Fünf Fragen an: Jennifer Timrott, Verein Küste gegen Plastik e. V.

Jennifer Timrott (Bild: Frank Timrott)

Fünf Freitagsfragen an Jennifer Timrott, Küste gegen Plastik e. V., über die Vermüllung der Meere, die zu nutzende Liebe zur See und warum plastikfreie Produkte ein Wert für alle sind.

Jennifer Timrott, Jahrgang 1969, ist Journalistin und lebt auf der nordfriesischen Hallig Hooge und in Friedrichstadt an der Eider. Sie liebt die Natur und die lebendige Landschaft des Wattenmeeres und ist Gründungsmitglied und Vorsitzende des Vereins „Küste gegen Plastik e. V.“.

Rogate-Frage: Frau Timrott, wie ist die Plastikmüll-Lage an der Wasserkante?

Jennifer Timrott: An vielen Stellen finden wir Plastikmüll in großen Mengen. Gerade gestern haben wir auf einer Sandbank vor der Halbinsel Eiderstedt zu zweit vier große Säcke mit Müll gefüllt. Wir hatten einen Bollerwagen dabei, um den Müll von der Sandbank zu holen, die man nach etwa einer halben Stunde Fußweg durch das Watt erreicht. Leider mussten wir noch eine Menge Müll zurücklassen, denn unser Wagen war übervoll mit Müllsäcken, Kisten und Eimern. Wir konnten nicht mehr tragen. Erschreckend war die große Menge der angespülten Getränkeflaschen.

Rogate-Frage: Sie engagieren sich gegen die Vermüllung der Meere. Wie ist es dazu gekommen?

Jennifer Timrott: Auf Hallig Hooge lebt man sehr nah an und mit der Natur. Die Lebendigkeit dieser Landschaft bedeutet mir viel. Nach einem Orkan im Herbst 2014, bei dem die Hallig überflutet war, bin ich nach dem Ablaufen des Wassers an die Halligkante gegangen und fand den Sommerdeich bunt vor: übersät mit Flaschen, Deckeln, Tauen, Luftballons, Spielzeugen, Putzmittelflaschen und Fischereizubehör. Dieser Anblick hat mich richtig empört. Ich hatte schon längere Zeit zuvor angefangen, über Plastik nachzudenken. Nachdem ich den Film „Plastic Planet“ von Werner Boote gesehen hatte, habe ich versucht, möglichst wenig Plastikverpackungen zu kaufen, und gemerkt, wie unfassbar schwierig das in einem hektischen Alltag ist. Aber in diesem Augenblick nach dem Sturm war ich wild entschlossen, etwas gegen die Plastikflut zu unternehmen.

Rogate-Frage: Warum nur Küste gegen Plastik? Geht das Thema nicht alle an?

Jennifer Timrott: Absolut. Es geht uns alle an. Aber als Küstenmenschen haben wir eine einmalige Chance, bei diesem Thema etwas anzustoßen. Viele Menschen lieben das Meer. Es bedeutet ihnen viel, sie verbringen hier eine gute Zeit und fühlen sich an der Küste oft in einer besonderen Weise von der Natur berührt. Wir möchten diese Liebe mobilisieren. Was man liebt, das will man schützen. Und die Meere haben unseren Schutz vor mehr Plastikverschmutzung ganz dringend nötig.

Rogate-Frage: Was tut Ihr Verein? Wie setzen Sie sich gegen konkret für eine Verbesserung der Lage ein?

