel aus Ihrer Sicht?

Eberhard Amon: „Von größtem Gewicht für die Liturgiefeier ist die Heilige Schrift.“ Dieser Satz aus der Liturgiekonstitution (Art. 24) des Zweiten Vatikanischen Konzils beschreibt den Stellenwert der Bibel für die Liturgie. Zugespitzt könnte man formulieren: Das einzige wirklich notwendige liturgische Buch ist die Bibel!

In der Bibel selbst wird von vielfältigen Gottesdiensten berichtet: Vom Opfer des Melchisedek (Genesis 14) über Kult und Gottesdienst in Tempel und Synagoge bis zu den Feiern der ersten christlichen Gemeinden (Apostelgeschichte 2; 1. Korinther 11).

Rogate-Frage: Was ist das Deutsche Liturgische Institut und wie arbeiten Sie?

Eberhard Amon: Das Deutsche Liturgische Institut (DLI), gegründet 1947, ist eine Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz und eine Studienstätte zur Förderung des Gottesdienstes der katholischen Kirche in Deutschland und im deutschen Sprachgebiet. Es versteht sich als Schnittstelle von wissenschaftlicher Theologie und liturgischer Praxis, von kirchlichen Institutionen und Gemeinden. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen und pastoralen Arbeit steht die Sorge um Formen des Gottesdienstes, in denen Menschen von heute ihren Glauben in der Gemeinschaft der Kirche ausdrücken und feiern können. Das DLI verfügt über eine liturgiewissenschaftliche Spezialbibliothek mit 75.000 Bänden, gibt die Zeitschriften „Liturgisches Jahrbuch“, „Gottesdienst“ und „praxis-gottesdienst“ heraus, bietet mit „Liturgie im Fernkurs“ ein Fernstudium an, veröffentlicht Handreichungen für die liturgische Praxis und koordiniert die Herausgabe der liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet.

Rogate-Frage: Was macht einen guten Gottesdienst aus?

Eberhard Amon: Ein „guter Gottesdienst“ lässt die Menschen die Nähe und Gegenwart Gottes und die Gemeinschaft der Kirche erfahren. Er befähigt sie zu einem Leben aus dem Glauben und zum Dienst am Nächsten.

Rogate-Frage: Wie sieht die Zukunft des römisch-katholischen Gottesdienstes aus? Welche Rollen nehmen die Laien künftig ein, welche die der Geistlichen?

Eberhard Amon: Die Zukunft des römisch-katholischen Gottesdienstes wird vielfältiger sein. Nach einer gewissen Konzentration auf die Feier der Eucharistie werden andere Gottesdienstformen mehr Gewicht bekommen: Wort-Gottes-Feiern, Wortgottes­dienste, Tagzeitenliturgie, Andachten, niederschwellige gottesdienstliche Feiern. Grund dafür sind der Priestermangel und damit zusammenhängend die Veränderung der pastoralen Strukturen sowie die wachsende Zahl der kirchlich Distanzierten. Haupt- und ehrenamtlich tätige Laien werden auch im Bereich des gottesdienstlichen Lebens mehr Verantwortung übernehmen (müssen). Aufgabe der Geistlichen wird es zunehmend werden, die Laien für ihre Dienste zu befähigen und sie zu begleiten.

Rogate-Frage: Der Papst hat für dieses Jahr 2016 ein Heiliges Jahr ausgerufen. Welche Auswirkungen hat eine solche Ausrichtung auf die Liturgie? Wie wird Barmherzigkeit erfahrbar?

Eberhard Amon: Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit dürfte vergleichsweise wenig Auswirkungen auf das gottesdienstliche Leben einer Pfarrei haben, da weder Veränderungen des Liturgischen Jahres noch der Leseordnung und der Tagzeitenliturgie zu erwarten sind. Üblicherweise stellen die zuständigen römischen Dikasterien Arbeitshilfen zur Verfügung, die auch liturgische Anregungen und Impulse enthalten. Das Thema Barmherzigkeit wird wohl häufiger in Predigten, Wortgottesdiensten und Andachten angesprochen werden.

Erfahrbar wird die Barmherzigkeit Gottes vor allem in den Texten der Heiligen Schrift, im Beispiel Jesu, in den Sakramenten und Segnungen und im Umgang miteinander.

Rogate: Vielen Dank, Herr Pfarrer Dr. Amon, für das Gespräch und Ihnen Gottes Segen für das neue Jahr!

Weitere Informationen finden Sie hier: Liturgie.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Gottesdienstliche Winterpause bis zum 12. Januar
  • Dienstag, 12. Januar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, ohne Gesang/Musik
  • Dienstag, 19. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 26. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Sonntag, 31. Januar 16 | 10:00 Uhr, Predigtgottesdienst, in der Zwölf-Apostel-Kirche. Liturgie: Bruder Willehad Kaleb RGSM
  • Dienstag, 2. Februar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle, mit Posaunenmusik
  • Dienstag, 9. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 16. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 23. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.
  • Hier unser Monatsplan Dezember 15/Januar 16.
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