Fünf Fragen an: Prälatin Gabriele Arnold Ev. Landeskirche in Württemberg

Fünf Fragen an Prälatin Gabriele Arnold, Prälatur Stuttgart der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, über die Rolle als CSD-Schirmfrau, die Ehe für alle und den schmerzhaften Auszug von LSBTTIQ aus der Kirche.
2017 Prälatin Gabriele Arnold

Prälatin Gabriele Arnold (Bild: Landeskirche)

Gabriele Arnold ist 1961 in Stuttgart geboren. Sie hat in Tübingen, Mainz und Berlin evangelische Theologie studiert und in Laichingen (Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen) und Berlin ihr Ausbildungsvikariat gemacht. Nach Pfarrstellen in Hengstfeld (Kirchenbezirk Blaufelden) und Stuttgart war sie seit 2009 geschäftsführende Pfarrerin in Bad Mergentheim (Kirchenbezirk Weikersheim). Gabriele Arnold engagierte sich auch über ihre Kirchengemeinde hinaus. So war sie vier Jahre stellvertretende Dekanin und ist seit 2007 Vorsitzende der Evangelischen Mütterkurheime. Außerdem gehört sie dem Präsidium der Evangelischen Frauen in Württemberg (efw) an. In ihrer Freizeit sind ihr die Familie und der Freundeskreis wichtig. Zu ihren Hobbys zählt sie Lesen – „aber keine Krimis!“ –, Gartenarbeit, Reisen im Mittelmeerraum auf den Spuren der Antike, Kochen sowie Shoppen mit Schwiegertochter und Freundinnen.

Rogate-Frage: Frau Prälatin Arnold, der Stuttgarter CSD hat Sie angefragt, ob Sie Schirmherrschaft des diesjährigen CSD übernehmen. Wie ist es dazu gekommen und welche Gedanken haben Sie dabei bewegt?

Gabriele Arnold: Diese Anfrage kam im Jahr des Reformationsjubiläums; der CSD Stuttgart hat mit dem Leitwort des Perspektivwechsel einen Perspektivwechsel innerhalb der Kirche anregen wollen aber auch einen Perspektivwechsel innerhalb der Community auf die Kirche hin initiieren wollen.

Da ich in der Community einige Freunde und Bekannte habe und schwule Kollegen, die im CSD engagiert sind, wussten die Organisatoren des CSD sicher von meiner Einstellung zu LSBTTIQ.

Meine Zusage habe ich gerne gegeben, denn der CSD als bürgerschaftliche Bewegung hilft Menschenrechtsverletzungen aufzuzeigen und ermutigt alle, die sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzen, in welcher Gruppe, in welcher Partei in welchem Verein auch immer und eben auch in der Kirche. Die CSD-Bewegung hat schon viel erreicht und das gesellschaftliche Klima nachhaltig verändert.

Rogate-Frage: Welche Botschaft wollen Sie mit Ihrer Schirmherrschaft an Kirche, Gesellschaft und LGBTIQ-Community senden?

Gabriele Arnold: Vor 500 Jahren begann mit der Reformation ein ganz entscheidender Perspektivwechsel, der die Kirche aber auch die mittelalterliche Gesellschaft zutiefst verändert hat. Daran erinnern wir uns in diesem Jahr und feiern die Reformation.“… da ist Freiheit“ – so lautet das Motto des Reformationsjubiläums in der württembergischen Landeskirche. Damit dieser Satz aus dem Neuen Testament aber nicht nur ein frommer Wunsch ist, sind wir alle immer neu gefordert. Der Geist der Freiheit gibt Vorurteilen und Ausgrenzung keinen Raum. Er ermutigt uns, vorgefasste Denkmuster und Einstellungen in Frage zu stellen. So wie Martin Luther das in Bezug auf den Glauben und die Beziehung der Menschen zu Gott und damit immer auch zu den anderen gedacht und gelebt hat. Der CSD passt hervorragend zu diesem Motto der Landeskirche. Denn auch in der Kirche wurden Lesben, Schwule und LSBTTIQ ausgeschlossen oder verachtet und viele lesbische und schwule Christen mussten sich verstecken und ihre Sexualität verleugnen. Nicht wenige haben deshalb die Kirche verlassen. Das tut mir sehr leid. Aber es tut sich etwas.  Für den Perspektivwechsel und den Geist der Freiheit gegen Vorurteile und Verschweigen, Weggucken und Doppelmoral fanden und finden sich viele Unterstützerinnen und Unterstützer in vielen Teilen der Gesellschaft und damit auch der Kirche.

