Fünf Fragen an: Klaus Rieth, Kirche in Württemberg

Fünf Freitagsfragen an Klaus Rieth, Kirchenrat der Württembergischen Evangelischen Landeskirche, über die Reaktion der Gemeinden im Ländle auf den Zustrom geflüchteter Menschen und eine bundesweit gefragte mehrsprachige Gottesdienst-Hilfe.

http://www.elk-wue.de/

Kirchenrat Klaus Rieth (Bild: ELK Wue)

Klaus Rieth kommt aus Baden-Württemberg, studierte Theologie und Germanistik in Tübingen und Zürich. Nach dem Pfarrdienst in Stuttgart, arbeitete er in der Schweiz als Zeitungsredakteur. Später war er bei „Brot für die Welt“ für die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising zuständig. Derzeit leitet er das Referat für Mission, Ökumene und Entwicklung beim Oberkirchenrat der Württembergischen Evangelischen Landeskirche in Stuttgart.

Rogate-Frage: Herr Kirchenrat Rieth, wie reagiert Ihre Landeskirche auf den Zustrom geflüchteter und vertriebener Menschen nach Württemberg?

Klaus Rieth: Die Württembergische Landeskirche reagiert auf die ankommenden Flüchtlinge, indem sie Kirchengemeinden ermutigt, vor Ort tätig zu werden. Außerdem bekommt jeder Kirchenbezirk einen Flüchtlingsbeauftragten, um die Aktivitäten zu koordinieren. Unsere Kirchengemeinden reagieren äußerst positiv und engagieren sich in hohem Maße, um die Ankommenden willkommen zu heißen.

Rogate-Frage: Wie wird in Ihren Kirchengemeinden und den Werken über die Lage diskutiert?

Klaus Rieth: Wenn Gemeindeglieder verunsichert sind, dann soll das vor Ort zur Sprache gebracht werden können. Wir nehmen es ernst, wenn Menschen Angst vor Fremden haben und versuchen, darauf angemessen zu reagieren. In Einzelgesprächen mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, in Gruppen oder in besonders einberufenen Flüchtlingskreisen. Wir haben als Landeskirche auch alle Akteure auf diesem Gebiet zusammengerufen, um so einen Austausch an Erfahrungen vornehmen zu können und wir haben eine Task Force eingerichtet in der Kirchenleitung, in der jeden Dienstag die aktuelle Lage besprochen und beraten wird.

Rogate-Frage: Sie haben eine arabische Gottesdienst-Hilfe erstellt. Warum?

Klaus Rieth: Weil wir der Ansicht sind, dass arabisch sprechende Flüchtlinge, die ein Interesse an unserer Kirche haben, so am besten in unsere Gottesdienstkultur eingeführt werden können. Wir haben immer wieder Familien, die in unseren Gottesdiensten am Sonntag sitzen, weil sie es gewohnt sind, sonntags zur Kirche zu gehen, die aber kein Wort verstehen. Dem wollten wir etwas entgegenstellen zum besseren gegenseitigen Verständnis.

Rogate-Frage: Wie ist die Übersetzung entstanden und haben Sie schon Rückmeldungen, wie diese angenommen wird?

Klaus Rieth: Wir haben arabisch sprechende Christen, die uns bekannt sind, bei der Übersetzung um Hilfe gebeten. Überwältigt waren wir allerdings wie groß der Bedarf an solchen Übersetzungen ist. Wir erhielten Anfragen aus der ganzen Bundesrepublik, auch aus Berlin, und haben unseren Entwurf dann weitergegeben. Mittlerweile gibt es Übersetzungen in sechs verschiedenen Sprachen, auch in Syrisch.

Rogate-Frage: Wird sich die Arbeit in den Gemeinden durch den Zustrom nachhaltig verändern?

Klaus Rieth: Ich denke schon, dass sich vieles verändern wird. Allein die Hilfsbereitschaft unserer Gemeindeglieder ist ein deutliches Zeichen an die Umgebung: Christen engagieren sich! Dass wir lernen müssen, mit den Fremden zu leben, ihre Kultur zu verstehen und ihnen bei der Integration zu helfen, ist ein weiteres Anliegen. Jugendgruppen sind gefragt, sich zu öffnen, Unsere Gottesdienste können neue Elemente aufnehmen. Das Leben in einer Kirchengemeinde wird bunter.

Rogate: Vielen Dank, Herr Kirchenrat Rieth, für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie hier: elk-wue.de/helfen/fluechtlinge-und-migranten.

Das Gottesdienstfaltblatt hier in armenischer und in syrischer/arabischer Sprache. 

Zum Thema Gottesdienst siehe auch:

  • Landesbischof Gerhard Ulrich, Nordkirche und Leitender Bischof der VELKD, über die Definition eines lutherischen Gottesdienstes, situationsgemäße Liturgie und die Relevanz der Tradition.
  • Prof. Dr. Alexander Deeg, Universität Leipzig, über gute Gottesdienste, überzeugende Feierformen und die Wertschätzung der Eucharistie.
  • Prof. Dr. Stephan Weyer-Menkhoff, Universität Mainz, über den Unterschied von Gottesdienst, Andacht und Stundengebet, wie das Evangelium gottesdienstlich den Einzelnen trägt und das Stehen in den Horen.
  • Pastorin Anita Christians-Albrecht, Plattdeutschbeauftragte der Landeskirche Hannovers, über ‚Gott up Platt – Wat sall dat?‘, ‚Gott sien Lüüd‘ und „Gott deep mitföhlen deit“.
  • Prof. Traugott Roser, Universität Münster, über das Segnen im Lebenslauf, eine neue kirchliche Sensibilität für das Thema „Lebensformen“ und warum das Nichtsegnen Fluch ist.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 19. April 16|19:00 Uhr, VESPER “Liebeskummer“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 21. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET „Vergeben“
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieDienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER „Hochzeit“, das Abendgebet
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Hier unser Aushang April 2016.
  • Sonntag Rogate, 1. Mai 16 | 10:00 Uhr, Eucharistie, Predigt: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät an der Humboldt-Universität
  • Dienstag, 3. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER am Tag der Apostel Philippus und Jakobus das Abendgebet, in der Kirche
  • Donnerstag, 5. Mai 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE an Christi Himmelfahrt
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Fünf Fragen. abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Fünf Fragen an: Klaus Rieth, Kirche in Württemberg

  1. Pingback: Fünf Fragen an: Stephan Weyer-Menkhoff, Professor an der Universität Mainz | Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

  2. Pingback: Fünf Fragen an: Gerhard Ulrich, Leitender Bischof der VELKD | Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

  3. Pingback: Fünf Fragen an: Prof. Traugott Roser, Universität Münster | Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

  4. Pingback: Fünf Fragen an: Prof. Alexander Deeg, Universität Leipzig | Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

  5. Pingback: Fünf Fragen an: Pastorin Anita Christians-Albrecht, Plattdeutschbeauftragte der Landeskirche Hannovers | Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

  6. Pingback: 25 Fragen zum Gottesdienst: 25 Antworten heute hier. | Rogate-Kloster Sankt Michael zu Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s