Fünf Fragen an: Alfred Herrmann, Autor „Gott suchen: Männerorden in Deutschland“, Bonifatius Buchverlag

Fünf Freitagsfragen an Alfred Herrmann, Autor von „Gott suchen: Männerorden in Deutschland„, über die Verschiedenheit der Männerklöster in Deutschland, die Freiheit zur Gottsuche und Hoffnung in „burning persons“ für die Zukunft der Orden.

Alfred Herrmann

Alfred Herrmann (Foto: Walter Wetzler)

Alfred Herrmann, geboren 1972 in Würzburg, studierte Literatur, Geschichte und Katholische Theologie in Berlin. Als Redakteur für Kirchenfragen und spirituelles Leben schrieb er zunächst für die katholische Wochenzeitung „Neue Bildpost“ und war anschließend Pressesprecher für das Spendenhilfswerk „Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken“. Heute lebt und arbeitet Herrmann als freier Journalist und Autor in Berlin.

Rogate-Frage: Herr Herrmann, wie sind Sie auf die Idee zum Ihrem Buch „Gott suchen: Männerorden in Deutschland“ gekommen?

Alfred Herrmann: Die Vielzahl von katholischen Männerorden, allein über 60 gibt es in Deutschland, hat mich fasziniert. Neben den bekannten Gemeinschaften wie Benediktinern, Franziskanern, Jesuiten leben Männer in Orden wie den Redemptoristen, den Augustiner Chorherren oder den Comboni-Missionaren nach den drei evangelischen Räten in Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut. Doch wo liegen die Unterschiede? Welche spirituellen Wege beschreiten die Gemeinschaften? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie engagieren sie sich in der Welt von heute? Was kann man als spiritueller Mensch von ihnen lernen? Diesen Fragen bin ich nachgegangen.

Rogate-Frage: Was war Ihnen bei diesem Buch besonders wichtig?

Alfred Herrmann: Gerade das Christentum bietet Wege tiefen geistlichen Lebens. Jede Ordensgemeinschaft steht für einen eigenen spirituellen Weg, jede beruft sich auf eine spirituelle Tradition. All diese unterschiedlichen Wege haben sich in einer fast 2.000-jährigen Geschichte historisch entwickelt. Sie gründeten sich als Antwortversuche auf die Probleme, Anliegen und Denkansätze ihrer Zeit. Das benediktinische Mönchtum, die franziskanischen Wanderprediger, die Innerlichkeit des teresianischen Karmels, der individuelle Charakter der Jesuiten, das aktive Handeln der Steyler-Missionare, an den Orden lässt sich die reiche Vielfalt an geistlichem Leben im Christum ablesen. Ein ungemeiner Schatz. Heute existieren diese Wege zeitgleich und können Antworten geben, auf die Situation dieser Zeit. Im Buch stehen die Wege nun nebeneinander. Und anhand einzelner Ordensmänner zeigt sich, wie sie konkret gelebt werden.

Rogate-Frage: Hat Sie etwas in der Recherche überrascht oder erstaunt?

Alfred Herrmann: Ordensleben macht frei, frei für die Gottsuche, frei für den Einsatz für andere. Die Ordensmänner, mit denen ich gesprochen habe, waren alles andere als weltfremde Menschen, die hinter Klostermauern weggeschlossen ein aufgezwungenes, stark reglementiertes Leben führen. Vielmehr lernte ich lebensfrohe Menschen kennen, die sich aufgrund ihrer Lebensentscheidung und mit der Unterstützung ihrer Gemeinschaft voll und ganz für die Ideale ihres Ordens einsetzen und ungemeines bewegen. Überrascht haben mich neue Gemeinschaften, Gründungen der letzten 30 Jahre, wie die „Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem“, die eine neue Interpretation monastischen Lebens mitten in europäischen Metropolen wie Köln und Paris wagen. Daneben war es das internationale Gesicht, das die Ordenslandschaft mittlerweile in Deutschland angenommen hat. So besiedelten vietnamesische Zisterziensermönche vor kurzem ein altes Kloster bei Rüdesheim, indische Vinzentiner betreiben Exerzitienzentren in Freudenstadt und Berlin, polnische Franziskaner-Minoriten übernahmen Konventstandorte der deutschen Provinz und so weiter. Zudem erstaunten mich Aufbrüche etablierter Orden, die sich mit innovativen Ansätzen den veränderten Voraussetzungen der heutigen Zeit stellen.

Rogate-Frage: Ihr Buch trägt den Titel „Gott suchen“. Wie viele Wege zu ihm haben Sie bei den Männerorden in Deutschland entdeckt?

