Fünf Fragen an: Dr. Heiner Koch, Erzbischof des Erzbistums Berlin

Fünf Freitagsfragen an Dr. Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, über die Begegnung mit trans- und homosexuellen Flüchtlingen, das Verhältnis der katholischen Kirche zu ihnen und das Engegament seines Bistums gegen Gewalt.

2015-07-09_EB-Koch-Portrait_154n

Erzbischof Dr. Heiner Koch (Bild: Erzbistum Berlin)

Erzbischof Dr. Koch stammt aus Düsseldorf. Seine Promotion trägt den Titel: „Befreiung zum Sein als Grundperspektive christlicher Religionspädagogik“. Nach seiner Priesterweihe am 13. Juni 1980 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln wechselte. Dort war er erst in der Erwachsenenseelsorge tätig und dann Leiter der Hauptabteilung Seelsorge. Papst Johannes Paul II. ernannte Koch am 19. September 1993 zum Kaplan Seiner Heiligkeit (Monsignore), und am 10. Februar 1996 zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Nach seiner Priesterweihe am 13. Juni 1980 arbeitete er zunächst in der Seelsorge, bevor er ins Erzbischöfliche Generalvikariat Köln wechselte. Von 2002 bis 2005 leitete Heiner Koch als Generalsekretär die Vorbereitung und Durchführung des Weltjugendtags in Köln.

Seit Februar 2010 ist Dr. Heiner Koch als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Deutsche Auslandsseelsorge zuständig. Seit Januar 2013 war er der 49. Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Zum Erzbischof von Berlin ernannt am 8. Juni 2015. Als zehnter Bischof des Erzbistums Berlin hat Verbindungen zu dreien seiner Vorgänger: Mit Kardinal Woelki zusammen war er Weihbischof im Erzbistum Köln unter Kardinal Meisner. Mit Kardinal Sterzinsky arbeitete er schon als Weihbischof in der Familienkommission der Deutschen Bischofskonferenz, ihm folgte er als Vorsitzender dieser Kommission nach.

Rogate-Frage: Herr Erzbischof Dr. Koch, Sie haben sich im Januar mit geflüchteten trans- und homosexuellen Menschen im Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) getroffen. Wie kam es zu dieser besonderen Begegnung?

Heiner Koch: Nach meinem Einführungsgottesdienst in Berlin sprach mich ein Mann an, der aus seiner Heimat wegen der kriegerischen Zustände und wegen seiner homosexuellen Prägung fliehen musste. Es sei ihm nicht mehr möglich, in seiner Heimat in Menschenwürde und Freiheit zu überleben und zu leben. Diese Begegnung wurde in mir wieder lebendig, als ich vom Engagement unseres Caritas-Verbandes für die Flüchtlinge und auch für homosexuelle Menschen erfuhr. Es war mein Anliegen, die betroffenen Menschen zu treffen und von ihrem Leben zu hören.

Rogate-Frage: Was hat Sie bewegt?

Heiner Koch: Die Schilderung der kriegerischen Auseinandersetzung und die Dramatik der Flucht vieler Flüchtlinge sind erschütternd. Es hat mich aber auch zutiefst bewegt, wenn Menschen mir erzählen, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Prägung von Mitflüchtlingen verbal und tätlich angegangen werden und für ihre besondere Notsituation auch bei unseren Behörden und Sicherheitskräften oft nur ein geringes Verständnis finden. Es hat mich sehr bewegt, dass eine junge Frau an meiner Seite bei diesem Gespräch einen Weinkrampf bekam.

Rogate-Frage: Was muss sich ändern, damit sich die Situation dieser Flüchtlingsgruppe verbessert? Was können Sie als Bischof und katholische Kirche konkret tun?

Heiner Koch: Ich habe mir vorgenommen, Politik und Kirche auf die besondere Problematik solcher Flüchtlinge hinzuweisen. Unsere Caritas will sich dafür einsetzen, dass die Betreiber von Unterkünften sowie Sicherheitsfirmen auf die Probleme homosexueller und transgeschlechtlicher Flüchtlinge Rücksicht nehmen.

Rogate-Frage: Das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu Menschen mit homosexueller Identität ist nicht einfach. Wird sich daran etwas spürbar ändern?