Schon im Jahr 2000 wurde eine Studie („Gesichtspunkte im Blick auf die Situation homosexueller kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“) der württembergischen Landeskirche veröffentlicht in der es unter anderem heißt:

  • Die Kirche muss deutlich machen, dass entgegen früheren Verhaltensweisen und Vorbehalten auch homosexuelle Menschen fraglos zu unserer Kirche gehören und dieselbe Liebe und Zuwendung Gottes empfangen wie alle anderen Mitglieder der Kirche auch“.
  • „Unsere württembergische Landeskirche anerkennt, dass sie an der Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte homosexueller Menschen einen Schuldanteil zu übernehmen hat. Sie ist sich bewusst, dass manche Schwule und Lesben durch belastende Erfahrungen in der Kirche in schwere Lebens- und Glaubenskrisen geraten sind. Sie bittet alle Schwulen und Lesben, an denen sie schuldig geworden ist, um Vergebung“.
  • „Die Landeskirche bringt zum Ausdruck, dass die gemeinsame Zugehörigkeit von Homo- und Heterosexuellen zur Kirche keine Bedrohung, sondern Bereicherung ist.“

Rogate-Frage: Ungewöhnlich scharf haben manche Kreise auf Ihre positive Haltung und Akzeptanz sexueller Minderheiten reagiert. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Gabriele Arnold: Gerade Menschen, die dem CSD kritisch gegenüber stehen, will ich ermutigen sich, auf einen Perspektivwechsel einzulassen. Wir müssen den Perspektivwechsel miteinander einüben. Miteinander werden wir überlegen: Wie kann es gelingen, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen miteinander reden statt übereinander? Wie können wir lernen, den anderen, die andere mit ihren eigene Erfahrungen ernst zu nehmen und wert zu schätzen? Wie schaffen wir ein Klima der Akzeptanz und nicht der Intoleranz? Diese Fragen bewegen uns im Hinblick auf viele gesellschaftliche Themen. Ich bin froh, dass der CSD hier seinen Beitrag leistet.
Rogate-Frage: Am Freitag stimmt der Deutsche Bundestag über die Ehe für alle ab. Welche Bedeutung hat diese Entscheidung für Kirche und Gesellschaft?
Gabriele Arnold: Die Entscheidung für die Ehe für alle ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Akzeptanz. Aber zunächst einmal handelt es sich dabei ja um eine staatliche Angelegenheit. Aber diese Entscheidung wird das Bewusstsein der Menschen in unserem Land verändern. In den Kirchenleitungen und Synoden muss auf diesem Hintergrund sicher nachgedacht werden, ob und was das für die kirchliche Trauung bedeutet. Im ökumenischen Kontext wird das viele Fragen aufwerfen.
Rogate-Frage: Wann und wie kann eine Gleichstellung lesbischer und schwuler Paare in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg folgen?
Gabriele Arnold: Lesben und Schwule können in unseren kirchlichen Ämtern – Haupt und Ehrenämtern arbeiten. Es gibt Gemeinden, in denen lesbische und schwule Pfarrer/innen mit ihren Partner/innen im Pfarrhaus leben. An der Frage der Segnung arbeiten unsere synodalen und kirchenleitenden Gremien. Auch in vielen Gemeinden finden Gespräche darüber statt.
 Rogate: Vielen Dank, Frau Prälatin Arnold, für das Gespräch!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Reihe zur Bundestagswahl 2017 „Warum wählen?“ gestartet

IMG_7794Am Abend an der Nordseeküste: „Gebet für Stadt und Land“ mit Gast-Liturgen Pfarrer Meik Barisch (Alt-katholische Gemeinde Wilhelmshaven) und anschließend der Auftakt der Interview-Veranstaltung „Warum wählen?“ mit SPD-Bundestagskandidatin Siemtje Möller ​aus Varel.