Jennifer Timrott: Zunächst natürlich einmal ganz pragmatisch, in dem wir Müll sammeln. Aber machen wir uns nichts vor: was am Strand liegt, macht nur etwa 15 Prozent des gesamten Meeresmülls aus. Der größte Teil liegt ja am Meeresboden. Und er benötigt viele hundert Jahre, um in Plastikkrümel zu zerfallen.
Ganz wichtig ist es, dass nicht noch mehr Plastik in die Meere gelangt. Wir sollten also aufhören, so viel Plastik zu verbrauchen. Wenn man aber als Mensch, der möglichst kein Plastik mehr kaufen möchte, versucht, durch den Alltag zu kommen, stößt man schnell an seine Grenzen.
Man muss sich mal vorstellen, was man in einem Supermarkt noch kaufen kann, wenn man sich mal alle Produkte wegdenkt, die in Plastik verpackt sind.
Deswegen finden wir es wichtig, die Hersteller der Produkte, die wir zum täglichen Leben benötigen, in die Pflicht zu nehmen, und sie aufzufordern, in bessere Verpackungen zu investieren. Wir müssen es gemeinsam hinkriegen, dass beim Hersteller ankommt: plastikfreie Produkte sind ein Wert, wir wollen das so nicht mehr kaufen. Auch wenn wir es noch oft genug müssen, weil Alternativen derzeit nur aufwändig zu beschaffen sind.
Vor ein paar Jahren gab es im ganz normalen Supermarktsortiment so gut wie keine veganen Produkte. Heute sieht das oft schon anders aus, weil die Hersteller wahrgenommen haben, dass einer großen Anzahl Leute solche Produkte wichtig sind. Eine solche Entwicklung wünsche ich mir auch beim Thema Plastik. Deswegen planen wir gerade in Kooperation mit einem Supermarkt in Niebüll eine Aktion, bei der Kunden sagen können: dieses Produkt gefällt mir, aber ich würde das in einer anderen Verpackung lieber kaufen.

Rogate-Frage: Was können wir im Binnenland tun? Wie sieht aus Ihrer Sicht ein verantwortliches und ökologisches Verbraucherverhalten aus?

Jennifer Timrott: Es wäre wunderbar, wenn alle Leute, die sich mit Produkten aus Plastik unwohl fühlen, darüber reden. Miteinander und in Richtung der Hersteller. Wenn man versucht, auf Plastik zu verzichten, und merkt, dass es nicht so einfach ist, passiert es ganz schnell, dass man aufgibt. Dass man sich vielleicht auch etwas beschämt fühlt, weil man die guten Vorsätze nicht wie gewünscht umsetzen konnte. Und dann schweigt man eher, und macht eben weiter wie gewohnt. Besser wäre es, zu sagen: Ich würde gern anders handeln und anders einkaufen, aber das geht nicht so einfach und das ärgert mich. Man kann Hersteller ja auch mal auf ihren Facebook-Seiten oder mit einer E-Mail ansprechen und sagen: Das Produkt finde ich okay, aber über die Verpackung habe ich mich echt geärgert. Es gibt nämlich schon sehr viele Leute, die das Thema Plastik bewegt – das muss nun bei den Herstellern ankommen und als Nachfrage wahrgenommen werden. Dann ändert sich auch etwas, davon bin ich überzeugt. Wir müssen das gemeinsam hinbekommen.

Rogate: Vielen Dank, Frau Timrott, für das Gespräch!

Mehr Infos finden Sie hier: Küste gegen Plastik e. V. und hier jennifer-timrott.de

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Fällt aus: Dienstag, 26. Januar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle. (Wegen einer Vermietung der Kirche durch die Gemeinde muss diese Vesper ausfallen)
  • Sonntag, 31. Januar 16 | 10:00 Uhr, Predigtgottesdienst, in der Zwölf-Apostel-Kirche. Liturgie: Bruder Willehad Kaleb RGSM
  • Dienstag, 2. Februar 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie, in der Kapelle.
  • Dienstag, 9. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 16. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Dienstag, 23. Februar 16 | 19:00 Uhr, Vesper, in der Kapelle
  • Karfreitag, 25. März 16 | 15:00 Uhr, Kreuzweg, Michaelskirche, Bessemer Straße 97/101, 12103 Berlin-Schöneberg, Bus 106 (Richtung Lindenhof)
  • Ostersonntag, 27. März 16 | 6:00 Uhr, Ostermorgengottesdienst der Gemeinde Alt-Tempelhof (mit Beteiligung des Rogate-Klosters), Dorfkirche Tempelhof, Am Reinhardtplatz, 12103 Berlin-Tempelhof, U Alt-Tempelhof
  • Ostermontag, 28. März 16 | 11:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin, Zwölf-Apostel-Kirche

Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier. Hier unser Monatsplan Dezember 15/Januar 16.

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