Heiner Koch: Die katholische Kirche vertritt ein ganzheitliches Verständnis menschlicher Sexualität: Sie gehört zum Wesen des Menschen und Persönlichkeit. Sie ist in ihrer Polarität auf besondere Lebensgemeinschaft von Mann und Frau ausgerichtet und ist integriert in die wachsende und reifende Verbindlichkeit zweier Menschen: Je tiefer diese Verbindlichkeit wird, umso intensiver soll auch die Sexualität gelebt werden, Sexualität soll nicht unverbindlich sein. Sexualität ist für uns Christen auch Teilhabe an der Schöpfungswirklichkeit Gottes und dient auch der Weitergabe des menschlichen Lebens. Die Sexualität zwischen zwei Menschen soll ihre größte Dichte erfahren, wenn zwei Menschen sich ihre größte Verbindlichkeit versprechen: Du kannst Dich auf mich ein Leben lang verlassen. Wenn zwei Menschen in ihrer größten Freiheit dieses Versprechen einander geben und ihre Sexualität die größte Tiefe erreicht, ist der Punkt gekommen, dass zwei Menschen auch die geistliche Dimension der Sexualität leben und sich das Ehesakrament spenden: In ihrer Liebe ist Christus gegenwärtig und sie leben in ihrer Ehe und Familie die Gegenwart Christi und der Kirche in dieser Welt. Ich weiß, dass dieses ganzheitliche Verständnis von Sexualität von vielen Menschen in unserer Gesellschaft nicht geteilt wird. Diese Differenz sehe ich aber zu vielen Menschen heterosexueller Prägung genauso zu vielen Menschen homosexueller Prägung. Auf jeden Fall aber gilt, dass die Würde eines Menschen unantastbar ist, unabhängig von seiner sexuellen Prägung. Dazu stehen wir Christen, gerade weil wir in jedem Menschen Christus sehen und wir ihn als gutes Geschöpf Gottes hochachten. Dass auch Christen und die Kirche im Hinblick auf trans- und homosexuelle Menschen Schuld auf sich geladen haben, ist unbezweifelbar. Allerdings darf dies nicht missverstanden werden in dem Sinne, dass wir alle Weisen der Menschen, ihre Sexualität zu gestalten, gleichermaßen wertschätzen. Hier wird es auch in Zukunft deutliche Auseinandersetzungen geben. Sie in gegenseitiger Hochachtung und Wertschätzung zu führen, ist die Herausforderung.

Rogate-Frage: Manche evangelischen Kirchen haben sich zu einer Schuld an der Verfolgung und Ausgrenzung von trans- und homosexuellen Menschen in Vergangenheit und Gegenwart bekannt und um Vergebung gebeten. Ist so etwas von römisch-katholischer Seite denkbar?

Heiner Koch: Schon Papst Johannes Paul II hat unmissverständlich klar gemacht, dass da, wo Menschen wegen ihrer sexuellen Neigung oder Identität verfolgt, vertrieben, eingesperrt oder sogar mit dem Tode bedroht sind, die katholische Kirche ihre Stimme erheben und widersprechen muss. Das ist der Maßstab unseres Handelns.

Rogate: Vielen Dank, Herr Erzbischof Dr. Koch, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden Sie hier: Erzbistum Berlin

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 1. März 16 | 19:00 Uhr, Eucharistie „Brot und Liebe“, in der Kapelle (Sakristei)
  • Donnerstag, 3. März 16 | 19:30 Uhr, Andacht “Die sieben Worte Jesu am Kreuz”, in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 8. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Vikarin Tanja Pilger-Janßen, Zwölf-Apostel-Gemeinde
  • Donnerstag, 10. März 16 | 19:30 Uhr, Komplet in der Passionszeit, Nachtgebet in der Kapelle (Sakristei)
  • Dienstag, 15. März 16 | 19:00 Uhr, PassionsvesperGroßes Herz. Sieben Wochen ohne Enge” mit Superintendent Uwe Simon, Kirchenkreis Oberes Havelland.
  • Hier unser Monatsplan März 2016. Unseren Fördervereinsflyer finden Sie hier.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Fünf Fragen. abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Fünf Fragen an: Dr. Heiner Koch, Erzbischof des Erzbistums Berlin

  1. kitschautorin schreibt:

    Menschen, die nicht alle Menschen gleich anerkennen, nur weil die das gleiche Geschlecht lieben, machen mich traurig und haben mich lange von einer richtigen Beziehung zu Gott abgehalten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s