Glaube, Liebe, Hoffnung waren Themen der Befragung in einer gut besuchten Veranstaltung im Gemeindehaus der Christus- und Garnisonkirchengemeinde. Weitere Stühle mussten herbeigeschafft werden, um allen Gästen und Gemeindegliedern für die Teilnahme Sitzmöglichkeiten zu schaffen. Interview-Inhalte waren zudem Kirchenerfahrung, Renten-Zukunft und der eigene ethische Rahmen der Kandidatin für mögliche Entscheidungen im Parlament – bei einem angestrebten Direktmandat für den Wahlkreis 26 (Friesland – Wilhelmshaven – RogateKl_DINlang_Wilhelmshaven_RZ140617_Front KopieWittmund) nach der Bundestagswahl 2017.

Alle Termine der Reihe:

Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Projekts Flüchtlingsarbeit – Koordination und Begleitung der Gemeinden im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, der Evangelischen Jugend Friesland-Wilhelmshaven, der Citykirche Wilhelmshaven und des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin. Unterstützt wird die Reihe aus Spenden der NWZ-Weihnachtsaktion 2015 und von Nolte Kommunikation – Visuelle Konzepte und PR.

Fünf Fragen an: Siemtje Möller, SPD-Bundestagskandidatin Wahlkreis 26

Fünf Freitagsfragen an Siemtje Möller, SPD-Direktkandidatin im Wahlkreis 26 (Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund), über die Wichtigkeit Europas, die Bedeutung guter Bildung und Kirchen als wichtige Pfeiler.

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Bild: Siemtje Möller

Siemtje Möller stammt aus Emden (Ostfriesland). Die Abiturprüfung legte sie in Oldenburg an der Liebfrauenschule ab. In Göttingen studierte sie Politik, Französisch und Spanisch für das Lehramt am Gymnasium. Zuletzt arbeitete sie als Studienrätin in Wilhelmshaven. Sie lebt mit ihrer Familie in Varel. Sie engagiert sich als Mitglied in der SPD, für eine gerechtere Welt und ein besseres Miteinander.

Rogate-Frage: Frau Möller, was treibt Sie in die Politik und warum haben Sie sich entschieden, für den Deutschen Bundestag zu kandidieren?

Siemtje Möller: Ich bin ein durch und durch politischer Mensch. Schon als kleines Kind habe ich mich für die Welt um mich herum interessiert und gefragt, warum Müll in den Gräben und auf der Straße herum liegt. Später hat mich vor allem die Frage beschäftigt, warum Länder miteinander Krieg führen, welche Folgen für die Bevölkerung und die Staatlichkeit daraus resultieren und wie man versuchen kann, im besten Falle bereits präventiv, diplomatisch zu intervenieren. Willkür, das sich Erheben von Gruppierungen oder auch Einzelpersonen über andere treibt mich nach wie vor um und umso wichtiger ist für mich das europäische Projekt, welches hier bei uns den Frieden und die Demokratie sichert.

Obwohl ich lange außerhalb von Parteien politisch aktiv war, wurde mir während meines Studiums bewusst, dass in Deutschland die politischen Leitlinien und Entscheidungen in den Parteien vorbereitet und diskutiert werden. Deshalb bin ich damals ganz bewusst eingetreten, weil ich aktiv die Politik über meine Mitarbeit in einer Partei mitbestimmen wollte. Für mich als junger Mensch ist es wichtig, nicht immer nur Kritik zu üben, sondern tatsächlich auch Position zu ergreifen und mitzuarbeiten, denn so kann ich an politischen Entscheidungen mitwirken. Ich glaube, dass wir jungen Menschen klar formulieren sollten, wie wir uns die Zukunft vorstellen, denn es ist unsere Zukunft. Das geht nur über Politik und für mich persönlich nur im Dialog mit den anderen Bevölkerungsgruppen. Die Bundestagskandidatur ist die Konsequenz dieser Gedanken: ich möchte aktiv die Zukunft dieser Region und unseres Landes mitgestalten, damit unser gutes Leben hier weiterhin möglich ist.

Rogate-Frage: In was für einer Gesellschaft möchten Sie leben?

Siemtje Möller: Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die allen dieselben Chancen bietet und den Menschen an sich nicht aus dem Blick verliert. Für mich ist wichtig, dass wir allen ermöglichen, ihre Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Das geht nur mit guter Bildung, aber auch nur mit einer Herangehensweise an jedes Individuum, die die Stärken eines jeden Einzelnen sieht, und nicht die Schwächen.

