Fünf Fragen an: Pfarrerin Simone Mantei, Studienzentrum der EKD für Genderfragen

Fünf Freitagsfragen an Simone Mantei, Studienzentrum der EKD für
Genderfragen in Kirche und Theologie, über soziale Kategorien, verordnete Geschlechterordnungen und den Schatz vielfältiger Gottesbilder.

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Dr. Simone Mantei (Bild: EKD)

Pfarrerin Dr. Simone Mantei, geboren 1972 in Hannover, studierte von 1991 bis 1998 evangelische Theologie in Marburg, Uppsala (Schweden) und Hamburg. Im Anschluss an ihr Examen promovierte sie im Fach kirchliche Zeitgeschichte. Nach ihren Vikariat war sie drei Jahre Pfarrerin im hessischen Bad Schwalbach. 2009 bis 2014 lehrte und forschte sie im Fachgebiet Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät Mainz und veröffentlichte zu pastoraltheologischen Fragen. Seit knapp drei Jahren ist sie Studienleiterin im Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie in Hannover. Simone Mantei ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Rogate-Frage: Frau Dr. Mantei, was sind Genderfragen?

Simone Mantei: Geschlecht ist nicht nur eine biologische Kategorie, sondern auch eine soziale. Das heißt, was zu verschiedenen Zeiten oder in verschiedenen Kulturen als männlich angesehen wird oder als weiblich, unterscheidet sich. Genderfragen hinterfragen zum Beispiel, was wir heute als ‚typisch männlich oder weiblich‘ betrachten – welche Farben, Haarlängen oder Berufe werden welchem Geschlecht zugeschrieben? Warum war Reiten im Kontext von Jagd und Militär bis ins letzte Jahrhundert eine männlich konnotierte Tätigkeit und gilt heute als typischer Frauensport? Und warum vergeschlechtlichen wir diese Tätigkeit überhaupt?

Rogate-Frage: Warum beschäftigt sich die evangelische Kirche damit?

Simone Mantei: Weil die Kirche Geschlechterrollen über lange Zeit als Gottgegeben, unveränderlich und sakrosankt verstanden hat. Die Rede von sogenannten ‚Schöpfungsordnungen‘ hat jede Hinterfragung unmöglich gemacht. Heute sucht die Kirche auf der Grundlage des Evangeliums nach gerechten Verhältnissen – auch zwischen den Geschlechtern.

Rogate-Frage: Welche Erkenntnisse aus Ihrer Arbeit können Kirchengemeinden und Einrichtungen nutzen?

Simone Mantei: Das Studienzentrum betreibt zunächst Grundlagenforschung. Hier wurde zum Beispiel der „Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der evangelischen Kirche in Deutschland“ erstellt. Er beschreibt wie viele Männer und Frauen in Kirchenvorständen, im Ehrenamt oder im Pfarrdienst aktiv sind und dient damit zum Beispiel Synoden als Grundlage für weitere Befassungen.

Als Beitrag zum Reformationsjubiläum gibt es Frauenmahle, in denen anregende Gespräche gesucht werden über die Zukunft von Kirche und Theologie.

Zudem steht derzeit die Studie „Verhasste Vielfalt“ vor dem Abschluss. Dabei geht es um die Auswirkungen von Hassmails im kirchlichen Raum. Von den Ergebnissen erhoffen wir uns, dass deutlich wird, welche Ängste und Aggressionen mit Genderfragen und anderen kirchlichen Themenfeldern verbunden sind.

Rogate-Frage: Welche Aufgaben und Entwicklungen im Bereich der Genderfragen kommen in der Zukunft auf die Kirche zu?

Simone Mantei: Beispielsweise der interreligiöse Dialog zu theologischen Geschlechter- und Familienbildern; die Vermittlung von geschlechterbewusstem biblisch-theologischen Grundlagenwissen oder auch Arbeits- und Lebensmodelle der Zukunft. Aber auch Fragen nach religiöser oder sexueller Identität (Trans-und Intersexualität) müssen aus theologischer Perspektive reflektiert werden. Und nicht zuletzt wird die Kirche sich mit der Frage nach der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Kirche und Gesellschaft auseinandersetzen müssen.

Rogate-Frage: Und was sollte sich im Gottesdienst und in der Theologie ändern?

Simone Mantei: Es hat sich schon viel geändert. Die Gemeinden sitzen nicht mehr nach Geschlechtern getrennt in der Kirche. Wir haben den Schatz vielfältiger – auch weiblicher – Gottesbilder wieder entdeckt. Es gibt sogar ein Gesangbuch und eine Bibel in gerechter Sprache. Selbst die neue Lutherübersetzung hat ein Bewusstsein für Sprache – genauso wie viele Geistliche und Ehrenamtliche.

Wünschen würde ich mir, dass Genderfragen in Kirche und Theologie noch ein wenig unideologischer verhandelt würden und selbstverständlicher, beispielsweise in theologischen Seminaren oder Bibelkreisen, aufgegriffen würden – wie ich es im Studium in Schweden erlebt habe.

Als evangelische Pfarrerin wünsche ich mir auch katholische Kolleginnen, Priesterinnen, die Ihrer Berufung folgen und nicht wegen ihres Geschlechts vom Dienst am Wort Gottes abgehalten werden.

Rogate: Vielen Dank, Frau Pfarrerin Dr. Mantei, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Willkommen zu unseren nächsten öffentlichen Gottesdiensten in der Zwölf-Apostel-Kirche, An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin-Schöneberg:

  • Rogate Kl_Postkarte_Mensch+Tier2016_080316 Kopie 2 Sonnabend, 1. Oktober 2016 | 16:00 Uhr, Mitgliederversammlung des Trägervereins
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 11:00 Uhr, Rogate-Zukunftsworkshop, Moderation Pfarrerin Andrea Richter
  • Montag, 3. Oktober 2016 | 15:00 Uhr, Gottesdienst für Mensch und Tier. Predigt: Pfarrerin Andrea Richter
  • Donnerstag, 6. Oktober 2016 | 19:00 Uhr, Vesper
  • Sonntag, 23. Oktober 2016 | 10:00 Uhr, Eucharistie am 22. Sonntag nach Trinitatis, mit dem Botkyrka Kammarkör der Tumba Kirche, Schweden
  • Allerheiligen, Dienstag, 1. November 2016 | 19:00 Uhr, Gottesdienst mit Bischof Dr. Matthias Ring, Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Bezirksbürgermeisterin  Angelika Schöttler, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, EKBO, Pfarrerin Andrea Richter, Spiritualitätsbeauftragte der EKBO, Dekan Ulf-Martin Schmidt, Alt-Katholische Gemeinde Berlin, Pastorin Dagmar Wegener, Baptistische Gemeinde Schöneberg, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
  • Sonntag, 3. Advent, 11. Dezember 2016 | 17:00 Uhr, Sternenkinder-Gottesdienst für verwaiste Eltern und ihre Angehörigen zum Worldwide Candle Lighting Day, mit Pastor Engelbert Petsch, Aktion “Die Flamme der Hoffnung”, und Pfarrer Burkhard Bornemann, Zwölf-Apostel-Kirche
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