Fünf Fragen an: Erik Flügge, Autor und Geschäftsführer Squirrel & Nuts

kpi8mHbNQ80ScU9_1cnrl7jVHbodaWX7urkwTcEchfHQbRmeZHF_1iD8m3iQe_FM5EP1bA=w1256-h552

Erik Flügge (Bild: David Sievers)

Fünf Freitagsfragen an Erik Flügge, Autor „Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“, über die Kirche als eine Organisation mit unendlichem Potential, Kritik am „Wort zum Sonntag“ und die Leichtigkeit der Alltagssprache.

Erik Flügge, Jahrgang 1986, stammt aus Baden-Württemberg. Germanistik und Politikwissenschaften studierte er an der Universität Tübingen. Als Geschäftsführer leitet er die politische Strategieberatung Squirrel & Nuts GmbH in Köln.

Rogate-Frage: Herr Flügge, Sie haben eine lange und lebendige Geschichte mit der Kirche. Was mögen Sie an ihr?

Erik Flügge: Ich erlebe die Kirche als eine Organisation mit unendlichem Potential und unendlichem Durchhaltewillen. Schauen wir uns nur die Flüchtlingshilfe an. Auf Dauer funktioniert sie nur mit Kirche.

Rogate-Frage: Ab wann hat Sie die Kirchensprache gestört und warum? Was genau stört Sie an der Kirchensprache?

Erik Flügge: Ich war als Jugendlicher jeden Sonntag in der Kirche. Freiwillig, weil ich Oberministrant war. Gestört hat mich das, was dort gesagt wurde eigentlich schon immer. Mir schien jede Predigt belanglos. Schlimmer wurde es dann in der katholischen Jugendverbandsarbeit, an der ich alles schätze, außer ihre Gottesdienste. Die waren mir immer zu nah, zu übergriffig. Ständig musste ich etwas mit Tüchern, Energien und Kraftsteinen tun. Es schien mir beständig, ich müsste die 1970er nacherleben, obwohl ich erst nach diesem Jahrzehnt geboren wurde. Für mich war das immer unpassend.

Rogate-Frage: Das „Wort zum Sonntag“ kommt bei Ihnen auch nicht besser weg. Warum?

Erik Flügge: Weil es zu belanglos ist. Ich finde das dramatisch, dass man immer das Gefühl hat, peinlich berührt zu sein. Da muss es doch jemanden geben, für den man sich im Fernsehen nicht schämen muss. Und das liegt nicht nur an den Predigern im TV, sondern auch daran, dass das Format einfach schlecht gemacht ist. Die Einspielmusik, das Studio, das fehlende Publikum, das Zwanghafte Ablesen vom Teleprompter. Das ist alles so unnahbar, als wäre religiöse Verkündigung ein Nachrichtenkommentar. Ist sie aber nicht.

Rogate-Frage: Hatte die religiöse Sprache nicht immer auch andere Ausdrucksformen gefunden? Warum sollte gottesdienstliche Kommunikation sich nicht von der üblichen Kommunikation unterscheiden?

Erik Flügge: Wenn Sie mich fragen, dann liegt die Stärke religiöser Sprache im existenziellen Moment. Wenn wir trauern, zweifeln, verzweifeln, dann vermag religiöse Sprache in ihrer oft poetischen Form genau das richtige Angebot zu machen, um Halt zu geben. Damit funktioniert sie wie eine medizinische Heilung für die Seele. Deshalb sollten wir diese „Medizin“ auch nur sparsam einsetzen. Was mich an religiöser Sprache wirklich nervt, dass sie auch gänzlich belanglose Momente zwanghaft versucht mit Wichtigkeit aufzuladen. Das wirkt dann deplatziert und schlimmstenfalls peinlich.

Rogate-Frage: Was können wir in der Kirche konkret besser machen?

Erik Flügge: Ich möchte ganz bewusst keinen Fünf-Punkte-Ratgeber schreiben. Denn darum geht es nicht, ganz konkret zwei oder drei Dinge besser oder anders zu machen. Wir müssen uns in der Kirche um die Wirkung und Begrenzung unserer Sprache Gedanken machen und sie dann wohl dosiert einsetzen. Wo es nichts zu heilen gibt, da sollte eine Predigt, ein religiöser Text auch mit der Leichtigkeit der Alltagssprache auftrumpfen.

Rogate: Vielen Dank, Herr Flügge, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

_________________________________________________

Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Aushang_Eucharistie 11 Sonntag n Trinitatis_160616 KopieSonntag, 7. August 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 11. Sonntag nach Trinitatis
  • Sonntag, 4. September 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie zum Diakonie-Sonntag „Barmherzigkeit: Größer als unser Herz“, am 16. Sonntag nach Trinitatis, mit einer Ausstellungseröffnung
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter.
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Fünf Fragen. abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.