Unsere Gesellschaft ist zum Glück offener geworden, dennoch gibt es Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder auch sexuellen Orientierung Diskriminierung erfahren, ich wünsche mir, dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass diese Diskriminierungen weniger werden und ganz verschwinden. Mir ist es wichtig, dass wir zusammen halten und auch denen Schutz bieten, die zu uns vor Krieg und Gewalt fliehen. Der Frieden in dem wir hier leben, ist die Grundlage für unseren wirtschaftlichen und sozialen Reichtum, ihn gilt es zu erhalten!

Rogate-Frage: Welche fünf Themenfelder auf Bundesebene und welche auf regionaler Ebene haben für Ihr politisches Handeln Priorität, wenn Sie gewählt werden?

Siemtje Möller: Auf regionaler Ebene stehen für mich neben der Stärkung regionalen Wirtschaft, Ausbau der (digitalen) Infrastruktur, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Wilhelmshaven und die Sicherheit der öffentlichen Daseinsvorsorge, wozu für mich auch beispielsweise die Verbesserung der Kinderbetreuung zählt, die Versorgung und Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten im Fokus. Für mich geht es darum weiterhin für das gute Leben, was hier in der Region möglich ist, zu streiten und zu sorgen.

Die Themen auf Bundesebene sind für mich eng mit den Themen des Wahlkreises verbunden: Verteidigung – die Bundeswehr ist der größte Arbeitgeber hier bei uns und prägt die Region, wirtschaftliche Entwicklung und Zukunft der Arbeit, Entlastung für Familien insbesondere der kleinen und mittleren Einkommen beispielsweise über Besteuerung, Gesundheit im Hinblick auf den demografischen Wandel und den ländlichen Raum und (digitale) Infrastruktur.

Rogate-Frage: Was bedeuten Ihnen Religion, Gott, Glaube und Kirche?

Siemtje Möller: Ich bin ein neugieriger aber auch nachfragender Mensch. Die Frage nach Gott beziehungsweise nach dem höheren Sinn des Lebens hat mich schon während der Schulzeit beschäftigt. Religion, der Glaube an Gott bietet die Gewissheit, dass das eigene Sein nicht ohne Zweck ist. In die christliche Religion fest eingeschrieben ist das Prinzip der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe, Prinzipien, die das Fundament unserer Gesellschaft bilden. Fundamentalismus in jeder Hinsicht lehne ich zutiefst ab, für mich muss sich Religion auch fortentwickeln und mit den gesellschaftlichen Entwicklungen gehen, ohne die Wurzeln zu verlieren, die für mich in den Zehn Geboten, in Vergebung und Nächstenliebe und der in den Jesus-Gleichnissen begründeten Gleichheit der Menschen liegen.

Die Kirchen sind wichtige Pfeiler unserer Gesellschaft, die auch für Zusammenhalt und Solidarität in schwierigen Zeiten sorgen müssen.

Rogate-Frage: Welche Erwartung haben Sie an das Sommer-Interview „Warum wählen?“ am Montag, 26. Juni?

Siemtje Möller: Ich hoffe auf ein reges Publikum, dass viele Fragen stellt! Ich bin gespannt, wie es werden wird und freue mich auf die Veranstaltung.

Rogate: Vielen Dank, Frau Möller, für das Gespräch. Und bis Montag in der Citykirche Wilhelmshaven!

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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Friesland-Wilhelmshaven: Sommer-Interviews zur Bundestagswahl 2017

