Fünf Fragen an: Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin

Fünf Freitagsfragen an Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, über Kinder in Regenbogenfamilien, die Gleichheit vor dem Gesetz und die geplante Rehabilitierung von Opfern der Nachkriegs-Schwulenverfolgung.

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Brigitte Zypries (Foto: Studio Kohlmeier)

Brigitte Zypries ist die direkt gewählte SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Darmstadt-Dieburg (WK 186). Sie ist in Kassel geboren und aufgewachsen, studierte in Gießen Jura und arbeitete u.a. beim Bundesverfassungsgericht drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Unter der Regierung Gerhard Schröders und Angela Merkels war sie von Oktober 2002 bis Oktober 2009 Bundesministerin der Justiz.

Rogate-Frage: Frau Staatssekretärin Zypries, Sie haben sich bereits als Bundesministerin für Justiz mit der Situation von Regenbogenfamilien beschäftigt. Warum?

Brigitte Zypries: Ich trete für Gleichheit vor dem Gesetz und durch das Gesetz ein. Für den Gesetzgeber gibt es keinen Grund, homosexuelle Lebenspartner und heterosexuelle Beziehungen unterschiedlich zu behandeln.

Rogate-Frage: 2009 gaben Sie die Untersuchung „Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften“ in Auftrag. Was ist – kurz gefasst – dabei rausgekommen?

Brigitte Zypries: Ich wollte – wissenschaftlich belegt – der Meinung entgegentreten, dass Lesben und Schwule Kinder nicht so gut erziehen könnten wie heterosexuelle Väter und Mütter. Die Studie hat bewiesen: Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden, entwickeln sich genauso gut wie Kinder von heterosexuellen Paaren. Denn Kinder brauchen vor allem Eltern, die sie lieben und die sich um sie kümmern. Das können gleichgeschlechtliche Paare genauso gut oder schlecht wie andere auch. Ich sage:  Familie ist dort, wo Kinder sind.

Rogate-Frage: Was brauchen Regenbogenfamilien rechtlich, sozial, gesellschaftlich, um ein guter Ort für Kinder zu sein?

Brigitte Zypries: Rechtlich benötigen Regenbogenfamilien vor allem die echte Gleichstellung mit anderen Familien. Deshalb sollten gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch den Schutz des Artikels 6 des Grundgesetzes genießen. Beide Partner sollten Kinder adoptieren dürfen. Steuerrechtlich sollte kein Unterschied zwischen heterosexuellen und homosexuellen Eltern gemacht werden.

Sozial brauchen Kinder auch bei Regenbogenfamilien das, was alle Kinder brauche: Liebe, Fürsorge, Geborgenheit und Vertrauen.

Für die gesellschaftliche Anerkennung der Kinder aus Regenbogenfamilien ist es wichtig, dass es im Alltag keine Diskriminierung gibt.

Und natürlich stehen diese Familien vor genau den gleichen Herausforderungen wie andere: Sie brauchen gute Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten mit Zeit für die Familie, Chancen auf Bildung für ihre Kinder et cetera.

Rogate-Frage: Nach dem Anschlag von Orlando ist in den Medien neu die Situation und Lebenslage von LGBTIQ in Deutschland als Thema aufgetaucht. Organisationen kritisieren Diskriminierungen, Benachteiligungen und Gewalterfahrungen auch hierzulande. Was muss passieren, um Verbesserungen und gleiche Rechte zu erreichen?

Brigitte Zypries: Wir müssen (leider) immer wieder auf die Rechte von Homosexuellen aufmerksam machen und sie auch verteidigen. Veranstaltungen wie der „Christopher Street Day“ helfen, die Öffentlichkeit für die Benachteiligungen zu sensibilisieren, ein breiteres Interesse zu wecken und Initiativen für Gesetzesänderungen zu fördern. Gleiche Rechte kann man nur mit Hilfe von gesetzlichen Änderungen erreichen – die Politik muss die rechtliche Gleichstellung vollenden.

Rogate-Frage: Papst Franziskus sagte jüngst: „Ich glaube, die Kirche sollte die Homosexuellen um Entschuldigung bitten, wie sie behandelt worden sind..“ Ist so eine Entschuldigung auch von Seiten des Staates denkbar und sinnvoll?

Brigitte Zypries: Erstmal finde ich es gut, dass Papst Franziskus das gesagt hat. Auch der Staat hat Homosexuelle früher kriminalisiert – bis 1994 war männliche Homosexualität unter Strafe gestellt. Dafür haben sich staatliche Stellen schon entschuldigt.

Jetzt gibt es einen Gesetzentwurf des Bundesjustizministers zur Rehabilitierung von Opfern der Nachkriegs-Schwulenverfolgung. Nach wie vor bestehen zehntausende Verurteilungen nach Paragraf 175 weiter und die Betroffenen müssen bis heute mit diesem Strafmakel leben. Das werden wir ändern.

Rogate: Vielen Dank, Frau Staatssekretärin Zypries, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • st-michaelis-donnerstag-29-september-2016St. Michaelis, Donnerstag, 29. September 2016 | 19:00 Uhr, Ökumenische Eucharistie, mit der Alt-Katholischen Gemeinde Berlin
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
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