Fünf Fragen an: Daniel Bröckerhoff, Journalist und „heuteplus“-Moderator

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Daniel A. Bröckerhoff (Foto: danielbroeckerhoff.de)

Fünf Freitagsfragen an Daniel Bröckerhoff, ZDF-Moderator, über die Berufung zum Journalismus, eine Nachrichtensendung als Lebenstraum und die Distanz zu organisierter Religion.

Daniel Bröckerhoff ist gebürtiger Duisburger und Wahl-Hamburger, pendelt aber seit einem Jahr regelmäßig nach Mainz, um dort die neue Nachrichtensendung heuteplus zu moderieren. Der Vater von zwei Töchtern ist bekennender Sambista und hat sich jahrelang in der Naturschutzjugend engagiert.

Rogate-Frage: Herr Bröckerhoff, was hat Sie in den Journalismus getrieben? Eine Berufung?

Daniel Bröckerhoff: Journalismus ist sicher eine Art Berufung für mich. Ich war immer sehr neugierig, wollte verstehen, was die Welt im Innersten zusammen hält, war für Physik aber zu rechenfaul. Und ich wollte Menschen immer erklären, was ich herausgefunden habe. Außerdem stehe ich seit meiner frühen Kindheit gern auf Bühnen, wäre ich nicht Journalist geworden, hätte es mich zu einer Musikerkarriere gezogen. Als Moderator kann ich jetzt beides gut miteinander vereinen.

Rogate-Frage: Sie moderieren „heuteplus“. Was ist für Sie das Besondere an diesem Format?

Daniel Bröckerhoff: heuteplus ist die erste Nachrichtensendung, die sich an ein jüngeres oder jung gebliebenes Publikum richtet und vor allem im Internet stattfindet. Wir senden zwar auch im „großen“ ZDF,  aber unsere Internetpräsenz hat eigentlich Vorrang. Das heisst, dass wir unsere Beiträge immer zuerst in die sozialen Medien hochladen und uns dort an den Diskussionen beteiligen. Wir senden auch zuerst im Internet, jeden Abend um 23:00 Uhr auf heute.de und auf Facebook, die TV-Sendung ist quasi der letzte Arbeitsschritt. Auch wenn wir dort immer noch das größere Publikum erreichen.

Für mich ist diese Sendung ein Stück weit wahr gewordener Lebenstraum. Denn sie nimmt das Internet wirklich ernst, aber sich selber nicht immer so sehr. Wir können Dinge machen, die andere Nachrichtensendungen nicht machen würden, wir dürfen flappsiger und unterhaltsamer, aber auch kantiger sein und Haltung zeigen. Als Moderator bin ich nicht der klassische Nachrichtenmann, sondern zeige auch ein Stück meiner Persönlichkeit. Das ist natürlich auch anspruchsvoller und anstrengender als „nur“ die News zu verkünden, aber es macht mir unheimlich großen Spaß.

Rogate-Frage: Der Bayerische Rundfunk hat in einer Studie zum Thema „Vertrauen in die Medien“ festgestellt, 65 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass Journalisten nicht immer das sagen dürfen, was sie wirklich denken. Wie frei sind Sie in Ihrer Arbeit? Wo halten Sie Ihre Meinung hinter dem Berg, wo nicht?

Daniel Bröckerhoff: Wir sind so frei, wie man es in einem Land mit Pressefreiheit nur sein kann. Tabuthemen gibt es für uns nicht und wir zeigen auch mal sehr klar unsere Haltung zu bestimmten Themen. Das kommt nicht immer gut an, uns wird deswegen auch Progaganda und Manipulation vorgeworfen. Von daher finde ich die Ergebnisse auch ein Stück weit erstaunlich.

Aber auf der anderen Seite finde ich es so ehrlich und demokratischer, weil wir immer auch zum Dialog einladen. Den wirklich objektiven Journalismus kann es ja gar nicht geben, weil er immer von Menschen gemacht wird.

Ich halte mich allerdings mit einer zu starken Bewertung von Themen zurück. Dafür ist die Welt zu komplex und zu vielschichtig, als dass ich mit simple Urteile fällen möchte.

Rogate-Frage: Klaus Kleber stockte in seinen Moderationen angesichts des aktuellen Flüchtlingselends manchmal die Stimme. Wann gehen Ihnen Meldungen so nah, dass Sie Mühe in der Präsentationen von Live-Sendungen haben? Wo und wann möchten Sie öffentlich schreien, Wut zeigen oder weinen?

Daniel Bröckerhoff: Es ist immer schwierig, das Elend anzumoderieren. Bislang konnte ich immer die professionelle Distanz wahren, aber viele Themen berühren mich so sehr, dass ich es manchmal schwer zu etragen finde darüber nüchtern zu berichten. Sei es das Thema „sexueller Missbrauch“, Armut, Umweltverschmutzung und die generelle Ungerechtigkeit auf der Welt, von der wir in Deutschland auch noch profitieren. Wir versuchen in unserer Sendung immer wieder auf diese Themen hinzuweisen und auch Lösungen zu zeigen, wohlwissen, dass das immer nur ein Tröpfchen sein kann.

Rogate-Frage: Gott, Glaube, Spiritualität und Kirche, wie nah oder fern sind Ihnen diese Themen? Und was ist Ihnen heilig?

Daniel Bröckerhoff: Es sind ehrlich gesagt schwierige Themen für mich, weil ich in einer Familie groß geworden bin, die nach schlechten Erfahrungen sehr bewusst mit der katholischen Kirche gebrochen hatte und mich konfessionslos erzogen hat. Im Laufe meines Lebens habe ich mich immer wieder versucht, mich mit Kirche und organisierter Religion anzufreunden, aber es blieb mir fremd. Gerade die sehr in sich gekehrte, ja fast bedrückende Atmosphäre in der westlichen christlichen Kirche hat mich immer mit einem Kloß im Hals aus den Feiern gehen lassen. Erst in den letzten Jahren bin ich durch meine Lebensgefährtin wieder an Gottesdienste heran geführt worden. Vor allem die internationalen Gospel-Gottesdienste in der Hamburger Hl. Dreieinigkeitskirche Borgfelde gefallen mir sehr. Denn sie sind lebendiger, bunter und lauter als die, die ich bislang kennen gelernt habe. Ich nenne sie aber lieber „Lebensfeiern“, denn an eine göttliche Entität zu glauben fällt meinem Ratio schwer. Sie gänzlich zu verleugnen hielte ich dagegen für anmaßend. Ich weiss, dass ich nichts weiss. Ich würde mich daher im besten Sinne als Agnostiker bezeichnen, der jeden etwas beneidet, der sich in seinem Glauben so sicher ist, dass er ein Bekenntnis ablegen kann.

Rogate: Vielen Dank, Herr Bröckerhoff, für das Gespräch!

Weitere Informationen finden über und von Daniel Bröckerhoff finden Sie hier.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

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