RogateKl_DINlang_Wilhelmshaven_RZ140617_Front KopieIm Vorfeld der Wahl 2017 bittet der Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven die Direktkandidaten des Bundestagswahlkreises 26 (Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund) zu Sommer-Interviews. Ziel: Das öffentliche Gespräch über die Demokratie, den Einsatz und die Kandidaten in der Region zu fördern.
Den Veranstaltern geht es um die Vorstellung des Menschen, der sich zur Wahl stellt. Dabei soll nicht auf politische Person und Parteienmitgliedschaft reduziert werden. Was treibt die Kandidaten in die Politik und warum engagieren sie sich? In welcher Gesellschaft wollen sie leben und welche Vision für die Zukunft haben sie? Nur begrenzt werden die Programme der jeweiligen Partei Inhalt sein.
Start des Gesprächs ist jeweils um 19:45 Uhr im Saal des Gemeindehauses der Kirchengemeinde Wilhelmshaven (Christus- und Garnisonkirche, Am Kirchplatz 1). Ende der Veranstaltung soll gegen 21 Uhr sein.
Hans-Werner Kammer ist am 3. Juli Interview-Gast. Er war Mitglied des Bundestages zwischen 2005 und Oktober 2009, sowie seit April 2010. Der CDU-Politiker über das Format der Reihe: „Ich hoffe, dass diese Veranstaltung mehr Aufmerksamkeit auf die Bundestagswahl lenkt, vielen Wählerinnen und Wählern die Gelegenheit gibt, sich ein Bild von den Kandidaten zu machen und so die Wahlbeteiligung erhöht. Schließlich ist die Teilnahme an Wahlen der Grundstein der Demokratie.“
Die Veranstalter laden vor jeder Veranstalung um 19:00 Uhr zu einem ökumenischen „Gebet für Stadt und Land“ in die Christus-und Garnisonkirche ein. Am Montag wirkt ökumenisch Pfarrer Meik Barwisch (Alt-katholische Gemeinde Wilhelmshaven) mit.

Alle Termine der Reihe:

Die Veranstaltungsreihe ist eine Initiative des Projekts Flüchtlingsarbeit – Koordination und Begleitung der Gemeinden im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven, der Evangelischen Jugend Friesland-Wilhelmshaven, der Citykirche Wilhelmshaven und des Rogate-Klosters Sankt Michael zu Berlin. Unterstützt wird die Reihe aus Spenden der NWZ-Weihnachtsaktion 2015 und von Nolte Kommunikation – Visuelle Konzepte und PR.

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Meinung: Trauung für alle

cw 9511 1 RegenbogenfahneDie Glocken der Kirchen läuten in diesen Wochen besonders häufig. Ab Mai bis in den August wird viel geheiratet. Viele suchen sich einen Heiratstermin in der schönen Jahreszeit, wenn alles blüht und die Feste sogar draußen gefeiert werden können – sofern das Wetter mitspielt. Zumindest ist die Chance auf schöne Hochzeitsfotos größer.

Wir Menschen sehen uns nach Nähe. Sich zu verlieben ist wunderbar – ein Traum, wenn die Liebe erwidert wird. Der Wunsch nach Verbindlichkeit und Ritualen ist groß. Viele erfahren zudem, Gottes Segen beflügelt, stärkt die Verbindung und das Miteinander.

Doch stellen Sie sich mal vor, Ihnen wäre es verboten zu heiraten. Wie fühlt es sich an, wenn Staat und Kirche sagen: „Ihr dürft nicht!“ Lesbischen und schwulen Paaren ging es lange so. Ihnen ist weiter die staatliche Ehe untersagt. Viele fordern lange schon gleiche Rechte und die Öffnung zu einer Ehe für alle. Dadurch würde niemanden etwas genommen werden. Keiner heiratet weniger, weil andere heiraten dürfen.

Lange genug waren die Kirchen nicht Teil der Lösung, sondern haben durch Ausgrenzung von Lesben und Schwulen schwere Schuld auf sich geladen. Die evangelische Kirche ist einen langen Weg gegangen: In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist die Gleichberechtigung hergestellt. Die Synode der Oldenburger Kirche hat vergangene Woche beschlossen, die Diskriminierung zu beenden und gleichgeschlechtliche Paare in allen Rechtstexten gleich zu stellen. Dazu gehört die „Trauung für alle“, die Öffnung der Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare.

Gesellschaft und die Kirche werden lebenswerter, wenn alle gleichberechtigt sind, volle Bürgerrechte haben, Liebe Respekt erfährt und Vielfalt als Bereicherung verstanden wird. Vielleicht hören wir künftig noch öfter Hochzeitsglocken. Frauen- und Männerpaare heiraten und bitten um Gottes Segen bitten. Eingeladen sind sie. Es gibt genug „Trauung für alle“. Und das ist gut so.