Alfred Herrmann: Jeder Orden lebt seinen eigenen spirituellen Weg. Allerdings lassen sich zentrale Wege ausmachen. Da wären zum Beispiel die Mönche. Benediktiner, Trappisten, Zisterzienser, Kartäuser ziehen sich aus dieser Welt zurück und suchen Gott im Schweigen, in der Stille, in der Einsamkeit, in einem asketischen Leben, im gemeinsamen Lobpreis. Die augustinischen Orden suchen Gott in einem intensiven Gemeinschaftsleben. Sie wollen eine Gemeinschaft bilden, in der alle wie ein Herz und eine Seele sind. Sogenannte Bettelorden wie die Franziskaner und die Dominikaner suchen Gott im Nächsten und damit im Diesseits, in der Schöpfung, in der Wissenschaft, im notleidenden Mitmenschen. Karmeliten suchen Gott in ihrem eigenen Innern, in der Versenkung, die Jesuiten suchen ihn in allen Dingen. Ordenskongregationen die im 19. und 20. Jahrhundert entstanden sind, spüren Gott nach, indem sie mit ihrem aktiven Handeln vom Evangelium Zeugnis geben, in der Seelsorge, in der Flüchtlingshilfe, in Jugendhilfeeinrichtungen, in Schulen, in Obdachlosenküchen, in der Entwicklungshilfe.

Rogate-Frage: Sie haben sich intensiv mit den Orden in Deutschland beschäftigt. Welche Zukunft sehen Sie für die Klöster und Gemeinschaften in Deutschland?

Alfred Herrmann: Die starken Eintrittsjahrgänge aus Zeiten der katholischen Volkskirche sind in die Jahre gekommen. Deutlich weniger Männer traten in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland in einen Orden ein. Daher prägt heute Überalterung die Ordenslandschaft. Einige Gemeinschaften werden sich aus Deutschland zurückziehen, die meisten anderen sich deutlich verkleinern, Klöster und Niederlassungen schließen. Zahlreiche Orden gaben mittlerweile ihre großen Werke, wie Schulen, Krankenhäuser oder landwirtschaftliche Betriebe ab oder überführten sie in neue Trägerstrukturen. Dennoch, das Ordensleben hat Zukunft in Deutschland. Nur sieht diese anders aus, wie das bislang bekannte Bild, aber nicht weniger wirkmächtig. Wer heute in einen Orden eintritt, ist meist schon etwas älter. Er sucht sich sehr bewusst und ganz im Sinne einer individualistisch geprägten Gesellschaft seine Gemeinschaft aus. Statt großer, abgeschlossener Klöster gibt es schon heute mehr und mehr kleine Konvente in Mietwohnungen. Statt in ordenseigenen Betrieben zu arbeiten, sind Ordensmänner frei für neue Aufgaben, für Berufe im Alltag der Gesellschaft. Sie sind flexibler, um auf die Nöte der Zeit zu reagieren und an die Ränder der Gesellschaft zu gehen. Konvente entwickeln sich zu geistlichen Zentren in einer säkularen Gesellschaft und Ordensmänner zu „burning persons“ und Impulsgebern mitten unter den Menschen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Herrmann, für das Gespräch.

Das Buch „Gott suchen: Männerorden in Deutschland„ist im Bonifatius Buchverlag erschienen. Es hat 481 Seiten und kostet 29,90 Euro.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der gastgebenden Ev. Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Dienstag, 26. April 16|19:00 Uhr, VESPER (in der Ordnung des Ev. Gesangbuchs Nr. 785), mit Gedenken an die Opfer der Kernkraftkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986
  • Donnerstag, 28. April 16|19:30 Uhr, KOMPLET, Nachtgebet
  • Rogate Kl_Aushang_Rogate Sonntag_090316-2 KopieHier unser Aushang April 2016.
  • Sonntag Rogate, 1. Mai 16 | 10:00 Uhr, Eucharistie, Predigt: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät an der Humboldt-Universität
  • Dienstag, 3. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER am Tag der Apostel Philippus und Jakobus das Abendgebet, in der Kirche
  • Donnerstag, 5. Mai 16|19:30 Uhr, EUCHARISTIE an Christi Himmelfahrt. Orgel: Manuel Rösler.
  • Dienstag, 10. Mai 16|19:00 Uhr, VESPER, das Abendgebet
  • Donnerstag, 12. Mai 16|19:30 Uhr, KOMPLET, das Nachtgebet
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