Ein Meinungsbeitrag von Bruder Franziskus Aaron RGSM

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Fünf Fragen an: Wolfgang Seibert, Jüdische Gemeinde Pinneberg

Fünf Freitagsfragen an Wolfgang Seibert, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Pinneberg, über die Motive, Fremden Schutz zu gewähren, die Zusammenarbeit mit den Kirchen und das Gemeindeleben in Schleswig-Holstein.

Wolfgang Seibert stammt aus Frankfurt am Main, wo er auch studierte. Er engagiert sich für Flüchtlinge, interreligiösen Dialog und gegen Rechts. Als erste und bislang einzige jüdische Gemeinde in Deutschland hat seine Gemeinde in den vergangenen Jahren bereits mehreren Schutzbedürftigen ungeachtet ihrer Religion in ihren Räumen Asyl geboten. Im Mai erhielt er den Menschenrechtspreis 2017 der Stiftung PRO ASYL.

Rogate-Frage: Herr Gemeindevorsitzender Seiber, Ihre Gemeinde hat in den vergangenen Jahren bereits mehreren Schutzbedürftigen, ungeachtet ihrer Religion, in ihren Räumen Asyl geboten. Wie kam es dazu?
Wolfgang Seibert: Wir wurden vor einigen Jahren gefragt, ob wir bereit seien Flüchtlinge in das Synagogenasyl zu nehmen. Wir haben das circa fünf Minuten im Vorstand disikutiert und Ja gesagt. Als gläubige Juden war die Leitlinie aus dem 2. Buch Mose 22,20: „Du sollst den Fremdling nicht bedrücken“  und aus dem 3. Buch Mose 19,34 „Du sollst den Fremden lieben wie Dich selbst“.
Rogate-Frage: Gibt es Unterschiede zwischen dem Synagogen- und Kirchenasyl?
Wolfgang Seibert: Es gibt wohl keine Unterschiede zwischen Synagogen- und Kirchenasyl. Wir haben uns auch bei kirchlichen Organisationen darüber informiert wie so etwas gemacht werden muss. In der Zeit des Synagogenasyls gabe es auch eine enge Zusammenarbeit mit den beiden christlichen Kirchen und auch der muslimischen Gemeinde. Diese Zusammenarbeit hat uns gestärkt.
Rogate-Frage: Wie läuft ein Synagogenasyl ab und was passiert da?
Wolfgang Seibert: Es gibt eine Menge behördlicher Dinge zu tun: Mitteilung an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Mitteilung an die zuständige Ausländerbehörde uund so weiter. Das ist wichtig, da der Flüchtling auch während der Zeit des Asyls in unserer Gemeinde eine „ladungsfähige Anschrift“ haben muss, wenn er die nicht hat, gilt er als „untergetaucht“ und das verändert Fristen und verlängert sie. Es muss die Verpflegung organisiert werden, ein Besuchsdienst muss organisiert werden, damit sich Leute um den Flüchtling kümmern, während er bei uns ist.
Rogate-Frage: Wie reagiert Ihre Gemeinde darauf?
Wolfgang Seibert: Die Gemeinde hat sehr positiv reagiert. Der schon erwähnte Besuchsdienst stand innerhalb weniger Stunden. Menschen gingen in die Gemeinde, redeten mit den Flüchtlingen, spielten Gesellschaftspiele mit ihnen, brachten Lebensmittel und sehr viele Süssigkeiten.
Rogate-Frage: Wie sieht jüdisches Leben in Schleswig-Holstein und in Pinneberg aus?
Wolfgang Seibert: Nach 1945 gab es in Schleswig-Holstein nur zwei Jüdische Gemeinden, in Kiel und Lübeck. Nach 1989 wurden dann, wegen der Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, neue Gemeinde gegründet. Mittlerweile gibt es neun Jüdische Gemeinden bei uns. Die Gemeinden veranstalten natürlich Gottesdienste am Schabbat und den jüdischen Feiertagen. Wir machen Religionsunterricht, veranstalten Deutschkurse, machen Seniorenbetreuung, besuchen Kranke und machen Sterbebegleitung. Also nicht anders als auch bei den christlichen Kirchen.
Rogate: Vielen Dank, Herr Seibert, für das Gespräch.

Weitere Freitagsfragen – und Antworten – finden Sie hier: Rogatekloster.de

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